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KFZ-Betriebskosten (Tanken, Steuer) von privatem Auto absetzbar?

Von: Ehemaliger Nutzer
9 Antworten
Hallo an die Forumsmitglieder,

ich bin brandneu hier und finde das Forum richtig interessant und vor allem aussagekräftig.

Habe aber leider ein Problem mit der Absetzbarkeit von KFZ-Kosten. Ich verstehe das nicht ganz.

Also es ist so: Ich bin Selbstständig mit einer Stickerei und Ebayverkauf. Habe ein privates Auto das über meine Eltern läuft (gewillkürtes Anlagevermögen?). Dieses Auto benutze ich zur täglichen Fahrt in den Laden und gelegentliche Fahrten zu Kunden. Also eigentlich mehr geschäftlich als privat. Ich möchte kein Fahrtenbuch schreiben, weil ich genau weiss, dass ich das nicht konsequent mache. Bisher habe ich die Tankbelege und die KFZ-Steuer komplett als Betriebsausgaben eingebucht. Nun, zum Jahresabschluss möchte ich die Posten korrigieren. Am liebsten würde ich einen gewissen Prozentsatz der privaten Nutzung vom gebuchten Gesamtbetrag einfach ausbuchen und den Rest als Betriebsausgabe stehen lassen. Ist das möglich, ohne diese komplizierte 1 % Rechnerei? Wenn ja, welcher Prozentsatz wäre notwendig, damit ich das so machen kann?

Ich wäre sehr froh über eine baldige Antwort. Vielen Dank.
Von: Kexel
Uhr
Hallo, herzlich wilkommen und alles Gute zum neuen Jahr,

nun zu Ihrem Problem
Quote:
privates Auto das über meine Eltern läuft
a) Ist das Fahrzeug Ihr Eigentum und nur bei der Versicherung ist Ihr Vater oder Mutter Versicherungsnehmer?
oder
b) Ist das Fahrzeug Eigentum Ihrer Eltern und Sie dürfen es lediglich, gegen Ersatz der laufenden Kosten, nutzen?

Im Falle a) stellt das Fahzeug bei einer betieblichen Nutzung von über 50 % notwendiges Betriebsvermögen dar. Dies bedeutet alle Kosten, einschließlich Abschreibung für den PKW, stellen Betriebsausgaben dar.
Der als Betriebseinnahmen zu erfassende Privatanteil ermittelt sich pauschal nach der sogenannten 1%-Regelung. Einfach Bruttolistenpreis ermitteln - ggf. beim Händler nachfragen - und für jeden Monat der Privatnutzung 1 % als Privatanteil ansetzen.
Hinzu kommt noch die Umsatzsteuer von - vereinfacht - 19 % von 80 % des Privatanteils.

Beispiel:

Bruttolistenpreis 23.800 EUR (netto 20.000 + MwSt 3.800)
Privatanteil für ein Jahr (= 12 Monate)
23.800 EUR x 12 % = 2.856 EUR
Umsatzsteuer
2.856 EUR x 80 % = 2.284,80 EUR x 19 % = 434,11 EUR

Alles klar?
Wenn nicht, bitte Frage weiter konkretisieren.

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de
Von: Kexel
Uhr
Zusatz:

Der Privatanteil ist noch um den nicht abzugsfähigen Teil der Fahrten zwischen Wohnung und Laden zu erhöhen.

Diese Berechnung ist manuell etwas aufwendiger als die 1%-Regelung.

Vereinfacht ausgedrückt, der Kostenanteil für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist nur in der Höhe der Entfernungspauschale von 0,30 EUR pro Entfernungskilometer pro Arbeitstag abzugsfähig. Der nichtabzugsfähige Anteil erhöht den Privatanteil.

Kexel, vBP/StB
Von: Kexel
Uhr
Zusatz 2:

Brauchbare Berechnungshilfe z. B. unter
http://www.ratgeber-e-lancer.de/1001.html

Gruß

Helmut Kexel, vBP/StB
www.steuernplusberatung.de
Von: Ehemaliger Nutzer
Uhr
Wow, super. Danke für die Antworten. Jetzt hab ichs kapiert.

Was wäre denn im Falle b)? Wenn das Auto meinen Eltern gehört und ich es nur nutzen darf?

Kann man das auch irgendwie absetzen?
Von: Kexel
Uhr
Im Fall b) müsste der betriebliche und private Anteil der insgesamt selbst getragenen Kosten geschätzt werden.

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de
Von: pk1976
Uhr
Hallo ich bin auch neu,

ich fahre auch den privat-PKW meines Mannes für Betriebsfahrten. Nun habe ich gehört, das man n via Reisekostenabrechnung die 0,30 € geltend machen kann. Ok, das verstehe ich, wie sieht es denn aus mit etwaigen Tankbelegen? kann ich diese auch geltend machen?


LG

pk1976

*EDIT*

Kleinunternehmer ohne USt abzug
Von: Kexel
Uhr
Hallo,

entweder pauschal 0,30 EUR pro Kilometer oder Nachweis aller (anteiligen) Kosten. Beides zusammen geht nicht.

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de
Von: Liz66
Uhr
Hallo,
ich bin neu hier und habe das gleiche Problem. Auto auf Frau zugelassen, Einkünfte der Frau aus nichtselbständiger Tätigkeit. Kfz wird nur für 4 km Entfernung Wohnung/Arbeitsstätte und teilweise am WE privat genutzt.

Mann (Gewerbetreibender), benutzt das Auto dann an 4 Tagen die Woche für jeweils 4-6 Stunden. Zur Erzielung seiner Einkünfte als Autohändler ist die Fahrerei ZWINGEND notwendig. Tankquittungen für diese Fahrten wurden als Betriebsausgabe abgezogen aber eine Steuerprüfung hat 70 % Privatnutzung unterstellt, d.h. es wurden nur 30 % dieser Ausgaben anerkannt.

Da es eher umgekehrt der Realität entspricht: nämlich 70 % gewerbliche Nutzung und 30 Prozent privat, wurde auch so - entgegen dem Ergebnis der Steuerprüfung - dieses geprüften Jahres für die Zukunft auch so gebucht. Darin sind ja auch viele Tankquittungen dabei, die für die ge- und verkauften Fahrzeuge anfielen für Probefahrten und Überführungen oder als Service "vollgetankt".

Dafür sind Versicherung und Steuer für das auf die Frau zugelassene Auto gar nicht als Betriebsausgaben angesetzt und somit privat gelassen.

Kann man das so lassen? Fahrtenbuch führen ist zu zeitraubend und nervend. Wäre die 1 % Regel besser?Wenn ja, muss das Auto dann auf den Mann umgeschrieben werden? Was würde bei der Nutzung der 1 % Regel aus den Benzinkosten für die an- und verkauften Fahrzéuge???

Vielen Dank für die Antwort
Von: Kexel
Uhr
Hallo,

nicht ale Fragen kasen sich einfach und kurz im World-Wide-Web beantworten.

Liz66 ich empfehle Ihnen zum besseren Verständnis Ihr Problem vor Ort mit einem geeigneten Berater zu erörtern um mögliche weitere Missverständnisse zu vermeiden.

Das Geld für eine gute, umfassende Beratung ist in diesem Fall gut angelegt.

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de