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Agio

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 14. Juni 2017

Agio

Agio – Was ist das?

Als allgemein verständliche Definition des Agios, dessen Wortursprung übrigens dem lateinischen „agio“ (zu Deutsch: Bequemlichkeit) entstammt, zunächst folgende Erklärung:

Das Agio ist ein zusätzlich zu entrichtender Betrag, der auf den Kaufpreis oder Kurs hinzugerechnet wird. Typischerweise ist ein Agio in Verbindung mit Bank- und Kreditgeschäften zu entrichten. So wird ein in Prozent angegebenes Agio etwa auf den Nennwert einer Anleihe oder eines Fonds aufgeschlagen.

Agio, Aufschlag, Aufgeld
Agio bedeutet “Aufschlag” oder auch “Aufgeld” und kommt häufig bei der Emission von Kapitalanlageprodukten zum Einsatz.

Das Gegenteil des Agios ist ein Disagio, welcher analog einem Abschlag entspricht. Der Unterschied zwischen Agio und Disagio besteht also darin, dass entweder ein Auf- oder ein Abschlag vorgenommen wird. Disagios sind vor allem in Verbindung mit Kreditgeschäften üblich. Weiterführende Erläuterungen sind im Eintrag zum Thema „Disagio“ zu finden. Ein Agio betrifft sowohl Geldgeschäfte im unternehmerischen, als auch im privaten Bereich. Nachfolgend sind dazu einige Beispiele angeführt.

Was ist Agio beim Bausparen und wo tangiert das Agio Unternehmen und Freiberufler?

Viele Bausparer wissen, dass mit der späteren Zuteilung eines Kredits, die Zahlung eines Agios fällig wird. Die Bausparkasse verlangt also eine Gebühr für die Auszahlung der Kreditsumme in Höhe eines zuvor festgelegten Prozentsatzes. Glücklicherweise gehört diese Praxis der Vergangenheit an:

Gebühren ohne Gegenleistung, wie es bei einem Agio auf einen Bausparkredit der Fall wäre, dürfen nicht mehr erhoben werden (vgl. hierzu https://www.test.de/Bausparvertraege-Darlehensgebuehr-ist-unzulaessig-5094688-0/).

Einem grundsätzlichen Verbot des Agios entspricht dies jedoch nicht: In Verbindung mit zahlreichen unternehmerischen und privaten Finanzgeschäften ist die Anwendung weiterhin Gang und Gebe. In Verbindung mit folgenden Geschäften ist ein Agio weiterhin typisch:

GeschäftDetails
Anleihen Die meisten Anleihen werden zu ihrem Nennwert oder mit Disagio angeboten. Dennoch ist auch die Ausgabe von Anleihen mit einem Agio auf ihren Nennwert möglich.
Aktien In Verbindung mit Aktien spricht man von einem Agio, wenn der Ausgabebetrag/Aktienkurs über dem eigentlichen Nennwert liegt.
Investmentfonds Beim Kauf von Fondsanteilen wird in der Regel ein Ausgabeaufschlag fällig, der je nach Art des Fonds durchschnittlich zwischen 1-6% beträgt.
Devisen Beim An- und Verkauf von Devisen wird häufig auch von einem Agio gesprochen. Fachlich korrekt ist jedoch die Unterscheidung zwischen Geld- und Briefkurs.
  • Beispiel: Ein Unternehmen erwirbt 20 Fondsanteile an einem Immobilienfonds zu je 500 €. Der Emittent verlangt einen Ausgabeaufschlag von 5%. Für einen Anteil mit einem Nennwert von 500 € sind also 525 € zu entrichten.

Wie wird das Agio in der Bilanz behandelt?

In der Bilanz gilt für das Agio ein Wahlrecht.
In der Bilanz gilt für das Agio ein Wahlrecht.

Ob ein Agio bilanziell gewürdigt wird, oder als Aufwand geltend gemacht werden kann, können Unternehmen selbst entscheiden: Es besteht ein Wahlrecht. Entscheidet sich ein Unternehmen für den Ansatz in der Bilanz, so ist dieses unter den aktiven Rechnungsabgrenzungsposten aufzuführen und über die Laufzeit der ursächlichen Verbindlichkeit abzuschreiben. Rechnungsabgrenzungsposten erfordern eine Erläuterung im Anhang einer Bilanz, sodass das Agio dort näher zu beschreiben ist.