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Selbstständigkeit

Von Theodora B.

Letzte Aktualisierung am: 19. Oktober 2023

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

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Selbstständigkeit
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Selbstständigkeit - Was braucht es zur Existenzgründung?

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Selbstständigkeit

Was zählt als Selbstständigkeit?

Die berufliche bzw. gewerbliche Selbstständigkeit gilt als eine arbeitnehmerunabhängige Erwerbsarbeit auf eigene Rechnung. Als selbstständig gelten zwei Personengruppen: Personen, die das eigene Unternehmen leiten sowie Freiberufler. Wer selbstständig ist, trägt die volle Verantwortung für alle finanziellen und sozialen Aspekte seiner Tätigkeit. Weiterführende Informationen zur Selbständigkeit finden Sie hier.

Was muss ich tun, um selbständig zu werden?

Wichtige Schritte auf dem Weg zum eigenen Unternehmen sind unter anderem die Entwicklung einer Geschäftsidee, ein belastbarer Businessplan sowie eine Finanzierungsstrategie zu erstellen bzw. Fördermittel zu erhalten. Die wichtigsten Punkte für die Existenzgründung haben wir an dieser Stelle für Sie aufgeführt.

Kann ich mich trotz Arbeitslosigkeit selbstständig machen?

Wenn Sie arbeitslos sind und ein Unternehmen gründen möchten, können Sie, je nach aktueller Lebenssituation, entweder Einstiegsgeld vom Jobcenter erhalten oder bei der Agentur für Arbeit einen Gründungszuschuss beantragen. Ob dieser gewährt wird, ist beispielsweise von der eigenen fachlichen Qualifikation und einem fundierten Businessplan abhängig.

Was gilt als Selbstständigkeit? Eine Definition

Es gibt eine klare Definition von Selbstständigkeit.
Es gibt eine klare Definition von Selbstständigkeit.

Was ist Selbstständigkeit? Per Definition gilt Selbstständigkeit als eine Form der Erwerbsarbeit, die keinem Direktionsrecht unterliegt. Das heißt, wer selbstständig ist, ist nicht in einem arbeitsrechtlichem Verhältnis eingegliedert und untersteht somit keinem Arbeitgeber. Folglich definiert das Sozialgesetzbuch (SGB) Selbstständigkeit als das Gegenstück zur Beschäftigung im Sinne einer

nichtselbständige[n] Arbeit, insbesondere in einem Arbeitsverhältnis.

§ 7 Abs. 1 SGB IV

Welche Art von Selbstständigkeit gibt es ?

Das Einkommenssteuergesetz (EStG) unterscheidet unter anderem zwischen Einkünften aus selbstständiger Arbeit (§18 EStG) und Einkünften aus Gewerbetreib (§15 EStG). Demnach umfasst der Begriff Selbstständigkeit in Deutschland insbesondere zwei Personengruppen:

  • Freiberufler (Ärzte, Lehrer, Rechtsanwälte, Architekten, Journalisten, Künstler etc.) sowie
  • Unternehmer bzw. Gründer, die ein Unternehmen oder einen Betrieb als Eigentümer, Miteigentümer, Pächter oder als selbstständige Handwerker leiten.

Nebenberufliche Selbstständigkeit und hauptberufliche Selbstständigkeit

Die nebenberufliche Selbstständigkeit kann für Unternehmer ein Anfang sein.
Die nebenberufliche Selbstständigkeit kann für Unternehmer ein Anfang sein.

Beide Begriffe beziehen sich auf den Arbeitsumfang, den Selbstständige haben: Nebenberuflich selbständig zu sein bedeutet, neben der eigentlichen Beschäftigung zusätzlich selbständig zu arbeiten. Diese Tätigkeit sollte höchstens 18-20 Stunden pro Woche betragen. Selbstständige Erwerbsarbeit gilt dann als hauptberuflich, wenn sie ein arbeitsrechtliches Beschäftigungsverhältnis in Bezug auf Arbeitsstunden und erwirtschaftetem Einkommen deutlich übersteigt bzw. dieses vollständig ersetzt.

Rechtsformen bei Selbstständigkeit

Letztlich schließt die Definition von Selbstständigkeit unterschiedliche Rechtsformen eines Unternehmens mit ein. Hierzu zählen beispielsweise:

  • das Einzelunternehmen (Einzelkauflaute, Freiberufler, Kleingewerbebetreibende),
  • die Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG) und
  • die Personengesellschaft (GbR, OHG, KG).

Für jede der einzelnen Rechtformen gelten eigene Haftungsbestimmungen und Steuerverpflichtungen.

Wer kann sich in Deutschland selbstständig machen?

Durch den in Deutschland geltenden Grundsatz der Gewerbefreiheit nach §1 Abs. 1 der Gewerbeordnung (GewO) steht es allen Bürgerinnen und Bürgern frei, ein Gewerbe zu gründen und zu betreiben, sofern der Gesetzgeber diesbezüglich keine Beschränkungen oder Ausnahmen vorschreibt. Beispielsweise müssen für bestimmte Branchen bzw. Berufszweige spezielle Zulassungen erworben werden. Dies ist etwa für den Betrieb eines Restaurants oder eines Hotels, den Handel mit Arzneimitteln oder für die Kinderbetreuung der Fall.

Neben dem notwendigen Branchen- und Fachwissen spielen auch persönliche Voraussetzungen bei der Selbstständigkeit eine wichtige Rolle. Charaktereigenschaften, die als vorteilhaft gelten, sind beispielsweise ein ausgeprägtes Organisationstalent, eine gewisse Risikobereitschaft sowie Verhandlungsgeschick.

Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit

Die Tätigkeit, der Selbstständige nachgehen, zeichnet sich unter andrem durch folgende Kriterien aus, die von vielen als eindeutige Vorteile der Selbstständigkeit empfunden werden:

Es gibt Vor-und Nachteile bei einer Selbstständigkeit.
Es gibt Vor-und Nachteile bei einer Selbstständigkeit.
  • Sie teilen ihre Arbeitszeit eigenständig ein und verfügen frei über ihre eigene Arbeitskraft.
  • Sie agieren unabhängig von den Weisungen einer vorgesetzten Person und
  • entscheiden eigenmächtig darüber, welche Aufträge sie annehmen und welche nicht.

Dennoch müssen Gründer und Freiberufler auch die möglichen Nachteile der Selbständigkeit bedenken: Einige Beispiele sind soziale Risiken sowie die hohen Kosten. Auch viele Steuern fallen bei Selbständigkeit an. Die Nachteile bestehen primär darin, dass Selbstständige

  • nicht von der Sozialversicherungspflicht profitieren (bis auf wenige Ausnahmen),
  • sich selbst um die Leistungsabrechnung sowie die darauf fälligen Einkommensteuer kümmern müssen, weil ihre Auftraggeber keine Lohnsteuer abführen,
  • im Regelfall Umsatzsteuer auf ihre Honorare aufschlagen müssen,
  • Gewerbesteuer für die Ausübung der gewerblichen Tätigkeit zahlen,
  • nicht durch Arbeitnehmerschutzrechte geschützt werden,
  • keinen gesetzlichen Anspruch auf Erholungsurlaub haben.

Aus diesen Gründen sollten Menschen, die eine Existenzgründung anstreben, auf dem Weg zur Selbständigkeit folgende Tipps und grundlegende Punkte beherzigen.

Selbstständigkeit: Was ist zu beachten bei der Gründung?

Die nebenberufliche Selbstständigkeit als Grundlage für angehende Unternehmer

Da sehr hohe Kosten sowie Risiken mit der Selbstständigkeit verbunden sind, empfiehlt es sich zunächst, die nebenberufliche Selbstständigkeit in Angriff zu nehmen. Denn die reguläre Beschäftigung garantiert eine gewisse finanzielle Sicherheit. Sie kann sich mit steigendem Erfolg und wachsendem Umsatz in eine hauptberufliche Selbstständigkeit verwandeln.

Geschäftsidee und Businessplan entwickeln

Der erste Schritt für Unternehmer besteht darin, eine passende Geschäftsidee zu entwickeln, mit der sie sich selbständig machen wollen. Neben der eigenen Unternehmensgründung bietet es sich an, ein bereits bestehendes Unternehmen zu übernehmen bzw. zu kaufen oder in ein Franchisesystem einzusteigen.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Selbstständigkeit in Deutschland ist ein Businessplan.
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Selbstständigkeit in Deutschland ist ein Businessplan.

Sobald die Geschäftsidee feststeht, empfiehlt es sich, einen soliden Businessplan zu entwickeln. Ein Businessplan ist ein schriftliches Unternehmenskonzept, in dem Gründer

  • ihre Visionen und Annahmen beschreiben,
  • eine Markteinschätzung vornehmen und
  • betriebswirtschaftliche Prognosen erstellen.

Der Businessplan erklärt eine Geschäftsidee in Hinsicht auf ihre Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit und wird auf dem Weg zu Selbständigkeit in Deutschland von nahezu allen Kapitalgebern und Finanzierungsstellen verlangt.

Welche Besonderheiten sich bei der Existenzgründung für Frauen ergeben und welche Fördermittel es für Gründerinnen gibt, erläutern wir in diesem Artikel zu Start-Up-Strategien für Frauen.

Finanzplan aufstellen und Finanzierungsmöglichkeiten finden

Da die Kosten, die durch Selbstständigkeit entstehen, normalerweise nicht von einer Privatperson oder aus privatem Eigenkapitel allein getragen werden können, gilt es, den passenden Kapitalgeber zu finden. Hier kommen beispielsweise die klassischen Kreditgeber wie Banken in Frage. Daneben existieren auch weitere Möglichkeiten wie etwa Crowdfunding oder private Kredite. Da die Förderung neuer Unternehmen auch im Interesse der Wirtschaft ist, bieten sowohl Bund und Länder als auch die Europäische Union Förderprogramme für die Existenzgründung an.

Das Bundesministerium für Energie und Wirtschaft (BMWK) berät Interessierte über die existierenden Förderprogramme sowie den Ablauf des Antragsverfahrens.

Die Kosten für die Selbstständigkeit können auf unterschiedlichen Wegen finanziert werden.
Die Kosten für die Selbstständigkeit können auf unterschiedlichen Wegen finanziert werden.

Wer arbeitslos ist und sich selbständig machen will, kann sogenannte staatliche Förderprogramme in Anspruch nehmen. Empfänger von ALG I haben die Möglichkeit, bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf Gründerzuschuss zu beantragen. Für andere Leistungsempfänger bietet das Jobcenter die Auszahlung von Einstiegsgeld an.

Die Gewerbeanmeldung

Wer eine Rechtsform für sein Unternehmen gewählt hat, muss unter Umständen ein Gewerbe anmelden. Bei Handwerksunternehmen ist außerdem die Eintragung bei der Handwerkskammer vorgeschrieben. Freiberufler sind nicht zu einer Gewerbeanmeldung verpflichtet.

Selbständigkeit: Welche Steuern fallen an?

Wie oben bereits thematisiert, fallen bei Selbständigkeit Steuern an. Jedes Unternehmen benötigt eine Steuernummer für die steuerliche Erfassung beim Finanzamt. Die zu zahlenden Steuern hängen unter anderem von der jeweils gewählten Rechtsform des Unternehmens ab.

Einzelunternehmen und Personengesellschaften müssen

  • Einkommensteuer (ggf. inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer),
  • Gewerbesteuer und
  • Umsatzsteuer zahlen.

Kapitelgesellschaften müssen

  • Gewerbesteuer,
  • Kapitalertragsteuer
  • und die Umsatzsteuer abführen.

Selbstständigkeit: Welche Versicherung muss abgeschlossen werden?

Wichtige Versicherungen, die bei der Existenzgründung abgeschlossen werden sollten, betreffen sowohl den privaten als auch den betrieblichen Bereich. Zu den wichtigen Versicherungen gehören die

  • Krankenversicherung (privat oder freiwillig gesetzlich),
  • Berufsunfähigkeitsversicherung,
  • Rentenversicherung,
  • Arbeitslosenversicherung und
  • Gewerbeversicherungen (Haftpflicht– und Betriebsversicherungen).

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Über den Autor

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Theodora B.

Theodora studierte Germanistik und Romanistik an der Universität Freiburg. Dort arbeitete sie nach ihrem Abschluss zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem Forschungsverbund der Universitäten Freiburg und Moskau. Seit 2023 unterstützt sie das Redaktionsteam von betriebsausgabe.de als Volontärin.