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Teamführung und Teamentwicklung: Wie lassen sich Teams motivieren und Umsätze steigern?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Juni 2022

Teamführung und Teamentwicklung: Wie lassen sich Teams motivieren und Umsätze steigern?

In Einzelfällen kann Einzelarbeit von Vorteil sein – etwa bei der Anforderung spezifischer Fachkenntnisse oder dringenden Abgabeterminen. Doch nicht umsonst wird in vielen Stellenausschreibungen die Fähigkeit zur Teamarbeit gewünscht. Mit gebündeltem Know-how lässt sich häufig mehr erreichen als in Eigenregie. Allerdings nur, ziehen auch alle Mitarbeiter an einem Strang. Dass einige hierfür keine Kraft aufwenden, zeigt die Realität: Nach einer repräsentativen Umfrage unter mehr als 1000 Berufstätigen deutschlandweit fühlen sich rund 30 Prozent der Befragten nicht als Teil ihres Teams. Dies zu ändern, ist Aufgabe der Vorgesetzten. Nur durch eine effektive Teamführung und langfristig durchdachte Teamentwicklung wird auch beim aktuell enttäuschten Drittel das Gefühl der Vernachlässigung schwinden und die Motivation für den gemeinsamen Erfolg steigen.

Im Hochseilgarten zum Erfolg?

Der Begriff Teamentwicklung erzeugt bei vielen Führungskräften sofortige Bilder von gemeinsamen Stunden außerhalb des Büros und der regulären Arbeitszeiten vor dem geistigen Auge. Doch für ein erfolgreiches Miteinander müssen keine gemeinsamen Wochenendaktivitäten wie Hochseilgarten-Parcours, Floßfahrten oder Rollenspiele zu potenziellen Konfliktsituationen in den ohnehin hektischen Alltag eingeplant werden. Auch durch eine effiziente Mitarbeiterführung lässt sich das ausgegebene Ziel erreichen.

Doch was genau verbirgt sich hinter einer solch effektiven Entwicklung? Welche Qualitäten werden vom Teamleiter verlangt, welche Grundvoraussetzungen garantieren einen nachhaltigen Erfolg? Die Komplexität dieser Frage zeigt sich an ihren zahlreichen unterschiedlichen Antworten. Dennoch haben sich im Laufe der Zeit einige allgemeingültige Aspekte für eine erfolgreiche Teamarbeit als unverzichtbare Schlüsselfaktoren erwiesen. Sämtliche Maßnahmen gründen dabei auf zwei Säulen:

  1. Jedes Teammitglied ist einzigartig. Für einen gemeinsamen Erfolg muss sich jeder Mitarbeiter individuell entfalten können
  2. Jedes Teammitglied muss sich als Teil des Ganzen fühlen. Der gemeinsame Erfolg steht über den eigenen Bedürfnissen

Diesen Spagat zu meistern, ist eine Herausforderung für Führungskräfte. Doch keine Unmöglichkeit.

Wunschliste der Teammitglieder

„Wenn alle gemeinsam vorankommen, dann stellt sich der Erfolg von selbst ein.“

Dieses Zitat vom US-amerikanischen Industriellen Henry Ford ist bereits gut 100 Jahre alt, und es wird immer wieder für eine gelungene Teamarbeit ins Feld geführt. Doch wie kommen Mitarbeiter gemeinsam voran? Was ist ihnen wichtig, unter welchen Umständen gehen sie freiwillig und gerne einen Schritt weiter als vertraglich vereinbart? Nach Auswertungen zahlreicher Daten, Studien und Umfragen wünschen sich Beschäftigte in Deutschland vornehmlich

  • Zusammenhalt in der Gruppe
  • Gerechtigkeit innerhalb des Teams
  • Aufgabenstellungen mit Sinngehalt
  • Akzeptanz ihrer Perspektive
  • Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen

Lassen sich all diese Wünsche erfüllen? Und wenn ja, wie?

Führen, nicht nur leiten

Einen Abteilungsbereich zu organisieren ist das eine, ihn wirklich zu führen eine ganz andere Sache. Im aktuellen Jahresbericht der „Initiative Chefsache“ erklärt fast die Hälfte aller befragten Führungskräfte die jeweils gegebenen Rahmenbedingungen zum Hindernis, ihren individuell bevorzugten Führungsstil ausüben zu können. Doch die folgenden Maßnahmen können unabhängig der Region, Branche oder Unternehmensgröße beachtet werden. Und mit ihnen lassen sich Teams motivieren und für die Firma mehr erreichen.

Den Deckel zum Topf suchen

Was nicht passt, wird passend gemacht? Keine Ideallösung auf dem Weg zu effizienter Teamarbeit. Stattdessen gilt:

  • Es müssen keine Freundschaften im Team entstehen. Doch wer gar nicht miteinander auskommt, sollte auch nicht zu einem gemeinsamen Projekt gezwungen werden.
  • Diversität ist wichtig. Doch allzu große Altersunterschiede oder kulturelle Eigenheiten können zu Streitigkeiten führen und wichtige Entscheidungen verzögern oder verhindern.
  • Aufgabenstellung und Zielsetzung sind projektabhängig. Doch sie sollten die einzelnen Mitarbeiter weder über- noch unterfordern, sondern unter Beachtung der jeweiligen Kompetenzen und Fähigkeiten gestellt werden.
  • Viele Ansichten und viel unterschiedliches Wissen können Großes bewirken. Doch zu viele Köche verderben den Brei. Ein zu großes Team kann die Umsetzung einzelner Ideen blockieren.

Den passenden Rahmen finden

Unabhängig voneinander zogen die US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow und Frederick Herzberg nach jahrelanger Forschung den identischen Schluss: Bei jedem Menschen stehen körperliche Bedürfnisse an erster Stelle. Bezogen auf eine erfolgreiche Teamarbeit heißt dies: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Ergonomische Bürostühle, saubere Luft, helles Licht und ein gefüllter Kühlschrank erzeugen keine automatische Zufriedenheit. Doch sie stellen die Basis für die so wichtige Motivation.

Lob und Anerkennung

Das A und O einer erfolgreichen Teamarbeit liegt in der Motivation jedes einzelnen Mitarbeiters. Abgeleitet vom lateinischen Verb „movere“, wird der Begriff entsprechend als Antrieb für ein bestimmtes Verhalten zu einem bestimmten Zeitpunkt definiert. Unterschieden werden hierbei zwei Kategorien: 

  • Intrinsische Motivation: der Antrieb kommt vom Mitarbeiter selbst. Beispiel: Das Teamprojekt steht im Namen der sozialen Gerechtigkeit
  • Extrinsische Motivation: der Antrieb kommt von außen. Beispiel: Der Mitarbeiter tritt aufgrund einer Gehaltserhöhung einem Team bei

Auch Erwachsene sind für Lob und Anerkennung empfänglich. Für Teamleiter heißt dies, Zwischenerfolge zu honorieren, Wertschätzung zu zeigen und mit regelmäßigen Aufmerksamkeiten wie kostenlosen Mittagessen oder Kinokarten die Motivation der Mitarbeiter aufrechtzuerhalten oder sogar zu steigern.

Teamführung und Teamentwicklung: Wie lassen sich Teams motivieren und Umsätze steigern?
Kommunikation auf Augenhöhe ist für Teams ungemein wichtig.

Reden ist Gold

Nach Ansicht des österreichischen Philosophen Paul Watzlawick ist es unmöglich, nicht zu kommunizieren. Das heißt allerdings nicht, dass dadurch ein offener Dialog mit den Teammitgliedern entbehrlich sei. Im Gegenteil: Miteinander zu reden ist ein weiteres Gebot, das Führungskräfte beherzigen sollten. Dabei geht es nicht um einseitige Anweisungen, sondern ein respektvolles Miteinander. Durch eine offene Feedback-Kultur fühlen sich Teammitglieder nicht nur wertgeschätzt. Sie kann auch wertvolle Impulse liefern auf dem Weg zum gemeinsamen Erfolg.

Loslassen können

Die Übernahme von Verantwortung stärkt das Selbstbewusstsein ebenso wie das Selbstwertgefühl. Eine gute Teamführung erlaubt eine möglichst weitreichende Selbstorganisation innerhalb der einzelnen Projektgruppen. Wem nach Vorgabe einer groben Richtung Spielraum zur Zielerreichung gewährt wird, der arbeitet zumeist effektiver. Zudem verfügen Fachkräfte oftmals über Spezialwissen. Sollen neue digitale Abläufe im Unternehmen implementiert werden, können IT-Spezialisten diverse Optionen teils besser beurteilen als die Managementebene es vermag. Ein weiterer Vorteil: Wer Verantwortung überträgt, wird in seiner eigenen Arbeit entlastet.

Hinweis: Nicht jeder Mitarbeiter möchte Verantwortung übernehmen. Durch Beobachtung und Befragung lassen sich einzelne Belange ergründen und Mitarbeiter nach ihren Wünschen und Stärken ins Team integrieren.

Alle für einen

Ebenso, wie die Musketiere füreinander einstanden, zeigt sich in der Förderung des Gemeinschaftsgefühls eine weitere effektive Maßnahme auf dem Weg zu motivierten Mitarbeitern. Mit einer klaren Rollenverteilung, einem ausgearbeiteten Konfliktmanagement und einem gemeinsamen Ziel vor Augen lassen sich der Zusammenhalt im Team und die Bereitschaft steigern, bei Bedarf auch außerhalb des eigenen Verantwortungsbereiches einzugreifen.

Vom Fußball lernen

Nicht nur beim Teamsport gilt Fairness als oberstes Gebot. Auch Führungskräfte sollten

  • ihre Mitarbeiter gleichwertig behandeln. Dies beinhaltet eine gerechte Aufgabenteilung und Beurteilung gegenüber allen Teammitgliedern. Bevorzugte Behandlungen schüren Missgunst und behindern eine erfolgreiche Zusammenarbeit
  • die Arbeit ihrer Mitarbeiter angemessen würdigen: Dabei ist konstruktive Kritik durchaus erlaubt. So können Betroffene von der Erfahrung ihres Vorgesetzten lernen und sich an seinen Hinweisen orientieren. Die Führungskraft selbst wiederum profitiert von der Anerkennung und dem Respekt seitens ihrer Mitarbeiter. 

Mit der Zeit zum perfekten Spagat

Eine erfolgreiche Teamführung besteht aus Geben und Nehmen. Dabei gilt es, zwischen klaren Ansagen und ehrlicher Fürsorge die Balance zu halten. Das ist die Schwierigkeit und gleichzeitig die erforderliche Kunst auf dem Weg zur Optimierung der Gesamtleistung des firmeneigenen Teams. Es mag nicht von heute auf morgen geschehen. Doch wer ein Gleichgewicht zwischen Autorität und Anerkennung zu etablieren und halten vermag, wird mit motivierten Mitarbeitern und am Ende einer gesteigerten Produktivität belohnt werden.

Bildnachweise: © Vasyl – stock.adobe.com, © NDABCREATIVITY – stock.adobe.com

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