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Finanzamt akzeptiert Händlerangebote für Wertberechnung Privatentnahme nicht

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenFinanzamt akzeptiert Händlerangebote für Wertberechnung Privatentnahme nicht

Uhr
Von: simone18778
1 Antworten
Hallo Betriebsausgaben-Forum,
hallo Herr Kexel,

ich (Freiberuflerlin) habe 2008 einen gebrauchten PKW von einem Händler (mit ausgewiesener MwSt.) gekauft. Für die Ermittlung des Privatanteils habe ich ein Fahrtenbuch geführt. Seit Anfang 2012 ist der betriebliche Anteil der Nutzung immer weiter gesunken, so dass ich das Fahrzeug zu Ende Juni 2012 in mein Privatvermögen übernommen habe, da der Anteil künftig auch unter 10% gesunken wäre.

Um den Preis zu ermitteln, zu dem ich das Fahrzeug ausbuchen kann,
habe ich mir online von Autohändlern Angebote machen lassen und diesen Wert, der ca. 2000 € über dem Restbuchwert lag, als außerordentlichen Gewinn (zzgl. MwSt.) angesetzt.

Da die Auftragslage immer schlechter wurde, habe ich das Fahrzeug schließlich am 09. November 2012 wegen bevorstehender Arbeitslosigkeit von privat an privat verkauft. Wie üblich lag der Verkaufspreis beim Privatverkauf höher, als es die Händlerangebote waren.

Soweit so gut. Dachte ich jedenfalls.

Nun habe ich vom Finanzamt die Aufforderung erhalten, Ihnen den Verkaufspreis des Privatverkaufs mitzuteilen und ggf. den Kaufvertrag vorzulegen, da dann dieser Wert und nicht die Händlerangebote (“das wären ja nur Schätzungen und ich habe zu diesem Zeitpunkt ja nicht tatsächlich verkauft”) zur Berechnung des außerordentlichen Gewinns herangezogen werden sollen.

Natürlich möchte ich ungern den höheren Betrag als außerordentlichen Gewinn ansetzen.

Für mich ergeben sich nun folgende Fragen:

1. Gibt es irgendeine gesetzliche Grundlage, dass das Finanzamt die Händlerangebote akzeptieren muss?

2. Muss ich tatsächlich den privaten Kaufvertrag an das Finanzamt schicken und die Ansetzung des höheren Wertes aus dem Privatverkauf akzeptieren, obwohl über 4 Monate zwischen dem Ausbuchen und dem Verkauf liegen?

3. Wäre es rechtlich sauber, wenn ich (nachträglich) einen Kaufvertrag mit mir selbst machen würde, sozusagen von Unternehmen an Privat?

4. Wenn ich den höheren Wert ansetzen muss, kann ich dann wenigstens noch die Kosten, die bis zum Zeitpunkt des realen Verkaufs entstanden sind, noch von dem Wert abziehen?

5. Welche Vorgehensweise/Argumentation ist empfehlenswert?

Herzlichen Dank schon vorab für die Antworten!

Simone Walter

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

simone18778 wrote:
so dass ich das Fahrzeug zu Ende Juni 2012 in mein Privatvermögen übernommen habe, da der Anteil künftig auch unter 10% gesunken wäre.

Dies ist, nach der http://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=en&sid=9c5d621433772aac6fec271890ca59c2&nr=27062&pos=0&anz=1 nicht mehr zwingend erforderlich.

Erfahrungsgemäß liegt immer eine Differenz zwischen dem Händlereinkaufspreis und dem Händlerverkaufspreis.

Da der Händlerverkaufspreis, in Ihrem Fall Verkaufspreis an Privat, dem Wert entspricht, der ein Erwerber Ihres Unternehmens zahlen müsste um ein solches Fahrzeug zur betrieblichen Nutzung zu erwerben, ist dies auch der Teilwert.

Ein tatsächlicher Verkaufspreis in zeitlicher Nähe zur Entnahme stellt immer ein sehr starkes Indiz für den Wert zum Entnahmezeitpunkt dar. Da ein PKW in der Regel nach einer Entnahme nicht an Wert zunimmt, sondern eher weiter abnimmt, ist der tatsächliche Verkaufspreis in der Regel der Mindestwert für die Entnahme.

Sie kommen leider nicht umhin dem Finanzamt den Kaufvertrag vorzulegen.
Ein Kaufvertrag mit sich selbst ist rechtlich nicht möglich.
Auch ist ein Kostenabzug nach der Entnahme nicht mehr möglich. Lediglich in Höhe des betrieblichen Anteils.