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Betriebseinnahmen voraussichtlich über Jahre falsch angegeben!?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenBetriebseinnahmen voraussichtlich über Jahre falsch angegeben!?

Uhr
Von: Piet
3 Antworten
Hallo zusammen,

ich glaube, einen folgenschweren Fehler begangen zu haben: Zuerst einmal möchte ich die Situation schildern. Für meine freiberufliche Tätigkeit habe ich seit 2006 für verschiedene Agenturen Promotion- und Pressefahrzeuge quer durch die Bundesrepublik gefahren und für Kunden bereitgestellt. Für diese Pressefahrten hatte ich Auslagen in Form von Tanken, Waschen und Fahrtkosten mit Bus, Bahn und Taxi.
Diese Auslagen habe ich bis auf das Jahr 2006 in meinen Steuererklärungen nicht als Betriebseinnahmen deklariert. Ich bin als Kleinunternehmer gemeldet. 2006 deshalb nicht, weil der Umsatz damals nicht mehr als 5000€ betrug und ich alle Einnahmen (Honorar+ Vorlagen) nichtsahnend, aber anscheinend richtig, angegeben habe. Steuern waren damals nicht fällig.

Seit 2007 habe ich nur die Honorare als Betriebseinnahmen angegeben, nicht aber die zusätzlichen Vorlagen, die natürlich auch in meinen Rechnungen auftauchten und bezahlt worden sind.
Ich gehe mal davon aus, dass ich diese in den Steuererklärungen mit hätte angeben müssen und sie zeitgleich als Betriebskosten bezeichnen können. Im Endeffekt wäre ein Nullsummenspiel rausgekommen, einzig allein der Umsatz insgesamt wäre nach oben gegangen. Dieser wird für mich erst ab 17.500€ interessant, und ich liege mit allen Einnahmen (Honorar und Vorlagen) in allen Jahren weit darunter (maximal 12.600€).
Nun steht mir eine Prüfung der Steuererklärung ins Haus. Ich wurde gebeten, für die Kalenderjahre 2008 und 2009 die Betriebseinnahmen aufgeschlüsselt nach Auftraggeber und Höhe der Einnahmen zu benennen.
Wenn ich nur meine Honorare angeben würde, stimmt das zwar mit den Angaben in der Steuererklärung, nicht aber mit den objektiven Einnahmen des Betriebs. Ich möchte diese Angaben gerne korrigieren, da ansonsten der Eindruck entsteht, dass ich zu wenige Betriebseinnahmen angegeben hätte, obwohl ich die Auslagen mit Belegen und Quittungen ja beweisen kann.

Wie soll ich nun am besten vorgehen? Soll ich mich selbst anzeigen und daraufhinweisen, dass ich nicht mit Absicht die Einnahmen fälschlicherweise runtergedrückt habe, dafür auch die entstandenen Betriebskosten nicht mit angegeben habe?

Danke für eine Antwort.

Viele Grüße
Piet

PS.: Ich weiß, eine saudumme Aktion, die mit professioneller Hilfe sicherlich nie entstanden wäre.

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Quote:
Ich weiß, eine saudumme Aktion, die mit professioneller Hilfe sicherlich nie entstanden wäre.

Ja, da kann ich Ihnen nur Recht geben.
Aber, aus Fehlern lernt man ja bekanntlich oder aus Schaden wird man (hoffentlich) klug.

Also, wenn Ihr Gewinn sich durch die nicht erfassten Einnahmen und Ausgaben nicht erhöht und Ihre Umsätze durch Hinzurechnung der Vorlagenerstattungen sich nicht auf über 17.500 EUR je Jahr erhöhen, fallen keine zusätzlichen Steuern an, es liegt also keine Steuerhinterziehung vor. Soweit so gut – bitte aufatmen.

Des Weiteren gehe ich davon aus, dass die Original-Belege zu den weiterbelasteten Kosten sich noch in Ihrem Besitz befinden. Sie also die Kosten auf eigene Rechnung getragen haben und Ihnen diese lediglich ersetzt wurden.
Bei einer Kostenvorlage im Namen Ihrer Auftraggeber, Weitergabe der Belege an diese und Erstattung der Vorlagen, handelt es sich hingegen um nicht zu erfassende durchlaufende Posten. Also weder Einnahmen, noch Ausgaben zu erfassen.

Eine Anzeige im wörtlichen Sinne gegenüber dem Finanzamt ist nicht erforderlich. Schildern Sie dem Finanzamt einfach den Sachverhalt so wie er vorliegt und teilen ihm die vollständigen Einnahmen, getrennt nach Honorar und Vorlagen sowie die Ausgaben mit. Soweit noch möglich, sollten Sie dies vorsorglich unternehmen bevor das Finanzamt mit der eigentlichen Prüfung beginnt.

Bei weiteren Problemen mit dem Finanzamt empfehle ich dringend den Rat eines Steuerberaters.

Von: Piet
Uhr
Hallo Herr Kexel,

zunächst einmal vielen vielen Dank für Ihre aufmunternden Worte.

Zu den Belegen: Ich kann für die Kalenderjahre 2009 und 2008 alle Vorlagen durch Belege nachweisen. Allerdings wollten 3 von 4 Auftraggebern die Originalbelege haben, und so habe ich mir selbst davon Kopien gemacht und die Originale versendet. Erwartet mich hier Tadel? Wie ist die übliche Vorgehensweise?

Kann ich also davon ausgehen, dass diese Kostenvorlagen, die ich absolut im Namen meiner Auftraggeber getätigt habe, als nicht zu erfassende durchlaufende Posten bezeichnet werden können und daher weder als Einnahmen noch als Ausgaben zu erfassen sind?
Genau dies habe ich nämlich (wieder unbewusst) getan, hingegen habe ich echte Betriebseinnahmen (Honorar) und echte Betriebsausgaben (Büroartikel, Porto, geringwertige Güter, Afa usw.) mit Belegen angegeben.
Ihr Schreiben beruhigt mich sehr. Noch einmal vielen Dank.

Piet

Von: Kexel
Uhr

Piet fragte:

Quote:
Allerdings wollten 3 von 4 Auftraggebern die Originalbelege haben, und so habe ich mir selbst davon Kopien gemacht und die Originale versendet. Erwartet mich hier Tadel? Wie ist die übliche Vorgehensweise?

Kexel antwortete:

Quote:
Bei einer Kostenvorlage im Namen Ihrer Auftraggeber, Weitergabe der Belege an diese und Erstattung der Vorlagen, handelt es sich hingegen um nicht zu erfassende durchlaufende Posten. Also weder Einnahmen, noch Ausgaben zu erfassen.

Piet fragte:

Quote:
Kann ich also davon ausgehen, dass diese Kostenvorlagen, die ich absolut im Namen meiner Auftraggeber getätigt habe, als nicht zu erfassende durchlaufende Posten bezeichnet werden können und daher weder als Einnahmen noch als Ausgaben zu erfassen sind?

Kexel antwortet:
Ja.