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Hauskauf Büro absetzen / Berechnungen?

Von: chris087
4 Antworten
Guten Tag!

Kurz zu meiner Person: Ich arbeite als festangestellter Mitarbeiter in einer Firma. Zusätzlich habe ich seit ca. 8 Jahren ein Nebengewerbe angemeldet, wo ich vorwiegend Webseiten und Webshops erstelle. Diese Nebentätigkeit benötigt ca. 15 h Zeitaufwand pro Woche. Von den Tätigkeiten werden 80-90% von zu Hause am Schreibtisch ausgeführt.

Da ich bis jetzt meinen Schreibtisch in einer Wohnzimmerecke hatte, konnte ich steuerlich nur Anschaffungen absetzten, keine Raumnutzung.

Ich bin gerade dabei ein freistehendes Einfamilienhaus zu kaufen.
Dies kostet 365.000 € zzgl. 42.500 € Nebenkosten (Grunderwerbssteuer, Maklercourtage, Notar, etc.)

Im Eingangsbereich befindet sich ein Arbeitszimmer, welches ich nun als Büro für die ausschliessliche Nutzung für das Nebengewerbe verwenden möchte.

Nun ist die Frage: Kann ich diesen Raum absetzen und in welcher Höhe.

Zusätzlich möchte ich im Keller auch einen kleinen Lagerraum für die Lagerung von betrieblichen Gegenständen (Ordner, Aufträge, Waren) nutzen. Kann ich diesen auch absetzen?

Kann ich schon beim Hauskauf Grunderwerb ibs. (Grunderwerbssteuer, Maklercourtage, Notar, etc.) direkt anteilig Kosten absetzen?

Ich denke die anteilige Raummiete kann ich anhand der qm-Aufteilung berechnen.

Aber wie berechne ich den Wert des Hauses / Grundstückes, also die theoretische Gesamtmiete?

Grundstück hat 480 qm, Gesamt-Wohnfläche beträgt 115 qm. Nutzfläche 100 qm.

Die Nebenkosten (Strom, Versicherungen, Heizkosten) kann ich direkt anteilig (nach qm) berechnen, korrekt?

Hoffe ihr könnt mir helfen.

Vielen Dank!
Von: Kexel
Uhr
Hallo,
chris087 wrote:
Kann ich diesen Raum absetzen und in welcher Höhe.
Nein, da Sie in diesem Raum nicht die quantitativ überwiegende Zeit für Ihre betriebliche und berufliche Tätigkeit ausüben, sind die Raumkosten (anteilige Abschreibung, Finanzierungszinsen, Energiekosten) für das Arbeitszimmer nicht abzugsfähig.

Abzugsfähig sind allerdings - wie bisher - die Kosten für die Einrichtung (Regal, Schrank, Schreibtisch, Leuchten, loser Teppich, u. ä.).
chris087 wrote:
Zusätzlich möchte ich im Keller auch einen kleinen Lagerraum für die Lagerung von betrieblichen Gegenständen (Ordner, Aufträge, Waren) nutzen. Kann ich diesen auch absetzen?
Ja, da es sich nicht um ein Arbeitszimmer handelt.
Die Kosten für die Anschaffung und Herstellung des Gebäudes sind allerdings nur im Wege der anteiligen Abschreibung abzugsfähig (Verteilung nach dem Verhältnis er Nutzfläche).
Die anteiligen Energiekosten, wenn denn überhaupt welche im Lagerraum anfallen (außer minimal Strom für Licht), sind zu schätzen. Eine Aufteilung nach dem Flächenverhältnis scheidet aus, da der Lagerraum nicht so intensiv genutzt wird wie die Wohnräume.
Die laufenden Gebäudekosten (Versicherung, Grundsteuer, Schornsteinfeger etc.) und Finanzierungskosten (Schuldzinsen), sind nach dem Nutzflächenverhältnis anteilig abzugsfähig.
chris087 wrote:
Aber wie berechne ich den Wert des Hauses / Grundstückes, also die theoretische Gesamtmiete?
Die "theoretische Gesamtmiete" spielt keine Rolle. Die Abschreibung wird von den anteiligen Anschaffungskosten für das Gebäude berechnet. Hier können Sie vereinfacht - wenn kein Gutachten vorliegt - vom Gesamtkaufpreis den Wert des Grund und Bodens abziehen und die Anschaffungsnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Makler, Notar, Gericht) im gleichen Verhältnis hinzurechnen.
Den Wert des Grund und Bodens errechnen Sie aus Größe x Bodenrichtwert. Den Bodenrichtwert für Ihr Grundstück erfahren Sie aus den Internet (Stichwort Bodenrichtwert + in der Regel Bundesland) oder vom zuständigen Katasteramt oder der Stadtverwaltung.
Von: Nexus
Uhr
Hallo,

bei mir stellt sich die Frage ähnlich: Bin Vollzeit-Angestellter. Seit einigen Jahren entwickle ich zusätzlich zu Hause Software und Verkaufe diese im Rahmen eines Kleingewerbes.
Sämtliche Entwicklungs- und Verkaufstätigkeiten führe ich im häuslichen Arbeitszimmer durch. Dieses Arbeitszimmer wird aber auch privat genutzt (ebenfalls als 'Arbeitszimmer', also ausschließlich zur Erledigung von Arbeiten an Schreibtisch bzw. Computer).

Nun gab es ja anscheinend 2010 eine neue Rechtsprechung durch das Verfassungsgericht, wie hier beschrieben:
http://www.akademie.de/wissen/bfh-zweifel-an-arbeitszimmer-abzugsverbot

Dort findet sich folgender Abschnitt:
Quote:
Nun hat das Bundesverfassungsgericht die Vorschrift tatsächlich für verfassungswidrig erklärt (Az: 2 BvL 13/09 v. 6. Juli 2010) - jedenfalls in Teilen: Steht für eine berufliche oder betriebliche Tätigkeit nachweislich kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, müssen die Finanzämter die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer als Betriebsausgaben oder Werbungskosten anerkennen. Das gilt auch dann, wenn das Arbeitszimmer nicht Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Betätigung ist.
In meinem Fall gibt es ja tatsächlich keinen anderen Arbeitsplatz für den gewerblichen Teil meiner Tätigkeit. Und das mit dem 'Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit' gilt doch anscheinend so nicht mehr, oder? Könnte ich dann die Mietaufwendungen für das Arbeitszimmer nicht doch als Betriebsausgaben absetzen? Wenn ja: Ginge das dann in voller Höhe oder nur anteilig im Verhältnis der betrieblichen zur privaten Nutzung?

Vielen Dank und Grüße!
Von: Kexel
Uhr
...

http://www.iww.de/index.cfm?pid=1326&pk=0&fk=61930&op=0&opv=0&loggedin
bitte beachten.

[size=8]> Link aktualisiert am 14.04.2014 <[/size]
Von: TorstenMo
Uhr
Hallo Herr Kexel,

Leider funktioniert der Link auf das Bundesfinanzministerium mal wieder nicht, die Kollegen sind der Meinung, sie müssen etwas wichtiges veröffentlichen und nach etwa ein oder zwei Wochen das Dokument dann vom Server wieder entfernen. Das zeigt mir immer wieder, dass die Leute zwar Ahnung von Steuerrecht haben, aber von Internetmarketing definitiv nicht.

Ich habe einen äquivalenten Beitrag im Blog vom Handelsblatt gefunden und setze deswegen den Link in der Hoffnung, dass dort eine Zusammenfassung von der Fassung des Bundesfinanzministerium steht:

http://blog.handelsblatt.com/steuerboard/2010/12/02/bundesrat-verabschiedet-jahressteuergesetz-2010/