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Doppelte Haushaltsführung / Zweitwohnung im Eigentum / Renovierung bei Erstbezug

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenDoppelte Haushaltsführung / Zweitwohnung im Eigentum / Renovierung bei Erstbezug

Uhr
Von: Hans
10 Antworten
Hallo,

ich bin auf der Suche nach Rat/Erfahrungen zu folgendem Sachverhalt:

Bei einer doppelten Haushaltsführung, in der die Zweitwohnung im Eigentum des Steuerpfichtigen steht, nimmt er in Eigenregie Renovierungsarbeiten an der Zweitwohung vor, um diese bewohnbar zu machen.

Kann der Steuerpflichtigte die Übernahme der Materialkosten geltend machen? Man kann ja auch Einrichtungsgegenstände der Zweitwohnung geltend machen, deshalb denke ich, dass erst Recht auch Renovierungsaufwand absetzbar sein muss, der dazu dient, die Wohnung bewohnbar zu machen.

Denkbar ist aber auch, dass das FA sich auf den Standpunkt stellt, dass es sich bei den Materialrechnungen um haushaltsnahe Dienstleistungen handelt, bei denen Material gerade nicht absetzbar ist.

Kann mir hierzu jemand seine Erfahrungen mitteilen oder sonst einen Tipp geben, wie man den Sachverhalt einordnen sollte?

Ich freue mich über viele Beiträge und bedanke mich im voraus.
Hans

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

bei den Antworten zählt nicht die Quantität, sondern die Qualität.

Ein Blick in das Gesetz (oder Richtlinien) erleichtert dabei oft die Rechtsfindung.

Richtlinie 9.11 Absatz 8 Lohnsteuerrichtlinien:

Quote:
Notwendige Aufwendungen für die Zweitwohnung
1Als notwendige Aufwendungen für die Zweitwohnung sind deren tatsächliche Kosten anzuerkennen. 2Zu den notwendigen Aufwendungen für die Zweitwohnung gehört auch die für diese Wohnung zu entrichtende Zweitwohnungssteuer. 3Steht die Zweitwohnung im Eigentum des Arbeitnehmers, sind die Aufwendungen in der Höhe als notwendig anzusehen, in der sie der Arbeitnehmer als Mieter für eine nach Größe, Ausstattung und Lage angemessene Wohnung tragen müsste.

§ 35a Absatz 5 Satz 1 Einkommensteuergesetz
(Steuerermäßigung bei Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerleistungen):

Quote:
Die Steuerermäßigungen nach den Absätzen 1 bis 3 können nur in Anspruch genommen werden, soweit die Aufwendungen nicht Betriebsausgaben oder Werbungskosten darstellen …

Von: Hans
Uhr
Hallo Kexel,

vielen Dank für Deine Antwort.

Ich frage mich, ob durch die Richtlinie 9.11 Absatz 8 Satz 3 Lohnsteuerrichtlinien („Steht die Zweitwohnung im Eigentum des Arbeitnehmers, sind die Aufwendungen in der Höhe als notwendig anzusehen, in der sie der Arbeitnehmer als Mieter für eine nach Größe, Ausstattung und Lage angemessene Wohnung tragen müsste.“) auch die Kosten für die Erstrenovierung der Wohnung geltend gemacht werden können. Und hier eben auch die Materialkosten.

Wenn das FA das nämlich nicht so sieht, würde m.E. § 35a Absatz 5 Satz 1 Einkommensteuergesetz Anwendung finden. Hier werden aber eben gerade keine Materialkosten übernommen. Das würde dazuführen, dass ich, der die Renovierung in Eigenregie gemacht habe, keine Aufwendungen steuerlich geltend machen könnte.

Gibt es zu der RL vielleicht irgendwelche Durchführungsanweisungen oder Erfahrungsberichte? Ich verstehe Dich so, dass Du es so einschätzen würdest, dass die Erstrenovierung im Rahmen der Doppelten Haushaltsführung absetzbar sein müsste.

Nochmals vielen Dank für die Antwort. Ich hoffe, Du (oder ein anderer Teilnehmer) kannst mir auf meine Nachfrage eine Meinung liefern.

Viele Grüße
Hans

Von: Hans
Uhr
Hallo,

fällt jemandem zu Thema noch etwas ein? Ich bin für jede Anregung dankbar.

Vielen Dank.
Hans

Von: Kexel
Uhr

einfach die Kosten der Erstrenovierung bei den Werbungskosten als Kosten der Doppelten Haushaltsführung ansetzen. Es spricht sehr viel dafür, dass diese Kostenbugsfähig sind.

Sofern das Finanzamt ablehnt, kann man immer noch andere Argumente bringen oder im Negativfall die Kosten als haushaltnahe Handwerkerleistungen ansetzen.

Von: Hans
Uhr
Hallo,

aus gegebenen Anlass möchte ich das Thema nochmal ansprechen.

Welche Haltung habt ihr zu der Argumentation, dass die Kosten für die Erstrenovierung nicht erstattet werden können, da die fiktiven Mietkosten, die anerkannt worden sind, die maximale Grenze der Absetzbarket für eine Wohnung am Arbeitsplatz darstellen. Im Klartext: Wenn fiktive Mietkosten als Doppelte Haushaltsführung anerkannt wurden, können keine weiteren Kosten im Rahmen der Doppelten Haushaltsführung anerkennt werden. Die Kosten einer notwendigen Renovierungsarbeiten anlässlich des Bezuges seien durch die fiktiven Mietkosten abgegolten.

Ich meine, dass dies den Sachverhalt nicht trifft. Denn auch ein Mieter muss neben der Miete Renovierungsarbeiten durchführen. Diese sind selbstverständlich nicht von der Miete abgedeckt. Mir würde es sehr helfen, wenn jemand eine Verwaltungsvorschrift oder ein Urteil kennt, dass aussagt, dass ein Mieter neben den Mietkosten auch Kosten der Renovierung (oder irgendwelche anderen Kosten außer Mietnebenkosten) im Rahmen der Doppelten Haushaltsführung geltend machen kann. Denn wenn das bei einem Mieter geht, dann müsste das doch auch für einen Eigentümer gelten, oder???

Ich bin für jede Anregung dankbar.

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

konkrete Verwaltungsanweisungen oder Finanzgerichtsurteile gibt es nach meiner Recherche leider nicht.

Aber die bereits zitierte Lohnsteuerrichtlinie bessagt ja, „Als notwendige Aufwendungen für die Zweitwohnung sind deren tatsächliche Kosten anzuerkennen.“

Dies in Verbindung mit Ihrer meines Erachtens einleuchtenden Begründung, „Denn auch ein Mieter muss neben der Miete Renovierungsarbeiten durchführen“, sollte auch das Finanzamt überzeugen.

Wenn nicht, verbleibt nur der Weg über den Einspruch und das eigene Klageverfahren vor dem Finanzgericht.

Von: Hans
Uhr
Vielen Dank für die schnelle Antwort.

Kurze Nachfrage: Enstehen im Einspruchverfahren Kosten, die tragen muss? Und wie ist die Kostentragungspflicht bei einem gerichtlichen Verfahren?

Von: Kexel
Uhr

das Einspruchsverfahren ist für beide Seiten kostenfrei. Jeder hat nur seine eigenen Rechtsberatungskosten (z. B. Steuerberater) selbst zu tragen, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens. Es besteht aber keine Verpflichtung zur Vertretung durch einen Steuerberater (oder Rechtsanwalt).

Der anschließende Rechtszug, die Klage vor dem Finanzgericht ist hinhgegen kostenpflichtig. Allerdings besteht bei einem Sieg auch in der Regel ein Kostenersatzanspruch.

Von: Hans
Uhr
Nochmal danke, dann wollen mir mal sehen, was passiert…