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Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 7. Februar 2017

Nachdem wir uns zunächst an dieser Stelle über die Grundlagen der mehrstufigen Deckungsbeitragsrechnung und gestern über eine kundenorientierte Rechenmethode ausgelassen haben, betrachten wir in diesem Beitrag eine prozeßbasierte mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung.

Besonders interessant hieran ist, daß versucht wird, die Konzepte der Prozeßkostenrechnung mit denen der Teilkostenrechnung zu verbinden, wovon beide Bereiche profitieren könnten:

Die Prozeßkostenrechnung versucht bekanntlich die ganzen Probleme mit Kostenartendefinitionen zu umgehen, indem Kosten pauschal Prozessen zugeordnet und dann über Kostentreiber zugeschlagen werden. Das klingt einfach und plausibel, aber die richtige Wahl des Kostentreibers kann problematisch sein. Hinzu kommt, daß die Komplexität einer Prozeßkostenrechnung schnell ins Uferlose wächst. Die Methode ist daher umstritten, wird aber doch vielfach angewandt – denn alle Qualitäts- und Risikomanagementsysteme basieren auf Prozeßbeschreibungen. Das bietet erhebliche Synergievorteile. Es wundert daher nicht, daß auch eine Deckungsbeitragsrechnung auf Prozeßbasis versucht werden kann.

Die prozeßbasierte Deckungsbeitragsrechnung

Nr Position Erläuterung
1. Bruttoumsatz Rechnungsausgang an diesen Kunden
2. Erlösschmälerungen Absatzwegekosten (Sondereinzelkosten des Vertriebes), Rücksendungen und Nachlässe
3. = Kunden-Nettoerlös
4. Einzelkosten des Auftrages Wareneinsatz (Handel), Löhne/Rohstoffe (Produktion)
5. = Kunden-Deckungsbeitrag I
6. Kosten aus Kulanz, Gewährleistung usw. z.B. Nachleistung ohne Anspruch, Gewährleistung aus Garantie, usw.
7. = Kunden-Deckungsbeitrag II
8. Prozeßkosten I Kundenaquisition, Angebotserstellung
9. = Kunden-Rest-Deckungsbeitrag I
10. Prozeßkosten II Kundenbetreuung und Ähnliches, Reisekosten, Vertreter usw.
11. = Kunden-Rest-Deckungsbeitrag II
12. Technisches Engineering in der Angebotsphase Technische Anpassungen an Kundenwünsche, Sonderversionen, Anpassung an technische Gegebenheiten vor Ort usw.
13. = Kunden-Rest-Deckungsbeitrag III
14. Technische Kundenbetreuung z.B. Anlaufphase, Installation, After-Sales, ähnliche Posten
15. = Kunden-Rest-Deckungsbeitrag IV
16. Sonstige einzelkostennahe Prozeßkosten Produktindividualisierung, ERP-Customization usw.
17. = Gesamt-Deckungsbeitrag

Hinweise zu diesem Schema

Auch dieses Schema ist kundenorientiert. Es legt jedoch die kundenbezogenen Prozesse zugrunde, die hier nach dem Grad ihrer Einzelkostennähe geordnet werden. Darum werden in Zeile 4. auch “nur” die eigentlichen Einzelkosten aufgeführt, denn beispielsweise in Zeilen 8., 10. und 12. finden sich Kostenarten, die in der traditionellen Einteilung als variable Gemeinkosten gelten würden. Die Prozeßkostenrechnung würde diese vermutlich, wie die Einzelkosten, als leistungsmengeninduzierte (LMI) Kosten betrachten.

Es wundert nicht, daß auch diese Rechnung nicht zu einem Betriebsergebnis kommt, denn die Prozeßkostenrechnung ist nahezu immer eine Insellösung. Außer in völlig planwirtschaftlichem Umfeld, wie beispielsweise im Gesundheitswesen, wo eigentlich überhaupt keine Kostenrechnung existiert (sondern nur Zahlungsrechnungen betrieben werden), gibt es praktisch keine betriebsweiten Prozeßkostenrechnungen. Es genügt daher, auch diese Rechnung auf den eigentlichen Vertriebsbereich zu beschränken, um prinzipiell wiederum die gleichen Aussagen über richtige und angemessene Formen der Kundeninteraktion abzuleiten.

Quellen: : incipit lamentatio… | : Die kundenorientierte Rechenmethode | Prüfungsrelevant: so funktioniert die Prozeßkostenrechnung | Prozeßkostenrechnung: Hinweise zur richtigen Wahl des Kostentreibers | Prozeßkostenrechnung: Beispiel einer Rechnung mit Zusammenfassung von Hauptprozessen

Quellen: Zingel, Harry, “Kosten- und Leistungsrechnung”, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-50388-9, Amazon.de


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