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Einzelfahrschein absetzbar?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenEinzelfahrschein absetzbar?

Uhr
Von: kaktee
3 Antworten
Hi,

ich habe vor kurzem gehört, dass das Finanzamt Einzelfahrscheine vom Öffentlichen Personennahverkehr für das Absetzen von der Vorsteuer nicht anerkennt.
Da wären nur Monatskarten oder zumindest Wochenkarten oder Mehrtageskarten tauglich.
Stimmt das?
lg,
kaktee

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

dieser Hinweis ist so nicht korrekt.

Der Abzug von Werbungskosten oder Betriebsausgaben (und ggf. Vorsteuer) ist abhängig vom Nachweis der Kosten/Ausgaben und der beruflichen/betrieblichen Veranlassung.

Wird ein Einzelfahrschein gekauft um eine berufliche oder betriebliche Fahrt zu unternehmen, dann sind diese Kosten – mit dem Einzelfahrschein als Nachweis – abzugsfähig.

Nicht glaubhaft wäre jedoch, z. B. der Nachweis von 20 Einzelfahrscheinen eines Monats, wenn eine Monatsfahrkarte wesentlich günstiger ist und es keine plausible Begründung dafür gibt, dass Einzelfahrscheine statt einer Monatsfahrkarte gekauft wurden.

Hinsichtlich des Vorsteuerabzugs muss der Fahrschein alle erforderlichen Angaben enthalten, dies ist u. a. in der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung und in den Umsatzsteuer-Richtlinien geregelt.
Danach gelten Fahrausweise als Rechnungen, wenn sie die folgenden Angaben enthalten:
* den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift des Unternehmers, der die Beförderungsleistung ausführt,
* das Ausstellungsdatum,
* den Zahlbetrag,
* den anzuwendenden Steuersatz, wenn die Beförderungsleistung nicht dem ermäßigten Steuersatzvon 7 % unterliegt. (Dies bedeutet im Umkehrschluss: Ist kein Steuersatz angegeben können 7 % Vorsteuer abgezogen werden.)
Auf Fahrausweisen der Eisenbahnen, die dem öffentlichen Verkehr dienen, kann an Stelle des Steuersatzes die Tarifentfernung angegeben werden.

Gruß
Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de

Von: momo
Uhr
Hallo, hier noch zu diesem Thema;

auf der Einzelfahrtkarte, die ich habe, fehlt mindestens die vollständige Anschrift des Unternehmens. Ob ” VRN” oder RMV” als vollständiger Name gilt?
Heißt es, kann man mit diese Karten keine Vorsteuerabzug betätigen? Lässt man vielleicht nachträglich die Angaben ergänzen? Das wäre ja echt umständlich….

Grüß!

momo

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

nach dem Gesetz reicht die Angabe “RMV” oder ähliches nicht aus.
Dies ist allerdings ein alltägliches Praxisproblem.
Theoretisch sollte ein großes öffentliches Transportunternehmen seine Verpflichtungen kennen, praktisch machen aber auch die großen Fehler. Und mit diesen müssen die kleinen nun mal leben.

Ob das Finanzamt, trotz unvollständiger Angaben, den Vorsteuerabzug anerkennt ist leider eine Einzelfallentscheidung und hängt auch von der Häufigkeit unvollständiger Belege ab. Ein Rechtsanspruch besteht nicht.
Eine nachträgliche Korrektur der Quittung ist zulässig, allerdings nur durch den Aussteller (z. B. RMV) selbst.

Für den Betriebsausgabenabzug hingegen hat dies keine negativen Folgen.

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de