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Krisenmanagement: So managen Sie Ihr Unternehmen durch Krisen

Von Lars E.

Letzte Aktualisierung am: 4. Dezember 2023

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

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Krisenmanagement: So managen Sie Ihr Unternehmen durch Krisen
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Unternehmenskrisen bewältigen

Wer als Unternehmer erfolgreich agiert und gutes Geld verdient, sollte dabei nicht außer Acht lassen, dass unerwartete, mitunter externe Faktoren das ganze Geschäftsmodell in kürzester Zeit ins Wanken bringen können. Kein Unternehmen ist vor Krisen sicher. Früher oder später steht jede Branche vor großen Herausforderungen und einzelne Marktteilnehmer werden in ihrer Existenz gefährdet. Doch mit einem vorausschauenden Krisenmanagement wird der Fortbestand der Geschäfte gesichert.

1. Faktoren, die zu einer Gefahr werden können

Ein klassischer und derzeit bedeutender Faktor ist sicherlich das Zinsniveau, deren Entwicklung nicht nur Unternehmen des produzierenden Gewerbes interessiert, sondern auch jene Unternehmen mit internationalen Investments, die Währungsschwankungen in ihren Bilanzen berücksichtigen müssen. Besonders sensibel auf die Zinspolitik der Zentralbanken reagieren Unternehmen mit hohem Fremdkapital, die ihre Erträge über Kredite hebeln.

Doch wir müssen nicht nur von Großunternehmen ausgehen, auch Solo-Freiberufler und Kleinunternehmer sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind anfällig für Unternehmenskrisen:

Die Corona-Pandemie hat deutlich und spürbar gezeigt, welch große Auswirkungen der plötzliche Ausfall von Kunden, Produktionsausfälle sowie Störungen in Lieferketten auf die Wirtschaft haben können. Ohne staatliche Hilfen und strenge Liquiditätsplanungen hätte viele Unternehmen diese jüngste Krise nicht überlebt.

Wir wollen Ihnen in den folgenden Absätzen ein paar grundsätzliche Tipps geben und Anregungen schaffen, um Ihr Unternehmen durch seichtes Fahrwasser erfolgreich zu manövrieren.

2. Was ist überhaupt eine Unternehmenskrise?

In Anlehnung an die durch den Bundesgerichtshof forcierte Rechtsprechung, wonach insbesondere ein problematischer Eigenkapitalersatz bei Kapitalgesellschaften wie der GmbH in Verbindung gesetzt wird mit der Kreditwürdigkeit, wird von einer Unternehmenskrise gesprochen, wenn ein unabhängiger Dritter nicht mehr bereit ist, dem Unternehmen einen Kredit zu marktüblichen Bedingungen zu gewähren – und daraufhin eine Liquidation aufgrund fehlender Kapitalzufuhr folgen würde.

Nun sind juristische wie auch betriebswirtschaftliche Faktoren nicht zwingend einheitlich, denn es gibt vielfältige Gründe für eine Unternehmenskrise:

  • Schlechte Zahlungsmoral der Kunden
  • Mangelhafte Geschäftsführung
  • Wegbrechender Absatzmarkt
  • Zu geringes Eigenkapital
  • Zu hohe Schuldenlast
  • Zu geringe Gewinnmarge
  • Fehlende Innovationskraft
  • Gesetzesänderungen und neue Rahmenbedingungen des Marktes 

Wir möchten an dieser Stelle aber nicht an den Ursachen klempnern, sondern konkrete Handlungsempfehlungen für Betroffene geben.

3. Alarmsignale frühzeitig erkennen

Zu Beginn steht immer eine umfassende, mitunter harte Analyse der Krisenursachen. Hier sollten Sie ehrlich sein und nicht allein externe Faktoren verantwortlich machen, sondern auch das Management sowie die Ausrichtung des Unternehmens hinterfragen. Oftmals ist es eine Kombination aus vielen verschiedenen Aspekten, die letztendlich zu einem kritischen Stadium führt.

3.1. Kommunikation mit dem Team

Die beste Antwort auf eine Krise können Manager und Geschäftsführer finden, wenn sie frühzeitig Schwierigkeiten und Risikofelder innerhalb des Betriebs erkennen. Um dies zu erreichen, müssen Sie zum einen in engem Austausch mit Ihren Mitarbeitern auf allen Unternehmensebenen sein und ihren Sorgen und Verbesserungsideen genau zu hören. Regelmäßige Kommunikation auf Augenhöhe ist dafür unerlässlich.

3.2. Moderne Tools und ständige Anpassung an den Zeitgeist

Wer sich gerade mit jungen Mitarbeitern, Partnern und Kunden austauscht, wird schnell ein Gespür für die Anforderungen der Zeit entwickeln. Die schlechteste Antwort auf neue Rahmenbedingungen und Kundenerwartungen ist der altbekannte Spruch: „Das haben wir schon immer so gemacht – und dabei bleiben wir auch!“

Geschäftsberichte und Daten sind unerlässlich für eine zuverlässige Liquiditätsplanung.

In unserer schnelllebigen Welt müssen Unternehmen dynamisch und flexibel auf Kundenwünsche und Marktsituationen reagieren können, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Hierzu gehör auch der Einsatz moderner Arbeitsmethoden, etwa agile Prozesse, sowie leistungsstarker Software, wie etwa CRM Tools. Ebenfalls wichtig ist der Zugriff auf Daten und detaillierte Geschäftsberichte.

Wer über Daten und Informationen verfügt und seine Strategien datengetrieben entwickelt, kann Probleme schneller und genauer voraussehen. Grundvoraussetzung hierfür sind ständiges Tracking und Analysen der Unternehmenskennzahlen.

Ein professionelles Tool für den Liquiditätsplan kann zudem alle zu erwartenden Zahlungseingänge und -Ausgänge erfassen und Prognosen liefern. Damit werden finanzielle Schwierigkeiten schon erkannt, bevor sie auftreten und das Management kann entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten.

4. Was tun bei einer Unternehmenskrise?

Trifft die Krise dann noch ein, ist schnelles Handeln gefragt. Diese Maßnahmen empfehlen wir Ihnen, um aus der Situation noch das Beste zu machen:

Option 1: Einnahmensituation verbessern, Kosten verringern

Hinterfragen Sie Ihre Position und analysieren Sie das Geschäft des letzten Jahres:

  • Haben Sie die richtige Zielgruppe definiert?
  • Wie ist das Image Ihres Unternehmens?
  • Reicht die Marge, um wirtschaftlich arbeiten zu können?
  • Wie hoch ist das Werbebudget und wie sinnvoll ist dieses überhaupt eingesetzt?
  • Welche Ausgaben können gekürzt werden, ohne den Betrieb empfindlich zu stören?

Schauen Sie sich an, wie rentabel einzelne Bereiche des Unternehmens sind. Finanzieren Sie gar defizitäre Bereiche und unausgereifte Ideen quer? Was macht Ihr Kerngeschäft aus? Hier sollten Sie klar trennen und überlegen, was am vielversprechendsten für die Zukunft des Unternehmens ist. Wo ist noch Entwicklungspotential? Welche Stärken können Sie dabei geltend machen?

Zuletzt geht es darum, radikal Kosten zu kürzen. Das kann wehtun, doch Sie müssen objektiv und ohne Emotionen an die Sache rangehen. Im Mittelpunkt steht nur Ihr Unternehmen! Schauen Sie also genau hin und handeln Sie mit klaren Zielen:

Oftmals gibt es veraltete Strukturen, überteuerte Lieferantenpreise oder ein Nebeneinander verschiedener Systeme, die an der Effizienz kratzen. Überlegen Sie sich auch, was Ihre Konkurrenz besser macht und aus welchen Beweggründen Ihr Unternehmen bei neuen Projekten oder Aufträgen nicht zum Zuge kommt. Manchmal ist es schlichtweg nur der Preis, oftmals ist aber eine falsche Zielgruppenansprache oder mangelnde Akquise die Ursache für ein wegbrechendes Geschäft.

TIPP: Ein proaktives Vorgehen, unterstützt durch eine versierte Audit- oder Werbeagentur, kann jetzt sinnvoll investiertes Geld darstellen!

Option 2: Rigider Aufbau eines funktionierenden Forderungsmanagements

Nicht selten lassen Unternehmer die Eintreibung offener Forderungen schleifen, was sich natürlich nachteilig auf den Cash Flow auswirkt und das Unternehmen in brenzlige Situationen bringen kann. Voraussetzung für ein funktionierendes Forderungsmanagement ist eine ganzheitliche Debitorenbuchhaltung sowie ein klar abgetrenntes Mahnwesen.

TIPP: Machen Sie sich eine Liste über offene Posten, dazu Angaben wie Rechnungsbetrag, Rechnungsdatum, Zahlungsfrist sowie ein Kommentarfeld zur bisherigen Zahlungsmoral. Wichtigen Kunden, die sonst immer pünktlich bezahlt haben, können Sie so entgegenkommen – eher säumigen Kunden müssen Sie klar machen, dass ab sofort Verzugszinsen sowie weitere Maßnahmen in Kraft treten.

Empfehlenswert ist es bei größeren Ausständen in jedem Fall, mit säumigen Kunden eine Reihe von Abschlagszahlungen zu vereinbaren. Etwa so, dass bei fortlaufender Beauftragung sich zumindest des bisherige Schuldsaldo nicht erhöht. Dasselbe gilt bei Auftragsvergabe, indem weitere Abschläge an bestimmte Termine oder Erfolge geknüpft werden. So stellen Sie einen stetigen Zahlungsfluss sicher, der dafür sorgt, dass zu fixen Zeitpunkten (meist 1. oder 15. des Monats) eine ausreichende Liquidität herrscht.

Option 3: Kontakt mit der Bank aufnehmen

Viele Banken sind gewillt, weiteres Kapital in Unternehmen mit einer kurzweiligen Krise zu investieren, wenn der Eigentümer seinerseits bereit ist, Eigenkapital einzuschießen. Dies wird als Vertrauensbeweis entsprechend positiv bewertet. Oftmals entstehen Unternehmenskrisen auch dadurch, weil Kontokorrentkreditlinien ausgeschöpft werden und damit kurzfristig fällige Verbindlichkeiten steigen. Sprechen Sie mit Ihrer Bank und bitten Sie um eine Umwandlung in ein langfristiges Darlehen.

Option 4: Stundung beim Finanzamt beantragen

Unter bestimmten Voraussetzungen ist es den Finanzämtern möglich, Stundungen sowie Ratenzahlungen zu gewähren. Oftmals genügt aber auch schon ein längeres Zahlungsziel, um derartige Belastungen gleichmäßiger zu verteilen.

Ein methodisches Vorgehen mit Ihrem Steuerberater empfiehlt sich in jedem Fall, denn dazu sind aktuelle Zahlen als Beleg der „Kreditwürdigkeit“ notwendig. Positiv wirkt sich eine ansonsten stets fristgemäße Steuerzahlung aus.

Option 5: Liquiditätshilfedarlehen einer Förderbank beantragen

Viele landeseigene Förderbanken sowie die bundeseigene KfW-Bankengruppe kommen mitunter für sog. Liquiditätshilfedarlehen infrage. Oftmals wird dies durch die Hausbank initiiert, es kämen aber auch andere Kreditprogramme infrage. Sehen Sie sich dazu auf den Seiten der jeweiligen Banken um und rechnen Sie mit entsprechenden Bearbeitungszeiten. Hier empfiehlt sich ein proaktives Vorgehen. Der erste Blick sollte sich aber auf die staatlichen Hilfsprogramme richtigen. Die KfW beispielsweise bietet derzeit einen Förderkredit für kleine und mittelständische Unternehmen sowie Freiberufler.

Option 6: Dienste eines Unternehmensberaters in Anspruch nehmen

Vor allem familiengeführte Unternehmen haben oftmals bestimmte Strukturen, die bei saisonalen Schwankungen nicht flexibel genug angepasst werden können. Derartige strukturelle Probleme lassen sich mittel- bis langfristig lösen, erfordern aber meist externe Expertise.

Die Hinzuziehung eines versierten Unternehmensberaters, der Know-how in Ihrer Branche nachweisen kann, lohnt sich in diesen Fällen oftmals. Solche externe Berater haben einen nüchternen und neuen Blick auf die Problemfelder und entwickeln gemeinsam mit Ihnen sinnvolle Strategien. Eventuell kann der Kontakt zu einem guten Analysten und Businessentwickler über Ihren Steuerberater hergestellt werden, Fragen kostet in dem Fall nichts!

Bildnachweise: © Kawee - stock.adobe.com, © DOC RABE Media - stock.adobe.com

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Über den Autor

Autor
Lars E.

Lars schloss 2015 sein Studium in Betriebswirtschaftslehre ab. Anschließend absolvierte er ein Volontariat in einer kleinen Kölner Redaktion. Seit 2017 ist er fester Bestandteil des Redaktionsteams von betriebsausgabe.de. Hier kann er sein fachliches Wissen mit dem Anspruch, verständliche Texte rund ums Steuerrecht zu schreiben, miteinander kombinieren.

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