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Cashback und AFA

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenCashback und AFA

Uhr
Von: wiseman
5 Antworten
nachträglich reduzierte Anschaffungskosten

Ich habe hier eine Aufgabe vor mir, mit der ich einfach nicht weiterkomme.

Ein Wirtschaftsgut wurde wurde am 01.11.2011 gekauft. Anschaffungswert 1.000 Euro und wird über 3 Jahre abgeschrieben.

2012 wird dem Käufer am 3. März ein Rabatt (Cash-Back) in Höhe von 150 Euro gewährt. Dadurch reduzieren sich nachträglich seine Anschaffungskosten von ehemals 1000 auf 850 Euro.

Wie hoch ist die Afa 2012, 13 und 14?

Ich habe gerechnet:

AFA 2011

55,56 Euro (2/12 der Jahres-Afa von 333,33 Euro)

Restbuchwert 944,44 Euro

AFA 2012:

Ohne Cashback 333,33 Euro, 12/12 der Jahres-Afa)

Mit Cashback sind die Anschaffungskosten ja 850 Euro. Wie verteilt man die denn auf die restlichen 2 Jahre und 10 Monate (34 Monate), zumal der Rabatt erst im März gewährt wurde?

Liebe Grüße und ein schönes Osterfest!

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Quote:
Richtlinie 7.4 Absatz 9 Einkommensteuerrichtlinien

AfA nach nachträglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten

(9) Bei nachträglichen Herstellungskosten für Wirtschaftsgüter, die nach § 7 Abs. 1 … EStG abgeschrieben werden, ist die Restnutzungsdauer unter Berücksichtigung des Zustands des Wirtschaftsgutes im Zeitpunkt der Beendigung der nachträglichen Herstellungsarbeiten neu zu schätzen. … Bei der Bemessung der AfA für das Jahr der Entstehung von nachträglichen Anschaffungs- und Herstellungskosten sind diese so zu berücksichtigen, als wären sie zu Beginn des Jahres aufgewendet worden. …

Berechnung der Abschreibung:

2011: 1.000 / 3 x 2/12 = aufgrundet 56 EUR
Restbuchwert: 944 EUR
Restnutzungsdauer: 36 Monate – 2 Monate = 34 Monate

2012: Restbuchwert 944 EUR – Gutschrift 150 EUR = AfA-Bemessungsgrundlage 794 EUR
AfA 794 EUR x 12/34 = aufgerundet 281 EUR
Restbuchwert: 663 EUR

2013+2014: AfA jeweils 281 EUR
Restbuchwert 31.12.2014: 101 EUR

2015: AfA 101 EUR

Von: wiseman
Uhr
Da dachte ich, ich hätte ihre Ausführungen verstanden und dann passiert’s:

Wie wird mit dem oben beschriebenen Vorgang in der EÜR und der Umsatzsteuererklärung verfahren?

Ich habe für 2012 also eine Afa-Betrag von 281 Euro als Betriebsausgabe. Wie verhält es sich in diesem Jahr mit der Umsatzsteuer? Die 150 Euro wurden im Beispiel am 3. März 2011 gutgeschrieben.Das ist doch eine Betriebseinnahme. Und auch wenn man darüber außer dem Kontoauszug keinen Beleg hat, sind darin doch letztlich 19% Umsatzsteuer enthalten.

Kommen die 150 Euro dann als Betriebseinnahme in die Eür für das Jahr 2011 hinein (bzw 150 € – 19%) und die darin enthaltene USt. ebenfalls? Bei dieser Überlegung stellt sich natürlich auch die frage, wie das in die Umsatzsteuerjahreserklärung eingebunden wird? Mir raucht der Kopf: einerseits wurde der cashbackbetrag ja in der afa korrigiert, aber umsatzsteuersteuerlich nicht berücksichtigt. Kann mir das jemand mal auseinanderdividieren?

Liebe Grüsse

Von: Kexel
Uhr

also Abschreibung und Umsatzsteuer kommen aus zwei verschiedenen Gesetzen und haben nichts miteinander zu tun, also getrennte Betrachtung.

Die Gutschrift wird im Prinzip wie eine Anschaffungsrechnung behandelt, eben nur mit negativem Vorzeichen.

Einkommensteuer (Abschreibung):
– siehe meine Berechnungen –
Der Nettobetrag der Gutschrift mindert die Abschreibung.
Er stellt keine steuerpflichtige Einnahme dar!
Wann die Gutschrift im laufenden Jahr erfolgt ist völlig egal, es wird – für die Berechnung der Abschreibung – immer unterstellt das diese am 01.01. erteilt wurde.
Und nicht der Nettobetrag der Gutschrift, sondern der geminderte Abschreibungsbetrag kommt in die EÜR.
Umsatzsteuer aus der Gutschrift kürzt die übrige abzugsfähige Vorsteuer.
Und die gesamte abzugsfähige Vorsteuer wird in die EÜR eingetragen.

Umsatzsteuer:
Umsatzsteuer aus der Gutschrift kürzt die übrige abzugsfähige Vorsteuer.
Der Nettobetrag der Gutschrift ist kein umsatzsteuerpflichtiger Umsatz!

Von: wiseman
Uhr
Erstmal ein Lob, dass Sie hier posten und in der Lage sind, so anschaulich zu erklären.

Steuerberater Kexel wrote:

Die Gutschrift wird im Prinzip wie eine Anschaffungsrechnung behandelt, eben nur mit negativem Vorzeichen.

gut okay, verinnerlicht.

Steuerberater Kexel wrote:

Einkommensteuer (Abschreibung):

Umsatzsteuer aus der Gutschrift kürzt die übrige abzugsfähige Vorsteuer.
Und die gesamte abzugsfähige Vorsteuer wird in die EÜR eingetragen.

Den Teil habe ich auch noch verstanden – es reduziert sich die abzugsfähige Vorsteuer (sagen wir 1.000 Euro) eben um die 23,95 Euro aus den 150 Euro brutto Cashback und daraus ergeben sich 976,05 abzugfähige Vorsteuer.

Steuerberater Kexel wrote:
Umsatzsteuer:
Umsatzsteuer aus der Gutschrift kürzt die übrige abzugsfähige Vorsteuer.
Der Nettobetrag der Gutschrift ist kein umsatzsteuerpflichtiger Umsatz!

Interessant weil – für sowas ist m.E. gar keine Dokumentationsmöglichkeit in der Umsatzsteuererklärung vorhanden, oder etwa doch?

Ich sehe nur die sehr umfangreiche “Berichtigung des Vorsteuerabzugs nach §15a UStG” aber kann mir daraus keinen Reim machen – eine Nutzungsänderung, Veräußerung oder ein Wechsel der Besteuerungsform liegt m.E. ja nicht vor.

Wo korrigiert man das bloss? Bei Vorsteuerberichtungsbeträge in Zeile 77 Feld 372 der Umsatzsteuerjahreserklärung und Zeile 87 bei “zurückzuzahlen”?

Insgesamt ganz schön komplex, aber auch spannend.

Von: Kexel
Uhr

die “Vorsteuer-Berichtigung” erfolgt – wie von Ihnen richtig erkannt – in dem man den Betrag der abzugsfähigen Vorsteuer mindert und eben nur den verminderten Betrag (in Ihrem Beispiel: 976,05 EUR) in die Umsatzsteuererklärung und/oder -Voranmeldung einträgt.