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Übersicht über die Zinspolitik der EZB seit 1999

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 7. Februar 2017

Am 7. Mai hat die Europäische Zentralbank eine neuerliche Zinssenkung beschlossen, die heute in Kraft tritt. In diesem Artikel kommentieren wir nicht die Zinspolitik der EZB selbst, denn das hat die Presse schon ausgiebig getan.

Wir geben heute einen Überblick über die bisherige gesamte Zinspolitik der EZB seit Einführung des Euro zum 1. Januar 1999. Die Übersicht steht in dieser Form seit dem 8. Mai auf allen BWL-CDs im Excel-Ordner in quelloffener Form und natürlich in meinem Lexikon für Rechnungswesen und Controlling (ab Version 13.23) und in der Formelsammlung der BWL auch allgemein öffentlich zur Verfügung:

Dabei fällt auf, daß bisher zwei Hochzinsphasen aufeinander folgten, die erste ca. 2000 bis 2003, die zweite seit ca. 2006. Seit Ende 2008 stürzt der Leitzins der Euro-Zone aber auf immer neue historische Tiefstände:

Datum Deposit
Facility
Main
Refinancing
Marginal
Lending
01.01.1999
04.01.1999
22.01.1999
09.04.1999
05.11.1999
04.02.2000
17.03.2000
28.04.2000
09.06.2000
01.09.2000
06.10.2000
11.05.2001
31.08.2001
18.09.2001
09.11.2001
06.12.2002
07.03.2003
06.06.2003
01.12.2005
02.03.2006
15.06.2006
09.08.2006
11.10.2006
13.12.2006
14.03.2007
13.06.2007
09.07.2008
15.10.2008
12.11.2008
10.12.2008
21.01.2009
11.03.2009
08.04.2009
13.04.2009
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Mit einer kleinen Grafik kann der bisherige Verlauf der Zinspolitik anschaulich gemacht werden:

Zinsgrafik

Interessant ist derzeit, wie die Geldpolitik der EZB in der nahen Zukunft weitergehen wird. Eine weitere Zinssenkung verpufft möglicherweise wirkungslos, denn viel Spielraum nach unten gibt es ja nicht mehr.

Eine Möglichkeit ist eine “quantitative Lockerung”, d.h. neues Geld zu drucken. Das würde möglicherweise in der gegenwärtigen Krise eine kurzfristige Erleichterung schaffen, aber langfristig insbesondere durch Akzeleratoreffekte die Inflationsgefahr erhöhen. Eine andere Möglichkeit wäre der Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB. Die Zentralbank für auf diese Weise indirekt die Euro-Mitgliedsstaaten finanzieren. Das entlastet die Haushalte, weckt aber künftige Begehrlichkeiten – die langfristig die Unabhängigkeit der EZB gefährden könnten.

Insgesamt scheint die EZB mit ihren geldpolitischen Mitteln am Ende zu sein. Die gegenwärtige Krise kann mit zins- und mengenpolitischen Mitteln nicht mehr beherrscht werden. Es wären ganz andere Akteure gefragt, die die Märkte deregulieren und entideologisieren, doch davon ist gegenwärtig nichts zu spüren: im Gegenteil scheint der Trend zu noch mehr Reglementierung zu gehen. Kein gutes Rezept für die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Quelle: http://www.ecb.int


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