≡ Menu
Fragen »

Darf ich Neuware, die ich von einem Kleinunternehmer gekauft habe, differenzbesteuert weiterverkaufen?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenDarf ich Neuware, die ich von einem Kleinunternehmer gekauft habe, differenzbesteuert weiterverkaufen?

Uhr
Von: Jan
12 Antworten
Guten Abend,

darf ich Neuware, die ich von einem Kleinunternehmer abkaufte, differenzbesteuert weiterverkaufen?

VG

Jan

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

ein Blick in das Gesetz bzw. den http://www.steuerlinks.de/richtlinie/ustae/abs25a.1..html erleichtert hier die Rechtsfindung:

Bundesfinanzministerium Abschnitt 25a.1 Absatz 5 UStAE wrote:
(5) Die Differenzbesteuerung setzt nach § 25a Abs. 1 Nr. 2 UStG ferner voraus, dass für die Lieferung des Gegenstands an den Wiederverkäufer Umsatzsteuer im Gemeinschaftsgebiet nicht geschuldet oder nach § 19 Abs. 1 UStG nicht erhoben oder die Differenzbesteuerung im Gemeinschaftsgebiet vorgenommen wurde. Der Wiederverkäufer kann die Regelung danach anwenden, wenn er den Gegenstand im Inland oder im übrigen Gemeinschaftsgebiet erworben hat von

1. einer Privatperson oder einer juristischen Person des öffentlichen Rechts, die nicht Unternehmer ist;

2. einem Unternehmer aus dessen nichtunternehmerischen Bereich;

3. einem Unternehmer, der mit seiner Lieferung des Gegenstands unter eine Steuerbefreiung fällt, die zum Ausschluss vom Vorsteuerabzug führt;

4. einem Kleinunternehmer, der nach dem Recht des für die Besteuerung zuständigen Mitgliedstaates von der Steuer befreit oder auf andere Weise von der Besteuerung ausgenommen ist, oder

5. einem anderen Wiederverkäufer, der auf seine Lieferung ebenfalls die Differenzbesteuerung angewendet hat ( § 25a Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 Buchstabe b UStG ). Dies setzt allerdings voraus, dass für diese Lieferung die Differenzbesteuerung zu Recht angewendet wurde (vgl. BFH-Urteil vom 23.4.2009, V R 52/07, BStBl II S. 860). Die Differenzbesteuerung ist hiernach auch bei Verkäufen von Händler an Händler möglich.

Von: Jan
Uhr
Neuware?
geht das auch. Ich dachte bisher nur Gebrauchtware

Von: Kexel
Uhr

BMF Abschnitt 25a.1 Abs. 1 UStA wrote:
Anwendungsbereich
(1) § 25a UStG enthält eine Sonderregelung für die Besteuerung der Lieferungen nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG von beweglichen körperlichen Gegenständen einschließlich Kunstgegenständen, Sammlungsstücken und Antiquitäten, sofern für diese Gegenstände kein Recht zum Vorsteuerabzug bestand. Sie werden nachfolgend als Gebrauchtgegenstände bezeichnet, weil sie nach der Verkehrsauffassung bereits “gebraucht” sind.

Damit kann es vorkommen, dass “Neuware” per Deffinition für Umsatzsteuerzwecke als “Gebrauchtware” bezeichnet wird.
Denn das Wort “Gebrauchtware” steht nicht im Gesetz.

Von: Jan
Uhr
Guten Morgen,

Wie muss ich das jetzt verstehen?

Der Kleinunternehmer kauft die Neuware ein zum Zwecke des Wiederverkaufes. Ich kaufe bei ihm ein und kann damit differenzbesteuert weiterverkaufen?

Oder nicht, weil er die Ware nicht in Gebrauch nahm?
????

Hypothese: Was, wenn der Kleinunternehmer rückwirkend feststellen würde, dass er keiner mehr war, da er über die Umsatzgrenze kam.

Sein Kunde(Unternehmer) hätte dann aber eventuell schon differenzbesteuert weiterverkauft, da er ja der Meinung war, dass er Ware von einem Kleinunternehmer bezog.

Von: Kexel
Uhr

Jan wrote:
Der Kleinunternehmer kauft die Neuware ein zum Zwecke des Wiederverkaufes. Ich kaufe bei ihm ein und kann damit differenzbesteuert weiterverkaufen?

Ja, so ist es.

Jan wrote:
Hypothese: Was, wenn der Kleinunternehmer rückwirkend feststellen würde, dass er keiner mehr war, da er über die Umsatzgrenze kam.

Dann hat der Kleinunternehmer ein Problem.

Von: Amelie
Uhr
Hallo,

was könnte der Kleinunternehmer dann machen, um sein Problem zu lösen? Könnte es auch Jans Problem werden?

Herzliche Grüsse

Amelie

Von: Jan
Uhr
Hallo Herr Kexel,

mich würde Ihre Antwort zu Amelies Frage interessieren.

Jan

Von: Kexel
Uhr

Amelie wrote:
was könnte der Kleinunternehmer dann machen, um sein Problem zu lösen?

Der Kleinunternehmer, der ja nun rückwirkend doch keiner mehr ist, hat rückwirkend seinen Umsatz der Umsatzsteuer zu unterwerfen. Aus den Einnahmen ist die Umsatzsteuer rauszurechnen, zusammen mit der nun abzugsfähigen Vorsteuer an das Finanzamt zu melden (Umsatzsteuererklärung) und der selbst errechnete Saldo (Umsatzsteuer abzüglich Vorsteuer) an die Finanzkasse zu zahlen.
Per Saldo hat der ehemalige Kleinunternehmer also einen finanziellen Nachteil in Höhe der jetzt zu zahlenden Umsatzsteuer.
Sofern er an Unternehmer verkauft hat, die Ihrerseits zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt sind und die Ware nicht differenzbesteuert weiterverkauft haben, kann er diesen eine Rechnung mit zusätzlich offenem Ausweis der Umsatzsteuer schicken und um Nachzahlung der Umsatzsteuer bitten. Für die Kunden ergibt sich kein Nachteil, da diese ja diese Umsatzsteuer als Vorsteuer von ihrem Finanzamt zurückerhalten bzw. in der eigenen nächsten Umsatzsteuer-Voranmeldung mindernd ansetzten können.
Beim Verkauf an Privatpersonen oder Unternehmer, die differenzbesteuert weiterverkauft haben, bleibt es beim Nachteil für den ehemaligen Kleinunternehmer, da er hier keinen Anspruch auf eine nachträgliche Erhöhung des Kaufpreises hat.

Wie schon so oft hier im Forum geschrieben:
“(Nur) guter Rat (vorher) schont das Vermögen!”

Von: Kexel
Uhr

Amelie wrote:
Könnte es auch Jans Problem werden?

Jan hat zunächst im guten Glauben gehandelt und auf die Aussage des Kleinunternehmers in dessen Rechnung vertraut. Damit durfte, wenn keine gegenteiligen Zeichen offensichtlich für ihn erkennbar waren, er auch Differenzbesteuert weiterverkaufen.

Nun stellt sich rückwirkend etwas anderes heraus, nämlich ein umsatzsteuerpflichtiger Einkauf, und damit keine Differenzbesteuerung. Die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer hat sich geändert.

Machen wir ein Beispiel:

Einkauf – ohne Umsatzsteuer (USt) – 119,00 EUR
Verkauf 142,80 EUR
Differenz = 23,80 EUR, daraus abzuführende USt 19 % = 3,80 EUR

Einkauf – mit 19 % USt – 119,00 EUR, darin enthaltene abzugsfähige Vorsteuer = 19,00 EUR
Verkauf 142,80 EUR, darin enthaltene abzuführende USt 19 % = 22,80 EUR
ans Finanzamt abzuführen = 22,80 EUR – 19,00 EUR = 3,80 EUR

Gleiches Ergebnis wie bei der Differenzbesteuerung, also kein Nachteil für Jan.
Jan wird und darf natürlich dem ehemaligen Kleinunternehmer die USt nicht zusätzlich auf die – im Beispiel – 119,00 EUR zahlen. Dieser Nachteil geht zu Lasten des Kleinunternehmers.