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Irland: Ein Steuerparadies weniger

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 7. Februar 2017

Irland verfügt über Standortvorteile wie zum Beispiel Mitglied der Europäischen Union zu sein, eine englischsprachige Bevölkerung zu besitzen und Konzernen legal dabei zu helfen Steuern zu sparen.

Die Unternehmenssteuer liegt bei 12,5 Prozent, wenn denn das Unternehmen in Irland gemanged wird. Der Gründungsort spielt im Vergleich zu den Steuervorschriften in den USA keine Rolle. Firmen wie der Technologiekonzern Apple müssen lediglich zwei Prozent Steuern zahlen und sorgten damit nicht nur für ein schlechtes Image, sondern riefen auch die EU und die USA auf den Plan.

Apple mit individuellem Deal?

Apple beschäftigt in Irland 4.000 Menschen und ist der größte Arbeitgeber der zweitgrößten irischen Stadt Cork. Dem Konzern und der irischen Regierung wird vorgeworfen für den Zeitraum von 1991 bis 2007 eine individuelle Steuervereinbarung getroffen zu haben. Beide Parteien weisen diese Vorwürfe von sich zurück, dennoch wird der Druck auf die Regierung immer größer.

Der Druck wurde zu groß

Die G20-Nationen haben bereits den Kampf gegen Steuer-Schlupflöcher angesagt. Die EU spricht gegenüber Apple von einem „selektiven Vorteil“ und jetzt hat der Finanzminister Michael Noonan beschlossen, dass neue Firmen in Irland sofort steuerpflichtig werden. Für bereits ansässige Unternehmen bleibt alles bis zum Jahr 2020 beim alten. Damit kommt Irland dem Wunsch der internationalen Gemeinschaft nach, die Steueroase Irland auszutrocknen. Für die Iren wird das nicht ohne Folgen bleiben, denn es droht eine massive Abwanderung ausländischer Unternehmen. Aktuell findet jeder zehnte Arbeitnehmer bei einem  ausländischen Unternehmen eine Anstellung. Absolut werden also 160.000 Erwerbstätige beschäftigt. Viele der Arbeitsplätze könnten in den nächsten Jahren wegfallen.

Irland musste den Weg gehen

Die Insel machte in den sechziger Jahren die Industrialisierung durch und war damit hinter Nationen wie Deutschland oder England stark abgeschlagen. Das Land hatte keine Industrieunternehmen wie Bosch oder Siemens. Aus diesem Grund musste sich die Regierung etwas einfallen lassen und schuf letztendlich das Steuerparadies Irland. Für die Iren war es eine Erfolgsgeschichte, denn auch der Suchmaschinenriese Google ließ sich dort nieder. International wurde die Insel dafür stark geächtet.

Welche Alternativen gibt es?

Steuerexperten beziffern die Kosten für die US-Konzerne auf mehrere Milliarden US-Dollar. In der EU gibt es keine Ausweichmöglichkeit, bzw. nichts Vergleichbares. Dennoch gibt es Lücken zu schließen. Die Cayman Islands, die Schweiz und Luxemburg sind im Vergleich zu anderen Staaten noch immer Steueroasen. 13 Prozent des Geldes, welches weltweit in Steueroasen geparkt wird, liegt in Luxemburg. Aber auch unsere Nachbarn, die Niederländer überzeugen mit niedrigen Steuersätzen. Es gibt kaum ein Unternehmen, welches dort kein Postfach registriert hat. Aktuell es sind es mehr als 2600 Stück. Kein Wunder, denn schließlich wird die Körperschaftssteuer zwischen 20 und 25 Prozent nur auf den Gewinn und nicht auf das geistige Eigentum berechnet.

Wie viel Steuern muss ein Unternehmen in Deutschland bezahlen.

In Deutschland wird eine Körperschaftssteuer in Höhe von einheitlich 15 Prozent fällig. Wie bei der Einkommenssteuer auch, muss viermal im Jahr eine Vorauszahlung geleistet werden. Zur Ermittlung der jährlichen Steuerbelastung muss eine GuV und eine Bilanz aufgestellt werden. Darin wird die Betriebsausstattung erfasst. Wenn ein Unternehmen beispielsweise von seinem  Partner für Betriebsausstattung Reisekoffer erwirbt, müssen diese abgeschrieben werden. Ebenso wie bei Maschinen oder anderen technischen Anlagen ist eine degressive oder lineare Abschreibung möglich. In Irland dürfen Kapitalausgaben über einen Zeitraum von 15 Jahren abgeschrieben werden. Dadurch wurden Anreize geschaffen, die den Kauf von immateriellen Vermögenswerten attraktiver machen sollen.

Wie wird mit Spenden umgegangen?

Die freiwillige Übergabe des Eigentumsrechts an einen Gegenstand oder finanziellen Mitteln wird als Spende bezeichnet. Der Sponsor kann dadurch sein Image aufbessern und etwas gemeinnütziges tun. Ein typisches Beispiel ist die Alt gegen Neu Aktion der Koffer-Arena In Deutschland können Sachspenden aus dem Betriebsvermögen steuerlich geltend gemacht werden (Siehe: § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 4 und 5 EStG). Wichtig dabei zu beachten ist, dass die Entnahme der Umsatzsteuer unterliegt. Wenn ein Koffer in den Büchern mit dem Erinnerungswert von einem Euro aufgeführt ist, dann muss dennoch der tatsächliche Wert des Koffers geprüft wird. Liegt dieser beispielsweise bei 100 Euro, dann fallen darauf 19 Prozent Umsatzsteuer an. Die Spendenbescheinigung kann dann über einen Betrag von zwanzig Euro (1 Euro Erinnerungswert plus 19 Euro USt.) ausgestellt werden. In Irland werden ab einer Spendensumme von 250 Euro  31 Prozent der Spendensumme über die Steuer zurückerstattet.

Irland bietet im Vergleich zu Deutschland viele interessante Steuer-Einsparmöglichkeiten.

Entweder sorgt die EU für ein einheitliches Steuersystem oder die Mitgliedstaaten akzeptieren, dass verschiedene Systeme den Wettbewerb beleben.



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