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Sehr generelle Frage zur Steuerberatung

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenSehr generelle Frage zur Steuerberatung

Uhr
Von: franc
6 Antworten
Hallo,

ich mache gerade die Einkommenssteuer für das Jahr 2010 für mich und meine Frau.
Obwohl ich eine Vorlage vom Vorjahr habe, kämpfe ich schon seit Tagen immer wieder mit den richtigen Stellen für die Eintragungen und sonstigen Genauigkeiten. Ich habe vermutlich schon mehr als 10 Stunden damit verbracht.

Meine Frage, die mir ständig vorschwebt ist, ob der Betrag, den wir durch einen Steuerberater sparen würden, nicht wieder durch dessen “Kostennote” aufgebraucht würde.
Vorausgesetzt, ich mache die Erklärung so einigermaßen ordentlich, also lasse nicht allzu viel weg.
Ebenso vorausgesetzt, ich habe genug Zeit, d.h. meine Zeit ist nicht viel (Geld) wert 😉

Fakt ist doch, dass Eintragungen, die z.B. nicht in der richtigen Zeile stehen, vom FA-Sachbearbeiter korrigiert werden, oder?

Gruß, franc

PS.: Falls hier jetzt ein Steuerberater antwortet, kann ich mir die Antwort schon vorstellen 😉

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Quote:
PS.: Falls hier jetzt ein Steuerberater antwortet, kann ich mir die Antwort schon vorstellen

Also kennen Sie gar keinen Steuerberater.

Quote:
Fakt ist doch, dass Eintragungen, die z.B. nicht in der richtigen Zeile stehen, vom FA-Sachbearbeiter korrigiert werden, oder?

Und Sie haben auch keine Erfahrungen mit Finanzamts-Sachbearbeitern.

Lesen Sie mal den nachfolgend Artikel von einem Nicht-Steuerberater:
https://www.betriebsausgabe.de/blog/2009/01/13/warum-ein-steuerberater-mehr-einkommensteuer-spart-als-kein-steuerberater/

Und bedenken Sie auch, ein Steuerberater haftet für mögliche Fehler, er hat dafür eine Versicherung. Wenn Sie hingegen selbst falsche Angaben in der Steuererklärung machen, und es folglich nicht zu der gewünschten Steuerminderung kommt und das Finanzamt diese falschen Angaben übernimmt, dann haftet dafür niemand.

Von: franc
Uhr
Das meinte ich zwar.

Doch ich kenne einen. Es war ein Kunde von mir.
Und ich hatte selbst einen, den habe ich einmal (2008) sauber die Steuererklärung für mich und meine Frau machen lassen, die habe ich dann in den Jahren darauf als Vorlage genommen.
So hat dessen Kostennote sich einigermaßen gelohnt, weil sich am Einkommen und an den Steuerarten kaum was geändert hatte.
Als es dann mal doch eine Änderung gab (USt: Kleinunternehmer > normaler Unternehmer), half mir der Sachbearbeiter im Finanzamt, die richtigen Zeilen mit den richtigen Zahlen auszufüllen.
Das ist nämlich seine Arbeit und mit etwas Glück macht ein Sachbearbeiter das auch freundlich und hilfsbereit.
Auch ein Sachbearbeiter ist, wie ein Steuerberater, ein Dienstleister.

Wenn ein Steuerberater für seine Dienste 1000.- Euro verlangt, dann ist das in meinem Fall schon ein ziemlich großer Puffer. So viel kann ich mich kaum (zu meinen Ungunsten) verrechnen.

Eine lästige Arbeit ist es aber dennoch, hauptsächlich weil ich es nicht ständig mache und mich jedes Jahr von neuem hineinknien muss.

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Quote:
… half mir der Sachbearbeiter im Finanzamt, die richtigen Zeilen mit den richtigen Zahlen auszufüllen.
Das ist nämlich seine Arbeit und mit etwas Glück macht ein Sachbearbeiter das auch freundlich und hilfsbereit.
Auch ein Sachbearbeiter ist, wie ein Steuerberater, ein Dienstleister.

Und das stimmt eben nicht. Das Finanzamt berät nicht. Es leistet lediglich in sehr begrenztem Umfang Hilfestellung – mehr nicht.

Das Finanzamt ist kein Dienstleister des Steuerpflichtigen, sondern Dienstleister des Bundesfinanzministeriums, des Staates.
Dagegen stehen Steuerberater im Dienste der Mandanten.
Und das ist ein sehr großer Unterschied.

Quote:
So viel kann ich mich kaum (zu meinen Ungunsten) verrechnen.
Eine lästige Arbeit ist es aber dennoch, hauptsächlich weil ich es nicht ständig mache und mich jedes Jahr von neuem hineinknien muss.

Also sind Sie so einer, der auch die jährliche Inspektion am PKW selbst vornimmt, die Heizung jährlich selbst wartet, das Rind selber schlachtet und und und.
Toll, dass es noch Menschen gibt die einfach alles können und nicht zu arbeiten brauchen – meinen Glückwunsch.

Aber wenn es brennt, rufen Sie doch die Feuerwehr – oder bei Problemen mit der Steuererklärung den Steuerberater?

Von: franc
Uhr
Steuerberater Kexel wrote:
… der auch die jährliche Inspektion am PKW selbst vornimmt, die Heizung jährlich selbst wartet, das Rind selber schlachtet…

PKW mach ich nur bedingt (weil ungern) selbst, Heizung und sonstiges im Haushalt ebenso bedingt (schon etwas lieber aber auch nicht jährlich, sondern nur bei Bedarf) und die größeren Tiere darf man leider nicht mehr selbst schlachten, nur Hühner (ist aber sehr unangenehm, weil so brutal).

Steuerberater Kexel wrote:
… Aber wenn es brennt, rufen Sie doch…den Steuerberater?

Bei der letzten Steuererklärung musste ich danach noch ein paar Mal mit dem FA telefonieren bis das alles gestimmt hatte.
Die sind dort normalerweise aber wirklich nett und hilfsbereit, ich hatte nie das Gefühl, dass die gegen mich agieren.
Bevor ich einen Steuerberater einschalten würde, würde ich, wenn auch das FA keine Auskunft mehr geben könnte, z.B. hier in diesem Forum fragen.
Oder im https://www.elster.de/anwenderforum/
Da müsste es schon sehr schlimm brennen, dass ich (noch mal) zu einem Steuerberater ginge.
Wenigstens, so lange meine Arbeitszeit so wenig wert ist, bzw. ich so viel Zeit habe 🙂

Von: Kexel
Uhr

Quote:
Die [Finanzamt] sind dort normalerweise aber wirklich nett und hilfsbereit, ich hatte nie das Gefühl, dass die gegen mich agieren.

Dies stimmt im Wesentlichen, aber Fakt ist und bleibt, das Finanzamt berät nicht, es leistet lediglich in sehr begrenztem Umfang Hilfestellung und das Finanzamt ist kein Dienstleister des Steuerpflichtigen, sondern Dienstleister des Bundesfinanzministeriums, des Staates.
Dies sollte man bedenken, wenn man sich dort erkundigt.

Und Internetforen haften ebensowenig für Falschaussagen wie in der Regel auch das Finanzamt – im Gegensatz zum Steuerberater!

Und – Unwissenheitm schützt bekanntlich vor Strafe nicht – dagegen schützt guter Rat das Vermögen.

Bei einer negativen Erfahrung gleich darauf zu schließen, dass alle anderen http://www.bstbk.de/export/sites/standard/de/ressourcen/Dokumente/01_bstbk/berufsstatistik/Berufsstatistik_2010.pdf ebenso sind, ist eine etwas sehr kühne Behauptung.

Wie gut, dass es in Ihrem Gewerbe keine “schwarzen Schafe” gibt.

Von: franc
Uhr
Nein, das war ein Missverständnis, es ist keine schlechte Erfahrung gewesen, lediglich die Erkenntnis, dass es sich wenigstens in meinem Fall überhaupt nicht lohnt.
Die Steuerberaterin war übrigens kompetent und nett.

Die Steuererklärung mit Steuerberater in meinem oder einem ähnlichen Fall ist höchstens noch eine Umverteilung von Geldern, die sonst der Allgemeinheit (Staat, Banken) zugute kämen, hin zu den Steuerberatern.
Nicht, dass ich das dem Steuerberatergewerbe weniger gönnte als den Banken 😉

Im Übrigen bin ich für eine wesentliche Vereinfachung des Steuerwesens, auch wenn das oberflächlich betrachtet zunächst ungerechter erscheint.
Aber was hilft Gerechtigkeit, die nicht erreicht wird, weil ihre Durchführung zu kompliziert ist?
Ich frage mich, wie viele Menschen in Deutschland, die nicht nur eine 0815-Steuererklärung machen müssen, die Steuererklärung selbst machen.
Ich vermute, das kann man doch ohne eine gewisse Mindestbildung gar nicht ohne erheblichen Aufwand einigermaßen richtig durchführen.
Ich mutmaße ebenfalls, dass die Mehrheit in diesem Land nicht über eine derartige, auch mathematische Bildung verfügt.
Das kann dann doch nicht richtig sein.
Ich jedenfalls habe mich schwer getan, die Steuererklärung zügig und mit der Gewissheit, dass alles korrekt und nicht zum eigenen Nachteil ist, durchzuführen, obwohl mir Zahlen und Rechnen sogar etwas Spaß machen.