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Arbeitszimmer im Neubau

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenArbeitszimmer im Neubau

Uhr
Von: rosemeyer2
5 Antworten
Hallo, ich betreibe seit 10 Jahren selbstständige Softwareentwicklung als Gewerbe. Wir haben dieses Jahr ein Haus gebaut, dass mir und meiner gemeinsam veranlagten Frau zu gleichen Teilen gehört. Die Softwareentwicklung führe ich in einem separaten Arbeitszimmer aus, dass 15% der Wohnfläche ausmacht.

Ich möchte gern das Arbeitszimmer als Betriebskosten geltend machen. Ist es notwendig und empfehlenswert das Haus ins Betriebsvermögen zu übernehmen? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass ich demnächst als Freiberufler arbeiten möchte um Gewerbesteuer zu zahlen.

Die zweite Frage ist, wie ich die Herstellungskosten errechne, zählen Küche, Carport und Bodenbeläge dazu? Sind die Herstellungskosten, falls das Haus nicht aktiviert wird mit oder ohne Umsatzsteuer zu berechnen?

Vielen Dank,
Rudolf

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

also ein Freiberufler im steuerlichen Sinne unterliegt nicht der Gewerbesteuer.

Im Übrigen führt die Gewerbesteuer bei einem Gewerbetreibenden im Prinzip zu keiner Mehrbelastung gegenüber einem Freiberufler, da die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer angerechnet wird.

Ob das Arbeitszimmer Betriebsvermögen darstellt oder nicht entscheiden nicht Sie, sondern das Gesetz bzw. die Ausführungsbestimmungen hierzu, die Einkommensteuerrichtlinien (EStR):

Quote:
R 4.2 EStR
Grundstücksteile von untergeordnetem Wert
( 8 ) Eigenbetrieblich genutzte Grundstücksteile brauchen nicht als Betriebsvermögen behandelt zu werden, wenn ihr Wert nicht mehr als ein Fünftel des gemeinen Werts des gesamten Grundstücks und nicht mehr als 20.500 Euro beträgt (§ 8 EStDV). Dabei ist auf den Wert des Gebäudeteiles zuzüglich des dazugehörenden Grund und Bodens abzustellen. Bei der Prüfung, ob der Wert eines Grundstücksteiles mehr als ein Fünftel des Werts des ganzen Grundstücks beträgt, ist in der Regel das Verhältnis der Nutzflächen zueinander zugrunde zu legen. Ein Grundstücksteil ist mehr als 20.500 Euro wert, wenn der Teil des gemeinen Werts des ganzen Grundstücks, der nach dem Verhältnis der Nutzflächen zueinander auf den Grundstücksteil entfällt, 20.500 Euro übersteigt. Führt der Ansatz der Nutzflächen zu einem unangemessenen Wertverhältnis der beiden Grundstücksteile, ist bei ihrer Wertermittlung anstelle der Nutzflächen der Rauminhalt oder ein anderer im Einzelfall zu einem angemessenen Ergebnis führender Maßstab zugrunde zu legen. Sind →Zubehörräume (Nebenräume) vorhanden, kann der Stpfl. die Aufteilung auch nach dem Verhältnis der Haupträume vornehmen. Beträgt der Wert eines eigenbetrieblich genutzten Grundstücksteiles nicht mehr als ein Fünftel des gesamten Grundstückswerts und nicht mehr als 20.500 Euro, besteht ein Wahlrecht, den Grundstücksteil weiterhin als Betriebsvermögen zu behandeln oder zum Teilwert zu entnehmen. Zur Berücksichtigung von Betriebsausgaben, wenn der Grundstücksteil zu Recht nicht als Betriebsvermögen behandelt wird →R 4.7 Abs. 2 Satz 4.

Auch wenn das Arbeitszimmer kein Betriebsvermögen darstellt, können die anteilgen Kosten als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Die Kosten für Fußböden und Carport gehören zu den Herstellungskosten eines Wohnhauses. Die Kosten einer Einbauküche dagegen nicht.

Von: rosemeyer2
Uhr
Vielen Dank für die Antwort.

Ich meinte natürlich Gewerbesteuer vermeiden statt bezahlen 😉

In dem Zitat aus EStR steht ja, dass man bei unter 20% nicht braucht, aber kann. Mich würde interessieren, was sinnvoll ist. Der Abzug der gesamten Vorsteuer wär sicherlich ein Vorteil, oder?

Gruß,
Rudolf

Von: Kexel
Uhr
… wenn Sie Apfelsaft mögen brauche Sie keine Birnen zu schälen.

Soll heißen, was Sie einkommensteuerlich machen muss nicht gleichzeitig für die Umsatzsteuer gelten. Hier können Sie anders vorgehen, als bei der Einkommensteuer. Also Vorsteuer ja – Betriebsvermögen bei der Einkommensteuer nein.

Von: Tasko
Uhr
Hallo,

eine interessante Frage blieb unbeantwortet: Berechnet sich der “Wert” des Arbeitszimmers an den Brutto-Herstellungskosten oder netto?
Ich habe ein Grundstück für 40 T€ und Herstellungskosten in Höhe von 200 T€ brutto. Bei 10% AZ-Anteil entfallen darauf 24 T€. Zählen die Netto-Herstellungskosten, entfallen nur noch 20.200 Euro auf das AZ, womit es nicht zum Betriebsvermögen zählen muß.

Interessant ist aber auch, ob und wie die ganzen Gebühren beim Grundstückskauf (Makler, GVO etc.pp.) und Neubau (Vermesser, Bauantrag, Baustrom etc.pp.) eingerechnet werden.

Was ist, wenn Garage/Carport erst später gebaut werden und durch diese Kosten die Grenze von 20.500 Euro für den AZ-Anteil überschritten wird?

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Quote:
Berechnet sich der “Wert” des Arbeitszimmers an den Brutto-Herstellungskosten oder netto?

“§ 8 EStDV – Eigenbetrieblich genutzte Grundstücke von untergeordnetem Wert
Eigenbetrieblich genutzte Grundstücksteile brauchen nicht als Betriebsvermögen behandelt zu werden, wenn ihr Wert nicht mehr als ein Fünftel des gemeinen Werts des gesamten Grundstücks und nicht mehr als 20.500 Euro beträgt.”

Der gemeine Wert ist in § 9 BewG (Bewertungsgesetz) definiert. Er wird durch den Preis bestimmt, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach der Beschaffenheit des Wirtschaftsgutes bei einer Veräußerung zu erzielen wäre (Verkehrswert, Einzelveräußerungspreis). Was würde ein fremder Dritter bezahlen? Somit schließt er die Umsatzsteuer mit ein.

Quote:
Interessant ist aber auch, ob und wie die ganzen Gebühren beim Grundstückskauf (Makler, GVO etc.pp.) und Neubau (Vermesser, Bauantrag, Baustrom etc.pp.) eingerechnet werden.

Maßgeblich sind die Anschaffungs- und Herstellungskosten, damit gehören Anschaffungsnebenkosten und sonstige Herstellungskosten selbstverständlich dazu.

Quote:
Was ist, wenn Garage/Carport erst später gebaut werden

“R 4.2 EStR
Grundstücksteile von untergeordnetem Wert
( 8 ) … Sind Zubehörräume (Nebenräume) vorhanden, kann der Stpfl. die Aufteilung auch nach dem Verhältnis der Haupträume vornehmen.”

Folglich besteht ein Wahlrecht die Garage/Carport mit einzuberechnen. Dies kann somit zu einer Aktivierungspflicht führen.