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Liquidität

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 7. Juli 2017

Liquidität – Was ist das?

Im betriebswirtschaftlichen Sinne ist unter dem Begriff „Liquidität“ die Fähigkeit eines Unternehmens zu verstehen, sämtliche Verbindlichkeiten zu jeder Zeit vollständig begleichen zu können. Es ist also liquide genug, um den Geschäftsbetrieb weiter aufrecht zu erhalten. Ist ein Unternehmen hingegen nicht in der Lage Verbindlichkeiten zu begleichen, so kommt dies einer Zahlungsunfähigkeit gleich, welche im schlimmsten Fall eine Insolvenz zur Folge hat. Wichtige Kennzahlen um die Liquidität eines Unternehmens einschätzen zu können, finden sich in der Bilanz. Dort müssen nicht nur Kassenbestand und Bankguthaben ausgewiesen werden, sondern auch Verbindlichkeiten. Gemäß den Regelungen des Handelsgesetzbuches (HGB) sind darüber hinaus Verbindlichkeiten mit einer Restlaufzeit von weniger als zwölf Monaten gesondert auszuweisen (vgl. § 268 Abs. 5 Satz 1 HGB) und solche mit einer Restlaufzeit von mehr als fünf Jahren im Anhang näher zu erläutern.

Liquidität, Unternehmenswachstum, flüssig sein

Liquidität ist für ein fortschreitendes Unternehmenswachstum unabdingbar: nmann77 – Fotolia.com

Für Freiberufler und Einzelunternehmer ist die Einschätzung der individuellen Liquidität relativ simpel. Größere Unternehmen sind hingegen gut beraten, eine sorgfältige Liquiditätsplanung vorzunehmen, sodass sämtliche Geschäftsvorfälle und deren Auswirkung auf die Liquiditätslage stets im Blick behalten werden können.

 

Was ist statische Liquidität?

Unter statischer Liquidität ist die grundsätzliche Fähigkeit eines Unternehmens zu verstehen, allen Verpflichtungen nachzukommen. Um diese Fähigkeit zu quantifizieren, werden Liquiditätsgrade berechnet, die als wichtige betriebswirtschaftliche Kennziffern fungieren und der Beurteilung der Liquiditätslage eines Unternehmens dienen. Grundsätzlich werden drei Liquiditätsgrade unterschieden, die nachfolgend erläutert werden:

  • Liquidität ersten Grades: Das sogenannte Cash Ratio gibt das Verhältnis von liquiden Mitteln zu kurzfristigen Verbindlichkeiten an. Mit Hilfe dieser Kennziffer kann analysiert werden, ob ein Unternehmen seine aktuellen/kurzfristigen Verbindlichkeiten allein durch vorhandene liquide Mittel begleiten kann. Noch offene Forderungen werden dabei nicht berücksichtigt. Die Berechnung der Kennziffer folgt dieser Formel: Liquide Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten = Cash Ratio.
  • Liquidität zweiten Grades: Das sogenannte Quick Ratio gibt das Verhältnis von sämtlichem Geldvermögen zuzüglich kurzfristiger Forderungen zu kurzfristigen Verbindlichkeiten an und berücksichtigt anders als beim Cash Ratio auch offene Forderungen. Die Berechnung des Quick Ratios folgt dieser Formel: (Geldvermögen + Wertpapiere + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten = Quick Ratio. Liegt der Wert unter „1“, so droht ein Liquiditätsengpass.
  • Liquidität dritten Grades: Das sogenannte Current Ratio gibt das Verhältnis von Umlaufvermögen zu kurzfristigen Verbindlichkeiten an. Die Berechnung erfolgt mit Hilfe folgender Formel: Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten = Current Ratio. Liegt der Wert des Current Ratio unter „1“, so können kurzfristige Verbindlichkeiten nicht allein durch das Umlaufvermögen bedient werden. Gegebenenfalls ist ein Verkauf von Anlagevermögen notwendig. Das Current Ratio ist insbesondere bei der Kreditvergabe von großer Bedeutung. Beispielsweise erwarten zahlreiche Banken in den USA bei der Gewährung eines Kredites, dass das Current Ratio größer „2“ ist, dieser Umstand ist auch unter dem Begriff „bankers rule“ bekannt.

 

Was bedeutet Liquidität in der VWL?

Im volkswirtschaftlichen Sinne geht es vordergründig um die Bewertung, wie schnell ein Unternehmen/Subjekt in der Lage ist, seine Vermögensgegenstände bei Bedarf zu liquidieren, also in Geld umzuwandeln. Dabei werden auch Kosten beachtet, die im Rahmen der Liquidation anfallen können. Anders als bei den betriebswirtschaftlichen Liquiditätsgraden werden im Sinne der VWL auch langfristige Geldanlagen berücksichtigt.

Darüber hinaus ist unter Liquidität auch die grundsätzlich vorhandene Geldmenge einer Volkswirtschaft zu verstehen, die von der Konjunktur, der Geldumlaufgeschwindigkeit und der Zentralbankpolitik beeinflusst ist. Die Geldmenge ist ein wichtiger Parameter in volkswirtschaftlichen Modellen, wie beispielsweise dem IS-LM-Modell.

Weiterhin ist Marktliquidität ein weiterer wichtiger Parameter. So ist unter der Liquidität eines Marktes das Ausmaß zu verstehen, in dem Güter zu jeder Zeit gehandelt werden können, ohne dass durch die Transaktion selbst die herrschenden Marktpreise spürbar beeinflusst werden. Ein klassisches Beispiel ist etwa der Aktien- oder Anleihemarkt. Bis zu einem gewissen Grad können diese modellhaften volkswirtschaftlichen Annahmen auch auf die Realität übertragen werden.

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