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Befreiung von der Umsatzsteuer als Kleinunternehmer

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenBefreiung von der Umsatzsteuer als Kleinunternehmer

Uhr
Von: lenja123
3 Antworten
Hallo,

wir vermieten Ferienwohnungen und haben vor einigen Jahren die Umsatzsteuerpflicht auf den Rat unseres Steuerberaters gewählt, weil wir erhebliche Ausgaben für die Renovierung hatten und entsprechend Vorsteuer erstattet bekamen.

Zur Umsatzsteuerpflicht habe ich nun folgende Fragen:

1.) Ist es richtig, dass wir nach 5 Jahren uns von der Umsatzsteuerpflicht wieder befreien lassen können? Wir liegen mit unseren Umsätzen weit unter 17.500 Euro.
2.) Ab welchem Zeitpunkt rechnet sich die Frist. Die Renovierung der Wohnungen hat sich über 3 Jahre hingezogen und wir haben erst im 4. Jahr (Aufnahme des Geschäftsbetriebs) steuerpflichtige Umsätze erzielt.
3.) Ist es bei der Ausübung des Wahlrechts erheblich, ob wir mehr Vorsteuer erstattet bekommen haben als wir später als Umsatzsteuer bezahlt haben oder müssen wir in einem solchen Fall damit rechnen, den Überschuss zurückzahlen zu müssen.
4.) Reicht eine einfache Erklärung an das Finanzamt aus, dass wir von unserem Wahlrecht Gebrauch machen wollen (was muss da drin stehen?) und müssen wir dann nach wie vor noch eine Umsatzsteuererklärung abgeben, um nachzuweisen, dass wir mit unseren Umsätzen unter der Grenze bleiben?

Vielen Dank im voraus für Eure Antworten.

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

wenn Sie schon einen Steuerberater haben, dann sollten und können Sie auch dessen Rat vertrauen.

Nichtsdestotrotz eine kurze Stellungnahme zu Ihren Fragen:

1.) Grundsätzlich ja – da es aber für Renovierungsleistungen an einem Gebäude einen http://www.steuerlex24.de/steuernplusberatung/informationen_steuerlexikon/index/xid/631056 http://dejure.org/gesetze/UStG/15a.html von zehn Jahren gibt, sollte anhand der tatsächlichen Zahlen geprüft werden, ob ein Wechsel zur Kleinunternehmerregelung nach fünf Jahren und damit ggf. eine anteilige Vorsteuerrückzahlung für die nächsten fünf Jahre wirtschaftlich sinnvoll ist.
2.) Die Frist rechnet sich ab dem ersten Kalenderjahr, in dem Vorsteuer geltend gemacht wurde und beträgt insgesamt mindestens fünf Kalenderjahre.
3.) Das mehr Vorsteuer erstattet wurde, als Mehrwertsteuer zu zahlen war, spielt keine Rolle. ABER, § 15a UStG ist ggf. zu beachten und die Vorsteuer zeitanteilig wieder ans Finanzamt zurückzuzahlen.
4.) Eine formlose schriftliche Erklärung über den Verzicht, mit Angabe des Kalenderjahres ab wann dieser gelten, genügt. Für die Folgejahre sind dann in der Regel auch keine Umsatzsteuererklärungen mehr abzugeben. ABER, auch hier gilt es vor dem Widerruf des Verzichts die möglichen Folgen einer Vorsteuerberichtigung nach § 15a UStG zu prüfen!

Hinweis:

Quote:
Ohne Beratung durch einen Steuerberater sollten Sie nichts selbst veranlassen.
In Ihrem Falle schont ein guter Rat Ihr Vermögen.

Von: Guido
Uhr
Hallo,

ich habe ein ähnliches Problem mit einer Photovoltaikanlage. Mit der Installation der Anlage habe ich mich für die Umsatzsteuerpflicht entschieden, hauptsächlich um die Vorsteuer der Anlage erstattet zu bekommen. Ich stehe jetzt vor der Entscheidung, mich im nächsten Jahr für den Kleinunternehmerstatus zu entscheiden. Nachdem die Anlage jetzt schon einige Jahre läuft, fallen keine Kosten an, so dass ich hier keine Vorsteuer habe, die ich geltend machen kann. (Vielleicht einmal in eini paar Jahren ein neuer Wechselrichter, das wäre es aber eigentlich für die nächsten 15 Jahre.)
Folgendes verstehe ich an der Kleinunternehmerregelung aber nicht:
1) Ich darf in meinen Rechnungen keine MwSt. ausweisen. Rechnungen erstelle ich überhaupt keine, in der Abrechnung meines Versorgers der den Strom abnimmt, ist diese aber ausgewiesen. Kann ich denn diese 19% MwSt. einfach als zusätzliche Einnahme behalten? (Persönlich versteuern muss ich sie ja so oder so jetzt schon)
2) Wie sieht es mit der Abschreibung aus? Ich habe mich für die Abschreibung über die gesamten 20 Jahre entschieden, ändert das Finazamt das jetzt für die Restlaufzeit?
3) Habe ich sonst irgendwelche Nachteile, wenn ich mich jetzt umentscheide?

Gruß Guido

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

zu Ihren Fragen:

1) Nein, die Mehrwertsteuer dürfen Sie nicht behalten.
Sie informieren Ihren Versorger über die Umstellung, dann zahlt er Ihnen keine Mehrwertsteuer mehr aus. Fälschlicherweise ausgezahlte MwSt ist dann an den Versorger zurückzuzahlen. Die Umstellung erfolgt immer zum 01.01. eines Kalenderjahres.
Unternehmen Sie nichts, fordert das Finanzamt in ein paar Jahren – nach einer Betriebsprüfung beim Versorger – bei Ihnen die Mehrwertsteuer zuzüglich 6 % Zinsen nach und es ist obendrein mit der Einleitung eines Steuerstrafverfahrens wegen Steuerhinterziehung zu rechnen.

2) Die Änderung der Umsatzsteuer hat keine Auswirkungen auf die Höhe der Abschreibung bei der Einkommensteuer.

3) Die Umstellung auf die Kleinunternehmerregelung sollte frühestens fünf Jahre nach Inbetriebnahme der Anlage erfolgen, anderenfalls ist die damals erstattete Vorsteuer wieder anteilig ans Finanzamt zurückzuzahlen.