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Arbeitszimmer anerkannt?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenArbeitszimmer anerkannt?

Uhr
Von: Paule
4 Antworten
Hallo,

ich habe mich vor einigen Monaten als Sachverständiger für Immobilienbewertung selbstständig gemacht. Ob ich ein Arbeitszimmer absetzen kann? Ich wohne mit meiner frau in einer 3 Zimmer Wohnung. 1 Zimmer ist mein Zimmer, in dem ich einen Schreibtisch mit PC und Drucker stehen habe, ein Regal für Ordner etc., eine Couch, einen Sessel und einen Kleiderschrank. Bis auf die Auswärtstermine bestimmt das Zimmer zum größten Teil meine berufliche Befassung (Telefonate führen, Auftragsangebote am PC entgegennehmen, bearbeiten und Fahrtrouten planen, Terminplaner). Und wie kann ich Internet-/Telefoniekosten absetzen? Ich habe eine Flatrate. Meine Werkzeuge sind ein gebrauchtes iPad und ein Smartphone für Telekommunikation und Fotoaufnahmen der Objekte. Scher bissel viel……

Gruß Paule

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

ein Arbeitszimmer kann steuerlich nur als solches anerkannt werden wenn es unter anderem ausschließlich oder fast ausschließlich (mehr als 90 %) betrieblichen oder beruflichen Zwecken dient.
In Ihrem Fall sehe ich den Kleiderschrank als Privat und damit als hinderlich an. Denn der Anteil den der Schrank einschließlich der Fläche davor, die benötigt wird um Sachen aus selbigem zu holen, benötigt, dürften wahrscheinlich mehr als 10 % der gesamten Raumfläche ausmachen.

Ein anderes Merkmal für die steuerlichen Abzug eines Arbeitszimmers ist der qualitative Schwerpunkt. Der muss im Arbeitszimmer sein. Da stellt sich die Frage, ob bei einem Immobiliengutachter der qualitative Schwerpunkt seiner Arbeit nicht beim jeweils zu bewertenden Objekt liegt?

Nähere Hinweise sollten sich aus dem http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Einkommensteuer/033_a.pdf?__blob=publicationFile&v=4 ergeben.

Der ggf. nur beschränkte oder Nichtabzug der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer betrifft aber nur die Raumkosten selbst (Miete, Mietnebenkosten, Energiekosten).
Die betriebliche genutzte Einrichtung sowie Telefon- und Internetkosten sind auf jeden Fall steuerlich abzugsfähig. Bei den Telefon- und Internetkosten ist ein geschätzter Privatanteil abzuziehen, in Zweifelsfällen 300 EUR pro Jahr.

Von: Paule
Uhr
Danke für die ausführliche Antwort. Was ich in dem PDF Artikel (Gesetze) lese lässt bei miraber Hoffnung aufkeimen. Zwar ist mein Arbeitsinhalt das Bewerten (Begutachten) von Immobilien, aber ohne die gesammelten Daten und Fotos, die ich ja noch bearbeiten und eingeben muss, geht es nicht ohne meinen Arbeitsplatz zu Hause (in meiner Firma). Für einen Auftrag (angefangen von der Auftragsentgegennahme, über Klientenkontakt zur Terminvereinbarung, Einplanung der Termine, Routenplanung, bis zur Auswahl und Bearbeitung der Fotoaufnahmen und Daten, die am PC noch vervollständigt werden müssen, um zu einer abschließenden Immobilienbewertung zu kommen) liegt der zeitl. Aufwand mindestens genau so hoch, wie der des Außerhaustermins! Da mir für diese Bearbeitung kein anderer Platz zur Verfügung steht, müsste doch wohl zumindest diese 1250 €/à greifen?

Gruß Paule

Von: Kexel
Uhr

im Zweifel alle Kosten ansetzen und das Finanzamt in einer Anlage zur Steuererklärung hierüber in Kenntnis setzen. Dann kann das Finanzamt es akzeptieren oder seine abweichende Meinung mitteilen. Alles weitere klärt man dann im Rechtsbehelfsverfahren (Einspruch).

Von: Paule
Uhr
O.K., danke!