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Entfernungspauschale f. Selbständige

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenEntfernungspauschale f. Selbständige

Uhr
Von: freelancerIT
8 Antworten
Hallo,

ich bin selbständig und fahre einmal pro Woche mit der Bahn zu meinem Kunden und zurück. Die Entfernung beträgt ca. 400 km einfach; das kostet mit der Bahn hin und zurück ungefähr 80.- EUR (Bahncard 2. Klasse). Teilweise fahre ich nicht mit der Bahn, sondern als Beifahrer mit Kollegen, also nicht mit dem eigenen Wagen.

Die Fahrtkosten zu meinem Kunden möchte ich als Betriebsausgabe geltend machen. Meine Frage:

1) setze ich die tatsächliche Kosten für das Bahnticket (80.- EUR) an oder habe ich ein Wahlrecht auf die Entfernungspauschale (400km *0,3 EUR = 120 EUR)?

In einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums
[Link gelöscht, da nicht mehr erreichbar]
heisst es unter Punkt 1.1 Allgemeines
“Die Entfernungspauschale ist grundsätzlich unabhängig vom Verkehrsmittel zu gewähren. Ihrem Wesen als Pauschale entsprechend kommt es grundsätzlich nicht auf die Höhe der tatsächlichen Aufwendungen an. Auch bei Benutzung öffent-licher Verkehrsmittel wird nur die Entfernungspauschale angesetzt.”

Heisst das jetzt, ich kann die Entfernungspauschale unabhängig von der Höhe der Kosten ansetzen?

2) Für den Fall, dass die Entfernungspauschale ansetzbar wäre: Kann ich für die Bahntickets die Vorsteuer geltend machen?

3) für den Fall, dass die Bahntickets als Kosten angesetzt werden müssen: Wie kann ich die Kosten für die Fahrgemeinschaft geltend machen?

4) Von meiner Unterkunft gehe ich 1km zu Fuß zur Arbeit. Gilt auch hier die Entfernungspauschale?

Viele Grüße
freelancerIT

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

die Entfernungspauschale betrifft ausschließlich Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte. Diese kann, auch nach neuester BFH-Rechtsprechung, nicht beim Kunden liegen. Wäre in Ihrem Fall auch eher nachteilig, da die Entfernungspauschale nur die einfache Entfernung berücksichtigt.

Bei Reisekosten hingegen werden die tatsächlichen Kilometer, also Hin- und Rückfahrt, berücksichtigt.

Als Unternehmer/Selbständiger sind für Fahrten zum Kunden die tatsächlichen Kosten in voller Höhe steuerlich abzugsfähig. Dies sind bei Fahrten mit einem nicht zum Betriebsvermögen gehörenden PKW 0,30 EUR pro gefahrenen Kilometer. Bei einer Bahnfahrt die tatsächlichen Bahnkosten.

Von: acky
Uhr
Steuerberater Kexel wrote:
die Entfernungspauschale betrifft ausschließlich Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte. Diese kann, auch nach neuester BFH-Rechtsprechung, nicht beim Kunden liegen. Wäre in Ihrem Fall auch eher nachteilig, da die Entfernungspauschale nur die einfache Entfernung berücksichtigt.

Ich möchte das alte Thema nochmal hervorholen.

Es geht um freiberuflich/selbstständig.

Viele FA akzeptieren das trotzdem so nicht und sagen, wenn der Kunde ein Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, der dann auch regelmäßig und langfristig genutzt wird, dann gilt nur die einfache Entfernungspauschale 0,30€.

Argumentiert wird mit der Gleichstellung Arbeitnehmer – Selbstständiger und dass der Arbeitsplatz beim Kunden dann die Betriebsstätte ist.
Das Urteil von 2008 ist ihnen “egal”.

Schlimmer noch auch bei einem Auto, das >50% betrieblich genutzt wird, sollen dann 1% +0,03% angesetzt werden.

Ich hatte bisher keine große Lust auf Streiterei mit dem FA und habe das akzeptiert.

Nun ein neues Projekt und es soll auch ein neues Fahrzeug angeschafft werden.
Mein konkreter Fall (Beginn 1.3.2013). Freiberuflicher IT-Berater.
Ein über 3 Jahre laufendes Projekt. Die Arbeit wird zu 90% beim Kunden vor Ort erledigt. Homeoffice nur 10%.

Betriebsstätte des Kunden liegt 40km vom Wohnort entfernt. Typischerweise 4-5 Fahrten pro Woche. Das sind so viele KM, dass das Fahrzeug mehr als 60% für diese Fahrten genutzt wird, also betriebliches KFZ.

1% + 0,03% ist in diesem Fall ziemlich ungünstig. LP Fahrzeug ca 75000€ und große Entfernung.

Ich würde lieber Fahrtenbuch führen und so die Fahrten zum Kunden als Betriebsausgaben geltend machen. Den rel. kleinen Anteil an Privatnutzung versteuern.

Eine Besonderheit noch, ich habe keinen direkten Vertrag mit dem Kunden sondern mit einer Personalberatungsfirma, die ihren Sitz ganz wo anders hat.

Wie stehen meine Chancen, dass ich Erfolg haben werde.

Vielen Dank
Acky

Von: Kexel
Uhr

acky wrote:
Viele FA akzeptieren das trotzdem so nicht und sagen, wenn der Kunde ein Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, der dann auch regelmäßig und langfristig genutzt wird, dann gilt nur die einfache Entfernungspauschale 0,30€.

Die Finanzämter haben keine Wahl mehr und müssen akzeptieren, da die positive BFH-Rechtsprechung auch zwischenzeitlich vom Bundesfinanzministerium (oberster Dienstherr des Finanzbeamten) akzeptiert und in diversen BMF-Schreiben für die Finanzbeamten erläutert wurde.

Von: acky
Uhr
Vielen Dank für die Antwort.

D.h. also die Fahrten zu meinem (einzigen) Kunden sind keinenfalls Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte, auch wenn es keinen weiteren Kunden gibt und die Fahrten regelmäßig 3-4 Mal pro Woche erfolgen?
In der Praxis ist es halt so, dass beim Kunden wirklich ein Arbeitsplatz für mich vorgehalten wird und ich dort 90% der Arbeitszeit verbringe.

Von: Kexel
Uhr

ja, so ist es – Ausnahme: Sie haben beim/vom Kunden ein separates Büro/Arbeitsplatz gemietet, so dass hierdurch eine Betriebsstätte entsteht.

Von: acky
Uhr
Entschuldigen Sie die weitere Rückfrage.
Im Internet findet man halt viele gegenteilige Aussagen. Wahrscheinlich sind das keine Fachleute wie Sie, sondern nur Journalisten oder Hobbysteuerberater.

Trotzdem würde mich ihre Meinung dazu interessieren:
http://www.steuerncheck.net/dienstreise-steuer-absetzen-selbstaendige/

Teileweise geht es genau in Ihre Richtung, am Ende kommt er aber zu einem gegenteiligen Schluß!

Er schreibt:
Die Betriebsstätte ist in den Augen des Finanzamts (und der Gerichte) immer dort, wo der Mittelpunkt der Arbeit liegt – sollte man, was bei Selbständigen eher die Regel als die Ausnahme ist, der Arbeit an 2 Orten nachkommen (z. B. auch von zuhause aus), so sind die Fahrten zwischen diesen Orten Dienstreisen.

Daraus schließt er, wenn nur ein Kunde da ist und nur beim Kunden gearbeitet wird, dass die Betriebstätte beim Kunden liegt und Fahrten dort hin als Fahrten Wohnung – Betriebsstätte anzusehen sind. Sobald man aber auch Zuhause arbeitet sind die Fahrten zu diesem Kunden dann Dienstreisen.

Weiter schreibt er:
Prinzipiell gilt folgendes für die Einstufung einer Betriebsstätte:
– die Arbeit muss überwiegend von diesem Ort aus erbracht werden und
– Kundenbesuche und Kundenbetreuung werden von diesem Ort aus vorgenommen

Der 2. Punkt ist genau Ihre Argumentation. Der Erste punkt dann eigentlich egal.

Weiter dann sein Beispiel:

Franz arbeitet als freiberuflicher Künstler regelmäßig in einer 40 km entfernten Volkshochschule und gibt dort an 8 Stunden am Tag Kurse, er geht sonst keinen weiteren Tätigkeiten als Selbständiger nach.

Die Fahrt von der Wohnung zur VHS ist in diesem Fall eine Fahrt zur Arbeit und er kann nur die Entfernungspauschale / Pendlerpauschale von 12 Euro pro Arbeitstag ansetzen. Da er seiner Selbständigkeit nur in der Volkshochschule nachgeht, ist dort die Betriebsstätte.

Franz wechselt nun sein Aufgabenfeld. Er gibt nur noch 2 Stunden Kurse an der VHS pro Tag, bietet zusätzlich Privatunterricht in seinem neuen Atelier zuhause an, bietet Kurse an der Universität und nimmt auch Aufträge bei Kunden an, z. B. in Form von Heimkursen.

Jetzt gilt: Da Franz von zuhause aus mehr als einen Ort (wenn auch regelmäßig) anfährt, liegt die Betriebsstätte nicht mehr in der VHS, da er mehrere Kunden (z. B. VHS und Universität) von dort aus betreut und anfährt. Dadurch, dass er zusätzlich Kurse von zuhause anbietet, liegt sein Tätigkeitsschwerpunkt zusätzlich dort.

Von: Kexel
Uhr

meine Beiträge dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine qualifizierte Beratung. Für eine kostenpflichtige Einzelberatung stehe ich gerne zur Verfügung.

Der Umfang Ihrer Rückfrage sprengt meines Erachtens den Rahmen dieses Forums.
Wenn Sie eine verbindliche Auskunft möchten, gehen Sie bitte zu einem Steuerberater.

Von: acky
Uhr
OK, verstehe ich voll und ganz.

Wenn es nötig ist, werde ich mich für eine dann natürlich kostenpflichtige Einzelberatung mit Ihnen in Verbindung setzen.

Vielen Dank für ihre Mühe.