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Pendlerpauschale

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 25. Juli 2017

Was ist die Pendlerpauschale?

Die Pendlerpauschale ist eine Pauschale die von allen Arbeitnehmern und teilweise auch von Selbstständigen im Rahmen der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden kann. Sie mindert die Höhe des zu versteuernden Einkommens in individueller Höhe. Der Begriff „Pendlerpauschale“ ist umgangssprachlich verbreitet, im Einkommensteuergesetz ist von der Entfernungspauschale die Rede. Grundsätzlich dient die Pendlerpauschale der Würdigung von Fahrtkosten für Fahrten zwischen Wohnort und erster Arbeitsstätte und wird unabhängig von der tatsächlichen Höhe der Kosten vom zu versteuernden Einkommen abgezogen. Die Pauschale wird lediglich durch Berücksichtigung der Entfernung ermittelt, welches Verkehrsmittel Arbeitnehmer oder Selbstständige nutzen ist unerheblich. Beispielsweise ist die Entfernungspauschale dieselbe, wenn ein Selbstständiger täglich mit dem Auto zur Arbeit fährt und wieder ein anderer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist.

Pendlerpauschale, Fahrtkosten steuerlich geltend machen, Fahrt zum Arbeitsplatz

Die Pendlerpauschale bietet die Möglichkeit, regelmäßige Fahrten zum Arbeitsplatz steuerlich zu berücksichtigen: Taras Vyshnya – Fotolia.com

 

Wie hoch ist die Entfernungspauschale und welche Regelungen gelten?

In früheren Zeiten war die Entfernungspauschale gestaffelt und fiel unterschiedlich hoch aus. Seit dem Jahr 2004 beträgt sie jedoch 0,30 € für jeden Kilometer, der von dem hauptsächlichen Wohnsitz zur ersten Tätigkeitsstätte zurückgelegt werden muss. Maßgeblich ist jedoch nur die einfache Entfernung:

  • Wohnt etwa ein Arbeitnehmer 20 km von seiner ersten Tätigkeitsstätte entfernt, so können je Arbeitstag 6 € geltend gemacht werden, nicht etwa 12 € für 40 km.

Zwischenzeitlich wurde versucht, die Entfernungspauschale abzuschaffen, indem diese nicht mehr als Werbungskosten anerkannt wurden. Personen mit einem Anfahrtsweg von über 21 km konnten ab dieser Grenze wiederum 0,30 € als Werbungskosten geltend machen. Diese Praxis wurde vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig erklärt, sodass die ursprüngliche Regelung ab 2004 weiterhin angewendet wird. Nachfolgend wird kurz auf die Bedeutung der Begriffe „Wohnung“ und „erster Tätigkeitsstätte“ im Sinne der Entfernungspauschale eingegangen:

 

Begriff

 

Erklärung

 

„Wohnung“

 

Der überwiegende Teil der steuerpflichtigen Personen hat lediglich einen Wohnsitz, welcher dann gleichzeitig den Hauptwohnsitz darstellt. Manche verfügen hingegen über einen Zweitwohnsitz, von dem sie ebenfalls den Weg zur ersten Tätigkeitsstätte antreten. Entscheidend, von welchem Ort die für die Entfernungspauschale relevante Entfernung zum Arbeitsort errechnet wird, ist wo die Person ihren Lebensmittelpunkt hat.

 

„Erste Tätigkeitsstätte“

 

Bei der sogenannten ersten Tätigkeitsstätte (bis 2014 auch als regelmäßige Arbeitsstätte bekannt) handelt es sich um einen betrieblichen Ort eines Arbeitgebers oder auch eines eigenen Betriebes, dem ein Arbeitgeber (oder Selbstständiger) dauerhaft zugeordnet ist.

In der Regel ist diese erste Tätigkeitsstätte im Rahmen eines Arbeitsvertrages festgelegt. Ist dies nicht der Fall, so kann mit Hilfe weiterer Merkmale die erste Tätigkeitsstätte festgelegt werden. Erste Tätigkeitsstätte ist dann etwa jener Ort, an dem überwiegend gearbeitet wird oder mindestens zwei Tage je Arbeitswoche gearbeitet wird.

Es können selbstverständlich mehrere Tätigkeitsstätten vorhanden sein. Für die Entfernungspauschale ist jedoch lediglich die erste relevant und wird gegebenenfalls vom Arbeitgeber festgelegt. Die entsprechenden Regelungen finden sich in § 9 Abs. 4 EStG.

 

Wie wird die für die Entfernungspauschale relevante Entfernung festgelegt?

Im Normalfall ist es üblich, dass Personen den kürzesten Weg zur ersten Tätigkeitsstätte wählen. Werden also im Rahmen einer Steuererklärung keine weiteren Angaben gemacht, so wird angenommen, dass diese Strecke auch regelmäßig befahren wird. Dennoch ist es möglich, dass längere Strecken in Kauf genommen werden. Dies wäre etwa der Fall, wenn die Fahrt über eine Autobahn wesentlich schneller zu erreichen ist, als bei einer Fahrt über Landstraßen und durch Orte, auch wenn die Fahrtstrecke insgesamt länger wäre. Entscheidend ist, ob die genutzte Strecke im Vergleich zum kürzesten Weg verkehrsgünstiger ist. Dies ist der Fall, wenn die Fahrtzeit nachweislich kürzer ist.

 

Welche Begrenzungen gibt es in Bezug auf Verkehrsmittel und Höchstgrenze der Pendlerpauschale?

Wie zuvor erwähnt, wird die Pendlerpauschale unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel angesetzt. Nutzer von besonders günstigen Transportgelegenheiten können also im Vergleich zur Nutzung des eigenen PKW sparen. Nicht berücksichtigt werden hingegen Anfahrten mit dem Taxi oder Anreise mit dem Flugzeug. Der Maximalbetrag von 4.500 € pro Kalenderjahr darf hingegen nur überschritten werden, wenn eine Person einen eigenen PKW nutzt oder höhere Aufwendungen für den Transport nachweisen kann.

  • Ausgehend von 225 Arbeitstagen und einer einfachen Entfernung von ungefähr 57 km zwischen Wohnort und erster Tätigkeitsstätte, wäre der Maximalbetrag von 4.500 € erreicht. Ist die Entfernung größer, sind also entsprechende Nachweise für die Geltendmachung höherer Beträge nötig (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 + Abs. 2 EStG).

Darüber hinaus können Schwerbehinderte unter bestimmten Umständen höhere Beträge geltend machen. Liegt ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 70 vor, so können die betroffenen Personen sowohl den Hin-, als auch den Rückweg geltend machen. Darüber hinaus können auch die tatsächlichen Kosten, beispielsweise wenn kostenintensive Transporte nötig sind, geltend gemacht werden. Für Personen mit einem GdB zwischen 50 und 70 gilt diese Entlastung auch, sofern sie geh- und/oder sehbehindert (Merkzeichen „G“) oder außergewöhnlich gehbehindert (Merkzeichen „aG“) sind.

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