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Privat versichert oder doch lieber in die gesetzliche Krankenversicherung?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 19. November 2018

Krankenversicherung GKV oder PKV - Vorteile und Nachteile im Vergleich

Wer als Freiberufler, Selbständiger oder Unternehmer erfolgreich sein möchte, darf nicht ausschließlich auf betriebliche Belange schielen. Schließlich gilt es ein höheres Risiko abzudecken, was insofern durch ein höheres Einkommen im Vergleich zu Angestellten gewährleistet ist, eine umfassende private oder gesetzliche Rentenvorsorge sowie eine Krankenversicherung, die auch im Alter tragbar ist. In den Medien wurden in den letzten Jahren vielfach einst erfolgreiche Selbständige porträtiert, die nun nicht mehr in der Lage sind, die Beiträge für die Krankenversicherung zu stemmen.

Was ist da dran? Für wen rechnet sich der Wechsel in die private Krankenversicherung (PKV)? Wir geben Ihnen ein paar grundlegende Informationen sowie Empfehlungen, um diese folgenschwere Entscheidung auf haltbaren Fakten fußen zu lassen.

Welche Vorteile bietet die PKV für Selbständige?

Eines vorweg: Private Krankenversicherungen sind nicht automatisch besser als das gesetzliche Krankenversicherungssystem. Es handelt sich hierbei um privatwirtschaftliche Verträge, die sich durch ein hohes Maß an Wahlleistungen auszeichnen. Das bedeutet, versichert ist auch nur das, was so im Vertrag steht. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hingegen dient das Sozialgesetzbuch als Grundlage für Leistungen, was insofern positiv ist, da Kürzungen durch die Politik nicht einfach ohne weiteres vorgenommen werden können (Stichwort: Wahlvolk).

Wer sich privat versichern möchte, wählt grundsätzlich einen Kompromiss – „Alles“ ist nie Teil des Vertrages und auch grundsätzlich nicht versicherbar. Zudem gibt es verschiedene Tarife, die nach einigen Jahren nicht mehr vertrieben werden, weil sich z. B. die Kosten geändert haben und die Versicherungskonzerne Versicherungsnehmer aufweisen, die tendenziell immer älter werden. Ein über Jahre oder Jahrzehnte günstiger Krankenversicherungsvertrag kann somit sprunghaft ab einem gewissen Durchschnittsalter ansteigen, was die vielfach berichteten Beitragssteigerungen erklärt. Auch Altersrückstellungen, die in den Tarifen gebildet werden, können nicht mit Sicherheit garantieren, dass nicht doch höhere Beiträge im Alter zu stemmen sind.

PKV oder GKV – Beide haben Vor- und Nachteile, die Selbständige berücksichtigen müssen.

Anders als bei freiwilligen Versicherten, wie die GKV all jene Selbstständigen und Freiberufler bezeichnet, die nicht pflichtversichert sind, orientiert sich der Beitrag für die PKV grundsätzlich an den vereinbarten Leistungen. Es ist also nicht möglich, bei sinkenden Einnahmen auf einen in Relation günstigeren Beitrag zu setzen, wie das in Teilen bei der GKV möglich ist. Zudem lassen sich Leistungsverbesserungen oder neue Einschlüsse, etwa aufgrund des medizinischen Fortschritts, nur nach nochmaliger Gesundheitsprüfung umsetzen. Das Risiko ist damit groß, dass viele Tarife in einigen Jahrzehnten gar nicht mehr das abdecken, was medizinisch sinnvoll ist – und dennoch einen hohen Beitrag erfordern, der damit nicht mehr ganz in Relation zum Leistungsanspruch steht.

Als Selbständiger freiwillig in die GKV? Das sind die Vorteile im gesetzlichen Solidarsystem

Über 72 Millionen Mitglieder verteilen sich auf die verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen, dem gegenüber stehen lediglich 9 Millionen Privatversicherte. Erhebungen deuten darauf hin, dass die Wartezeiten bei GKV-Versicherten insbesondere bei Fachärzten mitunter deutlich länger sind. Warum sollte man in der Selbstständigkeit also freiwillig in der GKV Mitglied werden?

Die Finanzierung der GKV geschieht mittels des Umlageverfahrens, realisiert durch einen prozentualen Beitragssatz, der bis zu einem Höchsteinkommen von Ihrem individuellen Einkommen berechnet wird. Ab dem Kalenderjahr 2019 gilt hier ein wesentlich geringerer Mindestsatz, den die Krankenkassen trotz ggfs. geringerem Einkommen ansetzen dürfen, um einen Mindestbeitrag für die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung zu errechnen. Der Beitrag ist also sowohl nach unten, als auch nach oben gedeckelt (siehe hier die aktuelle Beitragsberechnung für freiwillig Versicherte). Selbständige, die im Alter deutlich geringere Einnahmen generieren, können sich somit dennoch zu verträglichen Beiträgen freiwillig gesetzlich versichern.

Leistungen in der GKV ergeben sich aus dem Sozialgesetzbuch V (SGB V), sie gelten unabhängig vom Alter oder einer Vorerkrankung für alle Versicherten. Leistungskürzungen oder aber neue Leistungseinschlüsse können ausschließlich durch das Gesetzgebungsverfahren umgesetzt werden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Leistungskürzungen vor allem dann eintreten, wenn der medizinische Nutzen geringer ist als das Risiko, das mit dem Eingriff einhergeht. Dies ist auch ein Grund dafür, weshalb beispielsweise viele ehemalige GKV-Leistungen mittlerweile durch eine Reihe von Zusatzkrankenversicherungen für GKV-Versicherte abgedeckt werden. Es wäre daher sinnvoll, diese Art von „Wahlleistungen“ gesondert zu betrachten und am Ende zu überlegen, ob PKV oder GKV nun die passende Alternative darstellt.

Wichtige Handlungsempfehlungen und Denkansätze für freiwillig Versicherte

  • Insbesondere Existenzgründer spielen mit dem Gedanken, die hohen GKV-Beiträge zugunsten der anfänglich geringeren PKV-Beiträge einzutauschen. Hier muss allerdings bedacht werden, dass in der PKV keine Familienversicherung besteht – Für Kinder müssen damit separat eigene PKV-Verträge abgeschlossen werden, das gilt auch für den als Hausmann/Hausfrau agierenden (evtl. erwerbslosen) Partner im Haushalt. Somit werden Beitragseinsparungen schnell durch weitere Beiträge für Familienmitglieder kompensiert, zugleich steigt das Beitragsrisiko aufgrund weiterer Tarife.
  • Je jünger man ist und je gesünder, desto eher empfiehlt sich eine private Krankenversicherung. Aufgrund der mit Sicherheit steigenden Beiträge im Alter sowie dem Wegfall von Beitragsgrenzen, auch in Bezug auf die fehlenden Bezugsgrößen bei der Beitragsberechnung, sollten jedoch nur überdurchschnittlich gut verdienende Selbständige, mit sicherem Background, eine PKV in Erwägung ziehen. Zum einen müssen Arztleistungen zuerst vorgeschossen und dann durch die PKV erstattet werden, zum anderen ist der Pool der Versicherten, die einen Tarif abbilden, mit jedem Jahr älter und damit potenziell risikoreicher.
  • Die Option besteht, dass PKV-Versicherte in den sogenannten Basistarif wechseln und damit die Leistungen erhalten, die gesetzlich Krankenversicherte ebenso in Anspruch nehmen können. Der Beitrag hierfür errechnet sich jedoch anhand der Beitragsbemessungsgrenze, was bedeutet, dass stets der höchste Beitrag zu zahlen ist. Und das unabhängig vom tatsächlichen Einkommen.
  • Einmal in die PKV gewechselt, ist es in der Folge schwierig bzw. ab einem gewissen Alter nahezu unmöglich wieder auszutreten und wieder in das gesetzliche GKV-System zu gelangen. Der Schritt hat also vielfältige Folgen und kann nicht einfach revidiert werden, wenn man selbst nicht in der Lage ist, die steigenden Beiträge zu finanzieren. Da es auch seit einigen Jahren eine Krankenversicherungspflicht gibt, ist „einfach nicht zahlen“ auch keine Option, denn auch bei Nicht-Inanspruchnahme von Leistungen türmen sich so weiter Beitragsschulden auf.

GKV PKV Beiträge im Vergleich. Was lohnt sich für Selbstständige und Existenzgründer mehr?Ein Tipp zum Schluss: Vergleichen Sie sorgfältig und berücksichtigen Sie stets Ihre individuelle Lebensplanung. Vor allem chronische Erkrankungen, fehlende Rücklagen, erwerbslose Partner und Kinder stellen ein wesentliches Beitragsrisiko dar. Der zeitweilige Vorteil durch deutlich geringere Beiträge kann hierdurch schnell aufgezerrt sein, zudem droht im Alter oder bei Wegfall der guten Einkommenssituation das Risiko nicht finanzierbarer Beiträge.



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