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Das erste mal Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenDas erste mal Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit

Uhr
Von: notre
3 Antworten
Liebe Forenteilnehmer,

ich habe lange gegrübelt, in welches Forum ich meine Fragen posten soll und hoffe, ich bin hier richtig 🙂

Ich bin seit Oktober 2008 neben meiner Vollzeittätigkeit als Arzt in einem Krankenhaus auch selbständig als Notarzt tätig. Ich bekomme Honorare von den Krankenkassen und auch von Rechnungen, die ich selbst erstelle, von Privatpatienten aus dem Notarztdienst.

Nun will ich meine erste Steuererklärung mit Gewinn-Verlust-Rechnung machen und habe da einige offene Fragen.

1. Als Arzt muss ich weder Gewerbesteuer noch Umsatzsteuer zahlen. Da meine Einkünfte in 2009 aus der Notarzttätigkeit bei ca 10 T€ liegen, gilt wohl für mich die Regelung, dass ich eine Kurzermittlung meiner Gewinne und Verluste machen kann.
1a. Liege ich hier richtig?
1b. Welche Daten werden hier an das Finanzamt übermittelt? Die einzelnen Posten der Gewinn-Verlust-Kurzberechnung, die einzelnen Summen für Einnahmen und Ausgaben oder nur der Gewinn? (Ich verwende das Programm ‘Steuer-Spar-Erklärung’)
2. Wie sieht das aus, wenn ich mehr als 17.5 T€ einnehme? Muss ich dann eine genaue Einnahmen-Überschuss-Rechnung anfertigen und die Steuern ausklammern? Oder gelten für USt und Gew.-St.-freie Tätigkeiten andere Regeln?
3. Ich habe Fahrtkosten, da ich an verschiedenen Rettungswachen arbeite, von denen die Einsätze starten. Ich fahre also um 8 Uhr zu dieser Wache hin mit dem Privat-PKW, wenn ein Einsatz kommt, fahre ich den Einsatz mit dem Einsatzwagen, dann esse und trinke ich auf eigene Kosten an der Wache und fahre um 19 Uhr wieder mit dem Privat-PKW nach Hause.
3a. Wie kann ich hier und was kann ich hier (Reisekosten, Verpflegung etc.) steuerlich geltend machen?
3b. Muss ich jede einzelne Fahrt in der Kurzermittlung angeben oder kann ich alles in einem Betrag, ggf. pro Rettungswache, zusammenfassen?
4. Ich benötige zum Abrechnen der Einsätze PC+Internet und zum Erstellen der Rechungen PC+Drucker. Dazu habe ich ein Arbeitszimmer in der Mietwohnng, in der wir wohnen, welches ich hierfür verwende. Macht es Sinn, zumindest zu versuchen, die 1250 € Pauschale für das Arbeitszimmer anzusetzen?
5. Muss ich dem Finanzamt auch bei der Kurzberechnung alle Belege und Quittungen (Z.b. für Druckerpapier, Porto, etc) unaufgefordert mit der Steuererklärung zusenden? Oder fordert das FA bei Nachfragen einzelne Belege an?
6. Gibt es noch andere Dinge, die dem geneigten Leser hier einfallen, die ich steuerlich geltend machen kann/sollte? Für Tips wäre ich sehr dankbar.

Sehr viele Fragen, ich weiß,
für eine Antwort auf die ein oder andere wäre ich wirklich sehr dankbar und stehe im Gegenzug gerne mit meinem medizinischen Wissen zur Verfügung 🙂

notre

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

“Notarzt? Braucht man den überhaupt noch? Heutzutage hilft man sich doch über Internetforen selbst. 10 Euro Arztgebühr gespart toll – auch ja da waren ja noch Schmerzen, offene Wunden und dergleichen, na ja vielleicht im nächsten Forum.”

Schuster bleib bei deinen Leisten – oder besser Arzt bleib bei deinen Patienten – kann ich da nur sagen – der Weg zum und die Kosten eines Steuerberaters machen sich bei einem Mediziener in aller Regel von selbst bezahlt. Gehen Sie zu einem Steuerberater Ihres Vertrauens und zwar bevor es zu spät ist. Auch ein Steuerberater betreibt Vorsorgeberatung.

Nichtsdestotrotz zu Ihren Fragen Herr Doktor:

1. Mal von besonderen Gutachtertätigkeiten abgesehen, handelt es sich bei Leistungen eines Humanmedizienders im umsatzsteuerfreie Leistungen. Des Weiteren übt er eine freiberufliche Tätigkeit aus und kein Gewerbe, er unterliegt damit nicht der Gewerbesteuer.

1a. Ja, Sie liegen richtig.

1b. Anlage EÜR (Eínnahmen-Ausgaben-Überschuss-Rechnung) zur Einkommensteuererklärung bitte ausfüllen.

2. Siehe 1. – egal wie hoch die Einnahmen sind, immer umsatzsteuer- und gewerbesteuerfrei.

3. Da die Rettungswache die Betriebsstätte Ihres Kunden aber nicht Ihre eigene Betriebsstätte darstellt, liegen Reisekosten vor.

3a. Fahrtkosten von 0,30 EUR pro gefahrenem Kilometer.
Verpflegungsmehraufwendungen pauschal 6 EUR, bei einer Abwesenheit von der Wohnung von mehr als 8 Std. und 12 EUR bei mehr als 14 Std. Abwesenheit.

3b. Die Angaben für jeden Tag in einer Reisekostenabrechnung (auch in Form einer Excelliste zulässig) festhalten. Die Gesamtsumme eines Jahres unter Reisekosten in der Anlage EÜR eintragen.

4. Nein, “Patient (Arbeitszimmer) in Ihrem Fall (berufliche Nutzung unter 50 %) bereits klinisch tot (steuerlich nicht absetzbar)”.
Dies gilt allerdings nur für die Raumkosten (Miete, Mietnebenkosten).
Die Einrichtung (PC, Drucker, Schreibtisch) ist anteilig abzugsfähig. Den beruflichen Anteil gewissenhaft schätzen, ggf. auf 50 %.

5. Belege sind nicht mit einzureichen, nur auf gesonderte Aufforderung.

6. Ja, sehr viele, eine genaue Auflistung würde aber den Rahmen dieses Forums sprengen – etwa wie die Antwort auf die Frage: “Herr Doktor, was kann ich noch tun um gesund zu leben?”

Von: notre
Uhr
Danke für die humorvolle und doch ausführliche Antwort! In einigen Punkten habe ich noch kleinste Fragen, muss mich aber erst selbst reanimieren. Mein Dank sollte jedoch schon einmal vorweg gehen… 😉

Von: Kexel
Uhr
… tja, Steuerrecht sollte halt nicht immer so trocken rüber kommen.
Danke – dass es gefällt.