≡ Menu
Wiki »

Liquiditätsplanung

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 7. Juli 2017

Liquiditätsplanung – Was ist das?

Die Liquiditätsplanung ist ein wichtiger Bestandteil der Finanzplanung eines Unternehmens. Grundsätzlich ist unter dem Begriff Liquiditätsplanung (engl.: cash forecast) schlicht die praktische Umsetzung von Maßnahmen zu verstehen, die in einem Liquiditätsplan festgehalten werden. Dieser wird nach individuellem Bedarf für eine bestimmte Planungsperiode aufgestellt und enthält sämtliche Einnahmen und Ausgaben samt ihrer Höhe, dem Datum ihrer Erfolgswirksamkeit/Verbuchung und je nach Bedarf auch weitere Elemente der Finanzplanung, wie Investitions- und Kapitalbedarfspläne.

Liquiditätsplanung, Liquide bleiben, Finanzplanung

Die Liquiditätsplanung beinhaltet Szenarien und Planspiele um die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens zu erhalten und zu steuern: Gina Sanders – Fotolia.com

Zwar kann der Zeitraum eines Liquiditätsplanes individuell festgelegt werden, in der Unternehmenspraxis entspricht dieser jedoch schon aus rein praktischen Gründen meist dem Zeitraum eines Geschäftsjahres. So können wichtige Dinge, wie beispielsweise der Abschlussstichtag oder die Erstellung von Quartalsberichten stets berücksichtigt werden. Oft dient ein solcher Plan auch der Vorbereitung einer Bilanz, indem mit Hilfe operativer Maßnahmen versucht wird, die Bilanzierung unter Berücksichtigung der jeweils gültigen Gesetze, zu optimieren. Insbesondere die Bewertung von Eintrittswahrscheinlichkeiten bestimmter Ereignisse spielen sowohl für die Liquiditätsplanung, als auch für die Bilanzierung eine wichtige Rolle. So können mit Hilfe eines Liquiditätsplanes frühzeitig Risiken entdeckt, diesen nach Möglichkeit begegnet werden, oder diese gesetzeskonform bilanziell zu würdigen sein.

 

Welches Ziel verfolgt die Liquiditätsplanung?

Mit Hilfe eines Liquiditätsplanes verschaffen sich Unternehmen einen stetigen Überblick über ihre aktuelle Finanzlage und Liquidität. Oberstes Ziel ist also, dass die Liquidität eines Unternehmens jederzeit sichergestellt werden kann. In der Praxis bedeutet dies, dass ein Unternehmen jederzeit in der Lage ist, seine Verbindlichkeiten zu erfüllen und geplante Einkäufe und Investitionen in vollem Umfang durchführen zu können. Existieren etwa unternehmerische Risiken, die die Erreichung dieses Ziels in Frage stellen, so können frühzeitig und/oder präventiv Maßnahmen ergriffen oder geplant werden, wie bei deren Eintritt zu verfahren ist, um die Zahlungsfähigkeit stets zu gewährleisten. Würde aus einer kurzfristigen Zahlungsunfähigkeit eine längerfristige, so würde dies ansonsten im schlimmsten Fall zu einer Insolvenz führen, die es im Sinne des Fortführungsgedankens eines Unternehmens unbedingt zu vermeiden gilt.

 

Welche Vorteile bietet die Liquiditätsplanung

Bei fachgerechter Umsetzung verspricht eine Liquiditätsplanung im Rahmen einer ganzheitlichen Finanzplanung zahlreiche Vorteile. Zu diesen gehören unter anderem:

  • Stetige detaillierte Übersicht über liquide Mittel und deren optimale Verwendung
  • Verzicht auf die Leistungen externer Kapitalgeber (etwa Kredite von Banken)
  • Optimierung von Liquiditätsreserven und Reduzierung von Kapitalverkehrskosten
  • Berücksichtigung von Währungsrisiken
  • Minimierung des Insolvenzrisikos und damit auch verbesserte Kreditratings

Je nach Unternehmen und Branche, sind weitere vorteilhafte Effekte möglich. Den zahlreichen Vorteilen stehen wie üblich jedoch auch Nachteile gegenüber, die jedoch keinesfalls allgemeingültig sind, sondern ebenso wie die Vorteile einzelfallabhängig sind. Typische Nachteile, die in der Fachliteratur erwähnt werden sind:

  • Grundsätzliche Kosten (Personalkosten, Betriebskosten, Ressourcenbeanspruchung)
  • Steigender Verwaltungsaufwand für nicht mit dem Finanzwesen verbundenen Organisationseinheiten
  • Generelle Gefahren eines unprofessionellen Cash Managements

Zwar können im Einzelfall nachteilige Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden, grundsätzlich ist die Liquiditätsplanung ein sinnvolles Instrument, auf das auch kleine Unternehmen oder Einzelunternehmer, die nicht in eine eigene Organisationseinheit investieren können, nicht verzichten sollten. So kann beispielsweise der Geschäftsführer einer kleinen GmbH mit Hilfe eines Steuerberaters eigene Liquiditätspläne erstellen und stetig an der Optimierung des eigenen Unternehmens mitwirken. Ein einfaches aber wirksames Beispiel ist die regelmäßige Prüfung der von der Hausbank verlangten Gebühren für den Zahlungsverkehr oder die Inanspruchnahme kurzfristiger Kredite und deren Vergleich mit jenen konkurrierender Geldhäuser. Häufig lassen sich so mit wenig Aufwand Kosten reduzieren. Darüber hinaus sind mittlerweile mehrere Softwarelösungen verfügbar, die als Cash-Management-System konzipiert sind und die Liquiditäts- und Finanzplanung softwaregestützt ermöglichen. Häufig bieten die Softwarehersteller in Kooperation weitere Finanzdienstleistungen, wie etwa das Netting oder Cash-Pooling an.

 

Welche Bedeutung hat ein Liquiditätsplan?

Wie bedeutend ein Liquiditätsplan für ein Unternehmen ist, ergibt sich meist durch dessen Größe. Als Faustregel gilt gemeinhin: Je größer ein Unternehmen, desto sorgfältiger und umfangreicher sollte die Liquiditätsplanung gestaltet sein. Darüber hinaus ist ein Liquiditätsplan insbesondere im Bankensektor von Bedeutung, da Banken durch die EU-weit geltende Liquiditätsverordnung (LiqV) eine stetige Zahlungsfähigkeit nachweisen müssen. Entsprechend den Regelungen der LiqV ist eine Bank ausreichend liquide, wenn die jeweils zu ermittelnde Liquiditätskennzahl „1“ nicht unterschreitet. In den Nachrichten ist die Überprüfung dieser speziellen Liquiditätskennzahlen von Banken häufig als „Stresstest“ benannt worden. Dies liegt an den Liquiditätsanforderungen die es zu erfüllen gilt, auch wenn es zu unvorhergesehenen Ereignissen kommt.

 

Was ist ein Liquiditätsrisiko oder Refinanzierungsrisiko?

In Verbindung mit der Liquiditätsplanung ist auch das Liquiditäts- oder Refinanzierungsrisiko ein wichtiger Begriff. Konkret ist damit das Risiko gemeint, dass benötigte Gelder zur Begleichung offener Forderungen nicht oder nur zu erhöhten Kosten beschafft werden können. Ein typisches Beispiel ist etwa die Gewährung eines Kredites zu einem Zinssatz, der stark von den bisher gewährten Zinssätzen abweicht. Entsprechend gehört es auch zu den Instrumenten der Liquiditätsplanung geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um den Eintritt eines solchen Risikos weitestgehend zu vermeiden.

 

Was sind konkrete Maßnahmen zur Liquiditätsplanung?

Die Liquiditätsplanung ist insbesondere im Englischen auch unter dem Begriff „Cash Management“ bekannt. In vielen größeren Unternehmen ist das Cash Management eine eigene Organisationseinheit, die im Finanzbereich angesiedelt ist. Grundsätzlich können im Cash Management vier Aufgabenbereiche identifiziert werden, die sich wie folgt beschreiben lassen:

 

 

Aufgaben

 

Erklärung

 

Liquiditätsplanung

 

Wie zuvor erklärt, die Aufstellung von Liquiditätsplänen unter Berücksichtigung aller relevanten Belange.

Je weiter in die Zukunft geplant wird, desto geringer ist normalerweise die Genauigkeit. Dementsprechend können neben sehr langfristigen Liquiditätsplänen auch besonders kurzfristige Liquiditätspläne erstellt werden.

 

Disposition liquider Mittel

 

Das Cash Management trifft geeignete Entscheidungen, um Liquiditätsdefizite zu decken und eventuelle Überschüsse anzulegen. Droht beispielsweise ein kurzfristiger Liquiditätsengpass und muss in diesem Zeitraum eine Forderung beglichen werden, so stellt das Cash Management die Zahlungsfähigkeit beispielsweise durch die Inanspruchnahme einer Kreditlinie sicher.

 

Gestaltung der Zahlungsströme

 

Bei kleinere Unternehmen fallen die Kosten für den Kapitaltransfer meist so gering aus, dass sich deren fortwährende Optimierung nicht lohnt. In großen Unternehmen sind die Kosten für den Zahlungsverkehr jedoch eine immer wichtigere Größe. Ziel des Cash Managements ist es also, den internen und externen Zahlungsverkehr sowohl sicher, als auch kostengünstig abzuwickeln. Eine wirksame wie simple Methode zur Kostenreduzierung ist das sogenannte Netting. Dabei werden Forderungen und Verbindlichkeiten mit anderen Unternehmen gegeneinander aufgerechnet. Dies ist insbesondere bei multinationalen Geschäften eine sinnvolle Strategie.

 

Management von Währungsrisiken

 

Insbesondere multinationale Unternehmen wickeln ihre Finanzgeschäfte in vielen unterschiedlichen Währungen ab. Während einige Wechselkurse, etwa EUR/USD, relativ stabil sind, sind Wechselkurse mit Währungen von Schwellenländern instabil und können ein erhebliches Risiko bergen. Im Zuge der Liquiditätsplanung begegnet das Cash Management also diesem Risiko mit geeigneten Maßnahmen.

 

Viele Maßnahmen lassen sich allerdings nicht eindeutig der Liquiditätsplanung zuordnen, sondern sind viel mehr gängige Instrumente, die im gesamten Finanz- und Rechnungswesen zur Anwendung kommen.

Comments on this entry are closed.