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Monatskarte als Betriebsausgabe

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenMonatskarte als Betriebsausgabe

Uhr
Von: kulturtante
10 Antworten
Hallo,

ich arbeite selbstständig im Kulturbereich als Kleinunternehmerin. Nun fahre ich 4x die Woche mit ÖPNV zu meinen beiden Hauptauftragsgebern. Dafür habe ich eine Monatskarte für den ÖPNV, da dies günstiger ist als Einzeltickets.
Natürlich nutze ich die Karte auch ab und zu privat.
Die Fahrtkosten kann ich ja als Reisekosten und somit als Betriebsausgabe geltend machen.
Nun meine Fragen dazu:
– wenn die Monatskarte günstiger ist als der Kauf von Einzeltickets, müsste die Monatskarte ja voll abzugsfähig sein trotz des Privatnutzens, oder?
– muss ich irgendwelche Nachweise schon der Steuererklärung beilegen oder nur auf Nachfrage und erstmal nur die addierten Kosten eintragen?
– wenn Nachweis, welcher Art muss der sein? Fahrtenbuch für das ganze Jahr? Oder reichen die Tickets mit einem Vermerk, dass ich 4x in der Woche eine bestimmte Strecke zurücklege?
– Könnte ich alternativ auch die Kilometerpauschale von 30 Cent/km geltend machen? Brauche ich hier auch ein Fahrtenbuch für das ganze Jahr oder reichen 3 Monate?

Danke schon mal für Eure Antworten!

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Quote:
– wenn die Monatskarte günstiger ist als der Kauf von Einzeltickets, müsste die Monatskarte ja voll abzugsfähig sein trotz des Privatnutzens, oder?

Nein, kein voller Betriebsausgabenabzug. Da auch Privatnutzung, sind auch die Kosten nur anteilig abzugsfähig. Im Zweifel den betrieblichen Anteil gewissenhaft schätzen, z. B. 50 % oder 75 %.

Quote:
– muss ich irgendwelche Nachweise schon der Steuererklärung beilegen oder nur auf Nachfrage und erstmal nur die addierten Kosten eintragen?

Nachweise erst auf Nachfrage.

Quote:
– wenn Nachweis, welcher Art muss der sein? Fahrtenbuch für das ganze Jahr? Oder reichen die Tickets mit einem Vermerk, dass ich 4x in der Woche eine bestimmte Strecke zurücklege?

Tickets mit dem Vermerk genügen.

Quote:
– Könnte ich alternativ auch die Kilometerpauschale von 30 Cent/km geltend machen? Brauche ich hier auch ein Fahrtenbuch für das ganze Jahr oder reichen 3 Monate?

Nein, da Sie ja nicht mit eigenem PKW gefahren sind, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Von: kulturtante
Uhr
Vielen Dank, das hilft mir sehr und jetzt kann ich endlich die Steuererklärung abgeben! 🙂

Von: magigstar
Uhr
Zu diesem Thema habe ich auch eine Frage:

Was hat man zu beachten, wenn man mit Bus bzw. Bahn eine betrieblich veranlasste Reise tätigen muss.

Was wenn ich wirklich eine Monatsfahrkarte (oder eventuell Punktekarte) benutze und ich diese nur für betrieblich veranlasste Reisen benutze/entwerte?
Kann ich sie dann vollständig als Betriebsausgabe nutzen, auch wenn die Monatsfahrkarte teurer ist, als Einzeltickets?

Eigentlich ganz einfach: Man kann nur das absetzen, was man auch “bezahlt”. Das heißt der Ticketpreis.

Von: Kexel
Uhr

es kommt aber auch auf den Nachweis bzw. zumindest die Glaubhaftmachung zur betrieblichen Veranlassung an.

Von: AlexW
Uhr
Hallo,

zunächst einmal tut es mir leid, einen solch alten Thread nochmal hochholen zu müssen, allerdings stehe ich momentan vor einem ähnlichem Problem.

Habe jetzt den Steuerbescheid bekommen, und weiss nicht, wie das FA das umgerechnet hat.

Folgender Sachverhalt:

Regelmäßige Arbeistelle liegt in Stadt A.

Aufgrund einer Springertätigkeit muss der AN auch in unregelmäßigen Abständen in 2 weitere Filialen in Stadt B und C.

Weiterhin gab es noch wenige Tage Schulung, einmal mit Übernachtung im Hotel.

Alle Punkte, also Entfernungspauschale, Mehraufwendungen etc. sind für mich vollkommen nachvollziehbar.

Das Einzige, was mir nicht ganz eingeleuchtet sind die Reisekosten in die Filialen B und C. Diese sind natürlich als Dienstreise bzw. neu Auswärtstätigkeit deklariert und anerkannt.

Jetzt kommt folgendes Problem:

Der AN hat eine Monatsfahrkarte für ÖPNV. Allein für Filiale A würde die Preisstufe B genügen.
Aufgrund der Auswärtstätigkeit hat der AN allerdings die Preisstufe C, da der Jahrespreis hierfür günstiger ist, als Preisstufe B + Einzelfahrten in Filiale B + C + Schulungen.

Jetzt zur Frage:

Gibt es einen pauschalen Prozentsatz, der auf den Jahrespreis für die monatskarte angerechnet wird?
z.B. 25% des Jahrespreises für die Auswärtstätigkeit?

Oder wird dies anhand der realen Auswärtstätigkeiten angerechnet?
z.B. 50% in filiale A, 25% in Filiale B und 25% in Filiale C.
Dann würden 50% des Jahrespreises für die Auswärtstätigkeit angerechnet!

Ich hoffe ich habe mein Anliegen verständlich ausgedrückt. 🙂

MfG
AlexW

Von: Kexel
Uhr
AlexW wrote:

Ich hoffe ich habe mein Anliegen verständlich ausgedrückt.

Ich denke es korrekt verstanden zu haben.
Eine direkte Lösung nach den Richtlinien oder sogar dem Gesetz ist mir nicht bekannt.

Aber von der Systhematik des Gesetzes her bietet sich folgende Lösung an:

Nehmen wir an, die Fahrkarte B kostet 80 Euro und die Fahrkarte C 100 Euro.
Sie kaufen immer Fahrkarte C für 100 Euro.
Mit Zahlen lässt sich so etwas in der Regel besser darstellen.

Dann entfallen, nach Ihren Angaben, von den anteiligen Fahrtkosten für den in der Fahrkarte C enthaltenen Bereich B 50 % = 40 Euro auf die Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte (Entfernungspauschale).

Die übrigen 50 % = 40 Euro + die kompletten Zusatzkosten für die Bereichserweiterung von B auf C von 20 Euro entfallen auf die Dienstreisen, also insgesamt 60 Euro.

Von: AlexW
Uhr
Erstmal vielen Dank für die qualifizierte Antwort 😉

Jetzt muss ich allerdings dort nochmal ansetzen:

Quote:
Dann entfallen, nach Ihren Angaben, von den anteiligen Fahrtkosten für den in der Fahrkarte C enthaltenen Bereich B 50 % = 40 Euro auf die Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte (Entfernungspauschale).

Diese Kosten werden gedeckt durch die Entfernungspauschale?
Bin davon ausgegangen, dass die kompletten Kosten für Preisstufe B unter den Punkt Entfernungspauschale fallen.

Quote:
Die übrigen 50 % = 40 Euro + die kompletten Zusatzkosten für die Bereichserweiterung von B auf C von 20 Euro entfallen auf die Dienstreisen, also insgesamt 60 Euro.

Das würde im konkreten Fall bedeuten, wenn wir schon mit Zahlen hantieren 😀 ,

Preisstufe B = 85,56 €
Preisstufe C = 108,89 €

Es wären also 42,78 € (=50% von preisstufe B) durch die Kilometerpauschale abgedeckt.

Der Rest von 66,11 € wären dann als Dienstreisekosten deklarierbar!

Das Ganze aufs Jahr gerechnet wären 793,32€ die als Dienstreisekosten abgerechnet werden könnten.

In der enthaltenen Steuererklärung hat das FA nämlich genau 3x den Monatsbeitrag für Preisstufe C als Dienstreise angegeben, was natürlich zu dieser rechnung einen erheblichen Unterschied ausmacht 😯

MfG
AWille

Edit sagt//
Wie kommen Sie denn auf 50/50 bei der Aufteilung zwischen Entfernungspauschale und Reisekosten?
Ist dies einfach so ins Blaue geschossen oder gibt es dafür gerechtliche Grundlagen? Denn solange es diese nicht gibt, ist es Glückssache, ob das FA diese 50% anerkennt oder?

Von: Kexel
Uhr

Quote:
Kexel:
Dann entfallen, nach Ihren Angaben, von den anteiligen Fahrtkosten für den in der Fahrkarte C enthaltenen Bereich B 50 % = 40 Euro auf die Fahrten Wohnung – Arbeitsstätte (Entfernungspauschale).

AlexW:
Diese Kosten werden gedeckt durch die Entfernungspauschale?
Bin davon ausgegangen, dass die kompletten Kosten für Preisstufe B unter den Punkt Entfernungspauschale fallen.

Nein, denn die Kosten/Fahrten der Preisstufe B werden ja auch für die Dienstreisen benutzt. Ohne Preisstufe B keine Fahrten bis zur Preisstufe C.

Quote:
AlexW:
Es wären also 42,78 € (=50% von preisstufe B) durch die Kilometerpauschale abgedeckt.
Der Rest von 66,11 € wären dann als Dienstreisekosten deklarierbar!
Das Ganze aufs Jahr gerechnet wären 793,32€ die als Dienstreisekosten abgerechnet werden könnten.

Ja, so würde ich die Kostenaufteilung vornehmen.

Quote:
Edit sagt//
Wie kommen Sie denn auf 50/50 bei der Aufteilung zwischen Entfernungspauschale und Reisekosten?

Die Preisstufe B dient für Fahrten Wihnung-Arbeitsstätte und für Dienstreisen, da Preisstufe B in C enthalten ist.
Da für jeden Monat Fahrkarten der Preisstufe C gekauft werden, ist der Anteil B aufzuteilen. Meines Erachtens aus Vereinfachungsgründen und mangels eines anderen objektiven Aufteilungsmaßstabs, eben 50 : 50.
Man könnte auch die Preisstufe B im Verhältnis der Anzahl der Fahrten (Wohnung-Arbeitsstätte zu Dienstreisen) aufteilen, wenn denn diese Anzahl bekannt oder nachweisbar wäre.

Von: Ehemaliger Nutzer
Uhr
Ich habe auch gehört, dass viele Firmen die Fahrtkosten übernehmen… Woran liegt das? Also, muss der Arbeitgeber die Fahrtkosten bezahlen? Wo kann man sich zu diesem Thema informieren? Danke und glg