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Differenzbesteuerung oder Regelbesteuerung

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenDifferenzbesteuerung oder Regelbesteuerung

Uhr
Von: Amelie
6 Antworten
Ich habe eine interessante Frage zu diesem Thema und im Internet noch nichts vergleichbares gefunden. Folgende Situation:

Unternehmer A (differenz und regelbesteuerungsfähig) handelt mit Elektrogeräten und kauft von einer Privatperson einen Laptop. Bei Übergabe des Gerätes stellt A fest, dass die beiliegende Rechnung zur Metro (Kaufhaus für Unternehmer) gehört. Auf Nachfrage wird erklärt, dass der Onkel (Unternehmer B) mit Regelbesteuerung diesen als Geschenk an Privatperson weitergab. Die Rechnung liegt bei B´s Steuerberater. EK war vor 1,5 Jahre; Kaufpreis 400 Euro.
Kann A diesen nun differenzbesteuert weiterverkaufen?
Was ist wenn A diesen als Privatentnahme für sich nutzen möchte?
Was ist wenn A diesen in seinem eigenen Betrieb einsetzen möchte?

Herzliche Grüsse und vielen Dank für die Antworten 😉

Amelie

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Bundesfinanzministerium wrote:
Umsatzsteuer-Anwendungserlass
Abschnitt 25a

(2) Der Anwendungsbereich der Differenzbesteuerung ist auf Wiederverkäufer beschränkt. Als Wiederverkäufer gelten Unternehmer, die im Rahmen ihrer gewerblichen Tätigkeit üblicherweise Gebrauchtgegenstände erwerben und sie danach, gegebenenfalls nach Instandsetzung, im eigenen Namen wieder verkaufen (gewerbsmäßige Händler) …
(5) Die Differenzbesteuerung setzt … ferner voraus, dass für die Lieferung des Gegenstands an den Wiederverkäufer Umsatzsteuer im Gemeinschaftsgebiet nicht geschuldet oder nach § 19 Abs. 1 UStG nicht erhoben oder die Differenzbesteuerung im Gemeinschaftsgebiet vorgenommen wurde. Der Wiederverkäufer kann die Regelung danach anwenden, wenn er den Gegenstand im Inland oder im übrigen Gemeinschaftsgebiet erworben hat von
1. einer Privatperson
oder einer juristischen Person des öffentlichen Rechts, die nicht Unternehmer ist;

Quelle: http://www.steuerlinks.de/richtlinie/ustae/abs25a.1..html

Die Voraussetzungen für eine Differenzbesteuerung sind erfüllt. Von wem die Privatperson den Gegenstand vorher erworben hat spielt keine Rolle.

Soll der Gegenstand Privat genutzt werden, wird er erst gar nicht in der Buchhaltung erfasst. Der Ankauf wird direkt als Privat(entnahme) behandelt.

Wird der Gegenstand im Unternehmen eingesetzt, wird er wie jeder andere im Unternehmen genutzte Gegenstand behandelt. Ein Vorsteuerabzug besteht nicht, da Kauf von Privat.

Von: Amelie
Uhr
Lieber Herr Kexel,

danke sehr.
Noch eine merkwürdige Frage eventuell: wie muss ich folgenden Passus verstehen:
“(5) Die Differenzbesteuerung setzt … ferner voraus, dass für die Lieferung des Gegenstands an den Wiederverkäufer…..”

Ich lasse mir oft die Artikel nicht liefern, sondern kaufe direkt. Darf man nur Ware, die geliefert wurde differenzbesteuert weiterverkaufen?

Herzliche Grüsse

Amelie

Von: Amelie
Uhr
sorry, ich war noch nicht fertig:

oder bedeutet dieser Passus, dass ich meine Fahrtkosten zum Abholen der gebrauchten Artikel nicht beim Vorsteuerabzug geltend machen kann.

LG

Amelie

PS: wieviele Fragen darf man eigentlich hier kostenfrei stellen?

Von: Amelie
Uhr
Oh, ich glaube heute bekomme ich die klare Frage nicht richtig formuliert. Aber ich möchte es noch einmal versuchen. In dem oben zitierten Passus, steht:
“(5) Die Differenzbesteuerung setzt … ferner voraus, dass für die Lieferung des Gegenstands an den Wiederverkäufer…..”
Nun, bedeutet dies, dass die gebrauchte Ware, die ich weiterverkaufen möchte angeliefert werden muss, oder ist es so, dass ich die Ware auch abholen kann? Denn das mache ich ja ständig: rumfahren auf Flohmärkten und bei Privatleuten, die inserierten.

Wortwörtlich bedeutet ja Lieferung, dass mir jemand etwas bringt.

Die Fahrtkosten zu den Kunden, denen ich etwas abkaufe, mache ich als Betriebsausgaben geltend. Ist das so korrekt?

Mit der Bitte um Verständnis, wenn ich manchmal zu unsauber formulieren kann, was ich meine.

Herzliche Grüsse

Ruth Dahl

Von: Kexel
Uhr

Lieferung ist hier im umsatzsteuerrechtlichen Sinne zu verstehen.

Quote:
§ 3 UStG – Lieferung, sonstige Leistung
(1) Lieferungen eines Unternehmers sind Leistungen, durch die er oder in seinem Auftrag ein Dritter den Abnehmer oder in dessen Auftrag einen Dritten befähigt, im eigenen Namen über einen Gegenstand zu verfügen (Verschaffung der Verfügungsmacht).

http://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__3.html

Also ist eine körperliche Lieferung im allgemein sprachgebrauchlichen Sinne nicht erforderlich.

Von: TorstenMo
Uhr
Zum Thema Differenzbesteuerung hatten wir in der Vergangenheit einen recht umfangreichen und wie ich meine informativen Artikel mit Beispielen. Würde mich auch interessieren, ob Steuerberater Kexel in diesem Artikel irgenwelche Fehler findet, da wir immer mal wieder per Kommentar darauf hingewiesen werden, dass irgendwelche Rechenbeispiele nicht stimmen, aber nur wenn er Zeit hat:

https://www.betriebsausgabe.de/blog/2009/03/19/so-werden-mit-der-differenzbesteuerung-gebrauchte-waren-bei-ebay-versteuert/