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17.500 im Vorjahr überschritten – hätte ich ab 01.01.2010 Umsatzsteuer einnehmen müssen?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

Fragen17.500 im Vorjahr überschritten – hätte ich ab 01.01.2010 Umsatzsteuer einnehmen müssen?

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Von: BartS1975
4 Antworten
Ich mache gerade meine Steuererklärung für 2009 fertig und stelle mit Erschrecken fest, dass ich, da ich 2009 einen Umsatz von knapp 20.000 Euro gemacht habe, in diesem Jahr offenbar kein Kleinunternehmer mehr bin, sondern umsatzsteuerpflichtig bin.

Frage: Dann hätte ich mir doch Einnahmen von anderen Betrieben ab 01.01.2010 bereits mit Umsatzsteuer auszahlen lassen müssen?

Das habe ich natürlich nicht getan – was kann ich jetzt machen?

Danke!

P.S.: Wie wäre eine solche Lösung rechtlich zu bewerten:

In 2009 bestanden einige Einnahmen aus Prämien einer Bank, die allerdings über das Konto eines Bekannten liefen. Da allerdings er faktisch nichts damit zu tun hatte und ich alle zum Prämienerhalt notwendigen Schritte erledigt hatte (er hatte mir nur die Prämien überwiesen) wollte ich diese Prämien ganz normal als meine eigenen Einnahmen angeben.

Wäre es rechtlich möglich, diese als private Schenkung zu betrachten (in dem Fall wäre ich unter 17.500 Euro)?

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

im Prinzip ist es richtig, dass man bei Überschreitung der 17.500 EUR-Grenze ab dem Folgejahr der Umsatzsteuerpflicht unterliegt.

Bei Umsätzen gegenüber anderen Unternehmern ist das nachträglich nicht relativ tragisch, einfach korrigierte Rechnungen mit Umsatzsteuer ausstellen, den Kunden zuschicken und um Erstattung des Differenzbetrags bitten. Sinnvollerweise mit dem Hinweis, das dieser dem Kunden von dessen Finanzamt erstattet wird, sofern er vorsteuerabzugsberechtigt ist.

Was die 17.500 EUr-Grenze anbelangt, so ist nicht jeder Umsatz hiereinzurechnen.
Unter anderem sind Finanzumsätze und Finanzvermittlungsumsätze nicht mit zu rechnen, wenn sie Hilfsumsätze sind, also nicht zum eigentlichen Gegenstand des Unternehmens gehören.

Zur Klärung Ihrer Frage ist es daher notwendig zu wissen, welcher Art Ihre selbständige Tätigkeit ist und für welche Leistung die Prämien der Bank gezahlt wurden.

Ihre Idee einer “privaten Schenkung” sollten Sie schnell vergessen – Stichwort “Steuerhinterziehung”, denn das Finanzamt weis mehr als Sie denken.

Von: BartS1975
Uhr
Danke schon mal für die Antwort.

> im Prinzip ist es richtig, dass man bei Überschreitung der
> 17.500 EUR-Grenze ab dem Folgejahr der Umsatzsteuerpflicht
> unterliegt.

Mittlerweile habe ich übrigens folgendes gefunden: http://www.akademie.de/existenzgruendung/arbeitslosigkeit/tipps/aktuelles/kleinunternehmer-umsatzgrenze.html#praxis

Wissen Sie, ob tatsächlich eine Chance besteht, dass das Finanzamt mich erst ab 2011 umsatzsteuerpflichtig macht?

Bzw. wie erfahre ich eigentlich von der Umstellung? Wird mir das im Rahmen des Einkommensteuerbescheids mitgeteilt?

> Zur Klärung Ihrer Frage ist es daher notwendig zu wissen,
> welcher Art Ihre selbständige Tätigkeit ist und für welche
> Leistung die Prämien der Bank gezahlt wurden.

Die selbständige Tätigkeit habe ich in meiner Gewerbeanmeldung definiert als “Bereistellung von Informationen und Vermittlung von Geschäften im Internet”. Hauptsächlich handelt es sich um eine Website, über die ich mittels Bannerwerbung, etc. Provisionen erziele. Aber ebenfalls verdiene ich durch die Gewinnung von Kunden für andere Banken, wodurch ich bei Eröffnung eines Kontos eine Kundenwerbeprämie erhalte. Kann so etwas Ihrer Meinung nach als “Hilfsumsätze” angesehen werden (ich kenne diesen Begriff leider nicht)?

Von: BartS1975
Uhr
Und noch eine Frage: Besagte Kundenwerbeprämien werden von den Banken stets ohne Umsatzsteuer gezahlt (eine Zahlung mit Umsatzsteuer ist nicht möglich).

Was bedeutet das in meinem Fall, wenn ich umsatzsteuerpflichtig werde?

Von: Kexel
Uhr

also in Ihrem Fall sehe ich es kritisch, ob die Neukundenwerbung für Banken “Hilfsumsätze” darstellen, meines Erachtens spricht mehr für nein.

Sollte die Summe dieser Umsätze das Zünglein an der Waage sein, dann wäre dies nochmals genau zu prüfen.

Von der Umstellung erfahren Sie durch die Erstellung Ihrer eigenen Steuererklärung bzw. durch eine rechtzeitige vorherige eigene Überprüfung.
Es handelt sich um ein umsatzsteuerliches Problem, kein einkommensteuerliches. Aber das Finanzamt würde Sie auch im Rahmen der Bearbeitung Ihrer Einkommensteuererklärung darauf aufmerksam machen. Dies ergibt sich unter anderem aus der Prüfung der Anlage EÜR zur Einkommensteuererklärung.

Dass die Banken Ihnen keine Umsatzsteuer vergüten ist korrekt. Da diese hinsichtlich dieser Leistungen nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind, würde eine zusätzliche Umsatzsteuer zu zusätzlichen Kosten der Bank führen, was nicht gewollt ist. Ob Ihre Leistungen andererseits unter den umsatzsteuerlichen Befreiungstatbestand des § 4 Nr. 8d UStG “Vermittlung von Umsätzen im Kontokorrentverkehr” fallen wäre auch noch genauer zu prüfen.

Sollten Ihre Vermittlungsprovisionen letztendlich umsatzsteuerpflichtig sein, hätten Sie die Umsatzsteuer aus den gezahlten Provisionen selbst zu tragen:
Zahlung 50 EUR, darin enthaltene Umsatzsteuer 7,98 EUR
(netto 42,02 EUR x 19 % = 7,98 EUR)

Sie merken: sehr viel Klärungsbedarf – daher meine Empfehlung:
Alle Unterlagen in einen Ordner und ab zum nächsten Steuerberater.