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Notebook absetzen trotz Zeit des Aussetzen

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenNotebook absetzen trotz Zeit des Aussetzen

Uhr
Von: magigstar
11 Antworten
Hallo zusammen,

ich habe eine Frage.

Ich war 2010 selbstständig und habe ein Notebook gekauft. Bei der Steuererklärung habe ich diesen auch richtig abgesetzt. Nun müsste ich auch für 2011 diesen bzw. den jährlichen Anteil absetzen.

2011 war ich leider nicht mehr selbstständig.

Wenn das so bliebe, dann kann man da wohl nichts machen, logisch.

Doch wie ist es, wenn ich ab 2012 wieder selbstständig sein werde. Kann ich den Notebook irgendwie einfach weiterführen.
Ist es egal, wann ich im Jahre 2012 selbstständig werde oder ist es dann monatsabhängig

Kosten für Notebook: 700 Euro
Nutzungsdauer: 3 Jahre

jährlicher Abschreibungsbetrag (2010): 233,33 Euro
jährlicher Abschreibungsbetrag (2011): 0,00 Euro (da keine Selbstständigkeit)
jährlicher Abschreibungsbetrag (2012): 233,33 Euro

Kann ich einfach das ausgesetzte Jahr im Jahre 2013 wieder fortführen?

jährlicher Abschreibungsbetrag (2013): 233,33 Euro

Oder wird der Notebook nur für 466,66 Euro bewertet?

Ich bedanke mich schon im Voraus für die Unterstützung.

Von: magigstar
Uhr
Hallo,

habe dazu diesen Text gefunden:

“Kosten absetzen trotz Abmeldung?
Kaum einer weiß es, teilweise können Kosten auch in einem Abmeldezeitraum steuerlich abgesetzt werden. Sie kaufen sich beispielsweise während der Auszeit ein neues Notebook oder ein Auto und möchten die Abschreibungsbeträge natürlich Gewinn mindernd absetzen. Das ist zwar grundsätzlich auch möglich, wenn Sie Ihre selbständige Tätigkeit abgemeldet haben. Denn im Einkommensteuerrecht gibt es die „vorweggenommenen“ Betriebsausgaben. Das bedeutet für Sie: Aufwendungen, die Sie tätigen, um damit in naher Zukunft Einnahmen zu erzielen, können als Betriebsausgaben in voller Höhe oder im Wege der Abschreibungen – also verteilt auf mehrere Jahre – Steuer mindernd eingesetzt werden. Allerdings kommt es darauf an, was unter „naher Zukunft“ zu verstehen ist. Haben Sie sich beim Finanzamt abgemeldet und währt die projektlose Zeit z. B. mehr als ein halbes Jahr, so laufen Sie Gefahr, dass Ihnen diese Zeit bei der Abschreibung verloren geht. Denn: Grundsätzlich ist ein Anlagegut (und dazu gehört Ihr Notebook) nur während der Zeit der Selbständigkeit abzuschreiben. Der Fiskus könnte also auf die gar nicht so abwegige Idee kommen, Ihnen die Abschreibungen für die Zeit zu kürzen, in der Sie kein Unternehmen angemeldet haben.”

Quelle: http://www.freiberufler-blog.de/?p=494

Demnach kann dennoch grundsätzlich den Notebook vollständig absetzen, jedoch müsste man das das ausgesetzte Jahr dranhängen.

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

wenn Sie dem Finanzamt glaubhaft machen können, dass Sie das Notebook in 2011 nicht privat oder zu weniger als 10 % privat genutzt haben, und wenn Sie bei der (vorübergehenden) Einstellung Ihrer selbständigen Tätigkeit in 2010 bereits den festen Vorsatz hatten, dass Sie diese in 2012 wieder fortsetzen wollen.

Anderenfalls sind mit Aufgabe einer selbständigen Tätigkeit alle vorhandenen betrielichen Wirtschaftsgüter mit Ihrem Verkehrswert steuerpflichtig ins Privatvermögen zu überführen.

Dann kann man Sie 2012 wieder mit dem fiktiven Buchwert in die neu eröffnete selbständige Tätigkeit einlegen und abschreiben. Bei Kauf Januar 2010 also noch für ein Jahr abschreiben, das Jahr 2011 wäre aber dann verloren.

Von: magigstar
Uhr
Steuerberater Kexel wrote:
Hallo,

wenn Sie dem Finanzamt glaubhaft machen können, dass Sie das Notebook in 2011 nicht privat oder zu weniger als 10 % privat genutzt haben, und wenn Sie bei der (vorübergehenden) Einstellung Ihrer selbständigen Tätigkeit in 2010 bereits den festen Vorsatz hatten, dass Sie diese in 2012 wieder fortsetzen wollen.

Anderenfalls sind mit Aufgabe einer selbständigen Tätigkeit alle vorhandenen betrielichen Wirtschaftsgüter mit Ihrem Verkehrswert steuerpflichtig ins Privatvermögen zu überführen.

Dann kann man Sie 2012 wieder mit dem fiktiven Buchwert in die neu eröffnete selbständige Tätigkeit einlegen und abschreiben. Bei Kauf Januar 2010 also noch für ein Jahr abschreiben, das Jahr 2011 wäre aber dann verloren.

Hallo Herr Kexel,

vielen Dank für ihren üblichen fundierten und gut anschaulichen Beitrag.

Da ich mein “Gewerbe” mehr oder weniger nicht wirklich sehr nachgegangen bin, denke ich, kann ich dem FA nicht glaubhaft machen, dass ich mein Notebook mehr als 10 % beruflich genutzt habe.

Ja, ich hatte auf jeden Fall den festen Vorsatz mit meinem Gewerbe 2012 wieder anzufangen.

Wie könnte ich das dem Finanzamt glaubhaft machen?

Ok, gehen wir davon aus, dass ich das dem Finanzamt nicht glaubhaft machen kann.

Würde das bedeuten, mein Notebook hat im Grunde den fiktiven Buchwert von 467 Euro.
Diese 467 Euro übergehen in meinem Privatvermögen. Auch wenn in meinem Fall ja eigentlich nicht zwischen Privat- und Geschäftsvermögen unterschieden wird, da ich ja eigentlich nicht bilanziere.

Nun, mit der Fortsetzung des Gewerbes würde ich dem Finanzamt folgende Rechnung vorführen:

467 Euro
– 233 Euro (2012)
__________
233 Euro

Wie würde es anders aussehen, wenn ich es dem Finanzamt doch glaubhaft machen könnte:

467 Euro
– 233 Euro (2011)
– 233 Euro (2012)
_________
0 Euro

Praktisch ist der Vorteil einzig und allein, dass ich auch im Jahre 2011 noch mehr von der Steuer absetzen kann.

Ganz dumm gesagt: Lieber mache ich es dem Finanzamt nicht glaubhaft und lasse die Absetzung für 2011 und stattdessen schreibe ich im Jahre 2013 ab.

Warum das ganze?

Naja, im Jahre 2011 bin ich vom Einkommen her zu schwach, dass ich leicht unter dem Freibetrag komme. Warum sollte ich da noch 233 Euro abziehen.
2013 erhoffe ich mir einen Umsatzplus und demnach könnte ich zusätzlich 233 Euro Absetzungsmöglichkeiten gut gebrauchen.

Wenn das natürlich ohne Probleme fortführbar wäre. Darauf bin ich gar nicht gekommen.

Können Sie soweit meinen Gedankengang nachvollziehen oder irre ich mich an einem Punkt?

Vielen Dank

magigstar

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Quote:
Auch wenn in meinem Fall ja eigentlich nicht zwischen Privat- und Geschäftsvermögen unterschieden wird, da ich ja eigentlich nicht bilanziere.

Diese Berachtung ist unabhängig von der Gewinnermittlungsart.
Auch bei der Gewinnermittlung nach § 4 Absatz 3 EStG gibt es sehr wohl Betriebs- und Privatvermögen.

Ihre Rechnung sieht immer so aus, egal ob Sie das Finanzamt überzeugen können oder nicht:

Anschaffung 700 Euro
– AfA 2010 233 Euro
– AfA 2011 233 Euro
– AfA 2012 234 Euro
Ende 2012 0 Euro

Von Ihrer Überzeugung hängt nur ab, ob die 233 Euro in 2011 steuerlich abzugsfähig sind oder nicht. Eine Verschiebung der AfA 2011 nach 2013 geht nicht.

Von: magigstar
Uhr
Steuerberater Kexel wrote:
Hallo,

Quote:
Auch wenn in meinem Fall ja eigentlich nicht zwischen Privat- und Geschäftsvermögen unterschieden wird, da ich ja eigentlich nicht bilanziere.

Diese Berachtung ist unabhängig von der Gewinnermittlungsart.
Auch bei der Gewinnermittlung nach § 4 Absatz 3 EStG gibt es sehr wohl Betriebs- und Privatvermögen.

Ihre Rechnung sieht immer so aus, egal ob Sie das Finanzamt überzeugen können oder nicht:

Anschaffung 700 Euro
– AfA 2010 233 Euro
– AfA 2011 233 Euro
– AfA 2012 234 Euro
Ende 2012 0 Euro

Von Ihrer Überzeugung hängt nur ab, ob die 233 Euro in 2011 steuerlich abzugsfähig sind oder nicht. Eine Verschiebung der AfA 2011 nach 2013 geht nicht.

Vielen Dank Herr Kexel,

naja, technisch gesehen will ich ja die AfA von 2011 nicht nach 2013 verschieben, sondern nach 2012. Und die Afa 2012 nach 2013 😉

Eigentlich muss ich das Finanzamt ja dann nicht so sehr überzeugen. Da ich in 2011 mit Sicherheit unter dem Freibetrag komme brauche ich auch nicht weitere Absetzungsmöglichkeiten.

Es sei denn, diese “Überzeugungsarbeit” dient dafür, dass ich für 2012 einen “Verlust” übernehmen kann.

Von: Kexel
Uhr

Quote:
naja, technisch gesehen will ich ja die AfA von 2011 nicht nach 2013 verschieben, sondern nach 2012. Und die Afa 2012 nach 2013

… und auch dies geht eben nicht.

Von: magigstar
Uhr
Hallo Herr Kexel und vielen Dank nochmals für die Beantwortung der Fragen.

Ich will nicht ein neues Thema eröffnen, da es ungefähr das gleiche Thema ist.

Im Bescheid 2010 habe ich ein Verlust von z. B. 20.000 Euro, dass das Finanzamt auch so im Bescheid anerkannt hat.

Im selben Jahr habe ich Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit in Höhe von z. B. 30.000 Euro erwirtschaftet.

Nun will ich die Steuererklärung für 2011 machen. In diesem Jahr habe ich kein Gewerbe, aber ich kann dem Finanzamt gut nachweisen, dass das Jahr 2011 ein “Aussetzer” war 🙂

2012 wird wieder Geld verdient, aus Gewerbebetrieb.

An sich habe ich nun von 2010 ein Gesamtbetrag der Einkünfte in Höhe von 10.000 Euro. Ich hab somit kein Verlustvortrag.

Das Finanzamt rechnet hier irgendwie alles zusammen (Fachwort: externer Verlustausgleich). Aber man doch auch einen interner Verlustausgleich berechnen.

Steuererklärung 2011:

Verlust aus 2010: 20.000 Euro
kein Verlust/Gewinn 2011: 0 Euro

Verlustübertrag: – 20.000 Euro

nichtselbstständige Arbeit:
Einkünfte 2010: 30.000 Euro
Einkünfte 2011: 35.000 Euro

Kurze Frage: Kann ich einfach statt eine 0 ein – 20.000 Euro in die Steuererklärung eintragen??

Weil, wenn ich 2010 einen negativen Gesamtbetrag der Einkünfte hätte, wäre die Antwort klar “ja, es geht”. Wobei ich mir da auch nicht zu 100 % sicher bin.

Kann mir irgendjemand (muss ja nicht Herr Kexel sein) das erklären?

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Sie hätten doch besser ein neues Thema eröffnet, da Ihre Frage so gar nichts mit dem vorherigen Thema zu tun hat.

Aber sei es drum – wenn Ihr Verlust in 2010 aus Gewerbebetrieb war, wird er einkommensteuerrechtlich in 2010 mit den positiven Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit verrechnet. Anders verhält es sich bei der Gewerbesteuer, hier erfolgt ein Verlustvortrag.

Quote:
Das Finanzamt rechnet hier irgendwie alles zusammen (Fachwort: externer Verlustausgleich).

In welchem Zusammenhang genau rechnet das Finanzamt anders?
Im Einkommensteuerbescheid, im Gewerbesteuermessbescheid, in der Totalgewinnbetrachtung oder wo?

Ein interner Verlustausgleich ist ein Verlustausgleich innerhalb einer Einkunftsart, zum Beispiel Verlust aus gewerblicher Beteiligung mit Gewinn aus gewerblichem Einzelunternehmen.

Ein externer Verlustausgleich ist ein Verlustausgleich zwischen zwei verschiedenen Einkunftsarten, aber innerhalb eines Kalenderjahres, wie in Ihrem Beispiel Verlust aus Gewerbebetrieb und Überschuss aus nichtselbständiger Arbeit.

Von: magigstar
Uhr
Steuerberater Kexel wrote:
Hallo,

Sie hätten doch besser ein neues Thema eröffnet, da Ihre Frage so gar nichts mit dem vorherigen Thema zu tun hat.

Aber sei es drum – wenn Ihr Verlust in 2010 aus Gewerbebetrieb war, wird er einkommensteuerrechtlich in 2010 mit den positiven Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit verrechnet. Anders verhält es sich bei der Gewerbesteuer, hier erfolgt ein Verlustvortrag.

Quote:
Das Finanzamt rechnet hier irgendwie alles zusammen (Fachwort: externer Verlustausgleich).

In welchem Zusammenhang genau rechnet das Finanzamt anders?
Im Einkommensteuerbescheid, im Gewerbesteuermessbescheid, in der Totalgewinnbetrachtung oder wo?

Ein interner Verlustausgleich ist ein Verlustausgleich innerhalb einer Einkunftsart, zum Beispiel Verlust aus gewerblicher Beteiligung mit Gewinn aus gewerblichem Einzelunternehmen.

Ein externer Verlustausgleich ist ein Verlustausgleich zwischen zwei verschiedenen Einkunftsarten, aber innerhalb eines Kalenderjahres, wie in Ihrem Beispiel Verlust aus Gewerbebetrieb und Überschuss aus nichtselbständiger Arbeit.

Hallo,

der Verlustvortag kann ich ja auch bei der Einkommenssteuer benutzen.
“vortragen” und dann brauche ich nur de Gewinn/Verlust mit dem Verlust von 2010 zu addieren. Wenn ich im Jahre 2011 z. B. einen Gewinn von 3000 Euro habe und 2010 einen Verlust von 2000 Euro, bräuchte ich eigentlich nur auf 1000 Euro Steuern zu zahlen.

Ob nun Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit dieses Ergebnis ändert, weiss ich nicht.

Beeinflusst Einkünfte aus anderen Einkunftsarten den Verlustvortrag?

In meinem Einkommenssteuerbescheid rechnet das FA die Einkunftsarten zusammen, so dass ich doch einem Verlust zu einem positiven Wert für 2010 komme.

2010:
Verlust – 20.000 Euro
nichtselbstständige Arbeit: 30.000 Euro

Quote:
Kommentar Kexel: [color=red]Gesamtbetrag der Einkünfte = + 10.000 Euro[/color]

2011:
Verlust/Gewinn: 0 Euro (Aussetzen des Gewerbes)
-> Verlustvortrag: -20.000 Euro
nichtselbständige Arbeit: 30.000 Euro

Steuern zu zahlen auf: 10.000 Euro

Quote:
Kommentar Kexel:
[color=red]Verlustvortrag: 0 Euro
Steuern zu zahlen auf: 30.000 Euro[/color]

Oder wird nach Verrechnung mit anderen Einkunftsarten der Verlustvortrag wertlos gemacht??