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Vollkostenrechnung: Auf der Stufenleiter zum Zuschlagssatz

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 7. Februar 2017

In der Vollkostenrechnung ist der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) das zentrale Abrechnungswerkzeug. Da komplette BABs aufwendig und bei manueller Rechenweise fehleranfällig sind, findet man sie selten in Prüfungen. Wohl aber dümpeln die einzelnen Abrechnungsverfahren immer wieder in allen möglichen Klausurveranstaltungen herum.

Sie sind dort oft gefürchtet, was aber nicht immer berechtigt ist. Einige BAB-Themen können sich auch zu echten Punktesammlern mausern. Schauen wir uns mal ein einfaches Beispiel an: die Stufenleiter zum Zuschlagssatz, die zugleich die Treppe ist, die man bekanntlich zum Erfolg nehmen muß.

Wie immer liegen unserem Beispiel einige Definitionen zugrunde, nämlich die wichtiger Kostenstellen: so bezeichnen wir als Hauptkostenstelle einen Leistungsbereich, der direkt am Produkt leistet, während eine allgemeine Kostenstelle ein Bereich ist, der nur anderen Bereichen eine Leistung verrechnet, nichts aber selbst am Produkt leistet. In unserem Beispiel gibt es die “klassischen” Hauptkostenstellen “Lager”, “Produktion”, “Verwaltung” und “Vertrieb”. Nichts am Produkt leisten die Wache und die Kantine, die gleichwohl notwendig und wichtig sind. Natürlich muß man auch wissen, was Einzel- und was Gemeinkosten sind.

Die Ausgangszahlen unseres Beispieles seien folgende:

Summe Wache Kantine Lager Produktion Verwaltung Vertrieb
Einzelkosten 60.000 40.000 20.000
Gemeinkosten 76.000 12.000 7.000 5.000 30.000 5.000 17.000

 

Die Zuschlagssätze der jeweiligen Periode, also die Ist-Zuschläge, sind zu ermitteln. Die Wache soll hierbei nach Quadratmetern auf die anderen Kostenstellen abgerechnet werden, nämlich 3.000 m² : 70.000 m² : 25.000 m² : 8.000 m² : 14.000 m² und die Kantine nach Anzahl der Mitarbeiter, nämlich 9 Lagerarbeiter, 150 Produktionsmitarbeiter, 24 Verwaltungsangestellte und 36 Leute im Verkauf. Die Wächter sind nur nachts anwesend und benutzen die Kantine nicht.

Hier muß man die sogenannte Stufenleitermethode beherrschen, die in einer Vorwärtsverrechnung besteht: die Wache, als erste Kostenstelle, verrechnet ihre Kosten im genannten Flächenverhältnis an alle nachfolgenden Kostenstellen, die Kantine hingegen nur an die rechts von ihr stehenden Kostenstellen, nicht aber zurück an die Wache, denn die Wächter essen ja nichts (jedenfalls nicht im Betrieb). Nach jedem Rechenschritt sind Zwischensummen zu bilden. Das ist im Grunde nur eine einfache Verhältnisrechnung. Fangen wir also mit der Wache an:

Summe Wache Kantine Lager Produktion Verwaltung Vertrieb
Einzelkosten 60.000 40.000 20.000
Primärgemeinkosten 76.000 12.000 7.000 5.000 30.000 5.000 17.000
SekundärGK Wache 12.000 300 7.000 2.500 800 1.400
Zwischensumme 7.300 12.000 32.500 5.800 18.400

 

Da die Wache nichts am Produkt leistet, werden ihre Kosten in Höhe von 12.000 Euro den anderen Kostenstellen zugeordnet. Da hier ein zweites Mal Gemeinkosten auf Kostenstellen verrechnet werden, spricht man auch von einer sogenannten Sekundärverrechnung oder von Sekundärgemeinkosten. Diese zusätzliche Kostenverrechnung erhöht die Kosten aller anderen Kostenstellen. So betragen beispielsweise die Gemeinkosten der Kantine nunmehr 7.300 Euro und die der Produktion jetzt 32.500 Euro.

Kerngedanke der Stufenleitermethode ist, dies für alle allgemeinen Kostenstellen fortlaufend aber nicht rückwärts zu machen. Die Verrechnung der Kantine umfaßt also die Zwischensumme i.H.v. 7.300 Euro, die nur noch an die nachfolgenden Kostenstellen, nicht aber rückwärts an die Wache verrechnet werden. Das sieht folgendermaßen aus:

Summe Wache Kantine Lager Produktion Verwaltung Vertrieb
Einzelkosten 60.000 40.000 20.000
Primärgemeinkosten 76.000 12.000 7.000 5.000 30.000 5.000 17.000
SekundärGK Wache 12.000 300 7.000 2.500 800 1.400
Zwischensumme 7.300 12.000 32.500 5.800 18.400
SekundärGK Kantine 300 5.000 800 1.200
Summe Gemeinkosten 12.300 37.500 6.600 19.600
Gesamtkosten 52.300 57.500 6.600 19.600
Ist-Zuschläge 30,7500% 187,5000% 6,0109% 17,8506%

 

Da wir hier auch schon fertig geworden sind, haben wir sogleich die Summe der Gemeinkosten ausgerechnet und die Zuschlagssätze in der üblichen Weise bestimmt. Die Sache scheint also nur auf den ersten Blick recht aufwendig zu sein, ist aber am Ende doch eher nur eine Fleißaufgabe, nicht aber ein Problem. Auch nicht in Prüfungen.

Die Stufenleitermethode hat ihre praktische Berechnung, wenn keine Rückverrechnungen existieren, etwa weil die Wachleute tagsüber nicht anwesend sind, also die kantine nie in Anspruch nehmen. Das Verfahren steht im Stoffplan einer Vielzahl von Aus- und Fortbildungen und sollte dem Teilnehmer vertraut sein, denn es ist ein gerngesehener Gast in vielen Prüfungen – weil es nämlich so einfach ist.

Was man macht, wenn sich zwei Kostenstellen gegenseitig eine Leistung verrechnen, und dies auch vollständig verrechnet werden soll, schauen wir uns in den nächsten Tagen an. Das ist schon etwas knackiger, aber auch nicht wirklich ein Problem.

Quelle: Zingel, Harry, “Lehrbuch der Kosten- und Leistungsrechnung”, Heppenheim 2004, ISBN 3-937473-05-X, Amazon.de



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