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Eigenverbrauch Gastronomie/Einzelhandel

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenEigenverbrauch Gastronomie/Einzelhandel

Uhr
Von: cafe
5 Antworten
Hallo,

ich besitze ein kleines Café mit Einzelhandelswaren. Über die Pauschbeträge bin ich informiert, doch diese Summen sind sehr übertrieben für mein Essverhalten. Dafür, dass ich gerade mal 1-2 Tassen Kaffee am Tag trinke und evtl. mir in der Woche zwei Kuchen gönne, bin ich über die so hoch angesetzten Pauschalbeträge für den Eigenverbrauch/Entnahme etwas empört. Natürlich mag das für den einen od. anderen Betrieb wie Restaurants zutreffen, dass der Inhaber hier auch zu Mittag und Abend isst, doch dies ist bei mir nicht der Fall. Nachdem ich auch einen Steuerberater gefragt habe, meinte der, ich solle alles Aufzeichen. Das mache ich inzwischen auch sehr penibel. Doch zu welchen Beträgen kann ich die Tasse Kaffee denn ansetzen? Zum Einkaufspreis der Waren? Also 7g Kaffee und 100ml Milch?
Sehr selten entnehme ich Waren aus meinem Regal. Darf ich diese dann zum Einkaufspreis + Steuer als Eigenverbrauch ansetzen?

Ich bin ziemlich verzweifelt, weil ich hierüber im Internet viele verschiedene Antworten gelesen habe. Kann mir hier bitte jemand eine kompetente Antwort geben? Da ich all meine Steuersachen alleine mache und bisher mit allem klar gekommen bin, möchte ich in diesem Fall (Eigenverbrauch) nichts Falsches machen.

Besten Dank.

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Quote:
Nachdem ich auch einen Steuerberater gefragt habe

Sehr gut, warum sprechen Sie den nicht bezüglich Ihrer Bedenken an?
Dafür sind wir Steuerberater dar, um bezüglich steuerlicher Fragen und Probleme zu beraten.

Quote:
Ich bin ziemlich verzweifelt, weil ich hierüber im Internet viele verschiedene Antworten gelesen habe

Kein Wunder, denn Internet ist nicht gleich Steuerberater.
Im Internet tummeln sich sehr viele möchte gern Steuerberater, die aber nie eine entsprechende Ausbildung und Berufserfahrung durchlaufen und schon gar keine entsprechende Prüfung abgelegt haben. UND – die sind nicht haftpflichtversichert gegen mögliche Fehlberatung.

Aber bei Ihrem Problem und den Pauschbeträgen geht es auch um die Eingruppierung Ihres Cafés.
Bieten Sie überhaupt warme und/oder kalte Speißen zum Verzehr an? Wenn ja welcher Art?
Die Pauschbeträge beziehen sich immer auf den kompletten Bedarf. Dies bedeutet, es wird unterstellt, dass der – jeweils für die betreffenden Gruppe – gesamte Privatbedarf über das Unternehmen gedeckt wird. Kaufen Sie also auch noch ensprechende Lebensmittel privat ein (z. B. bei Discountern), so gehören diese Privateinkäufe – so seltsam es klingen mag – in den betrieblichen Wareneinsatz.

Von: cafe
Uhr
Den Steuerberater kann ich nicht mehr fragen, da dieser umgezogen ist und ich nun selber meine Steuer mache. Der “neue Steuerberater” hat mir nur mitgeteilt, dass ich vom Verkaufspreis der Waren so ca. 30-40% abziehen soll und diese dann ansetzen kann/darf. Doch hierzu habe ich so Verschiedenes gehört, dass ich nicht wirklich von der Antwort überzeugt war und auch vom Steuerberater!

Meine Quiche, die ich anbiete dürfte dann auch unter warme Speisen einzuordnen sein, doch mehr an warmen Speisen biete ich nicht an. Als kalte Speisen gibt es Feinkostsalate.

Meine privaten Einkäufe kaufe ich getrennt ein und diese Quittungen hebe ich ebenfalls auf. Es klingt wirklich seltsam, aber warum gehören diese in den betrieblichen Warteneinsatz?? Nun versteh ich gar nichts mehr!

Von: Kexel
Uhr

Quote:
Die Pauschbeträge beziehen sich immer auf den kompletten Bedarf. Dies bedeutet, es wird unterstellt, dass der – jeweils für die betreffenden Gruppe – gesamte Privatbedarf über das Unternehmen gedeckt wird.

Und wenn alles übers Unternehmen entnommen wird, was Privat benötigt wird, ja dann kann Privat nichts mehr gekauft werden.
Oder anders – der Privatbedarf geht über den Unternehmenseinkauf über die Warenpauschale wieder zurück ins Private, aber eben pauschal.

Oder – Variante 2 – Eigenverbrauch-Pauschalen abzüglich nachgewiesene private Einkäufe = betriebliche Entnahmen.

Von: cafe
Uhr
Vielen Dank für die bisherigen Antworten 😉

Was würde denn bei folgender Variante passieren:

Die nachgewiesenen privaten Einkäufe übersteigen in ihrer Summe die Eigenverbrauch-Pauschalen…mindert das dann meinen Gewinn? Oder wo ist die Grenze nachgewiesener privater Einkäufe?

Von: joesto
Uhr
Hallo,
wie Herr Kexel es in seiner ersten Variante sehr einleuchtend dargestellt hat: man nimmt einfach zum Wareneinkauf auch alle privat gekauften Lebensmittel dazu, dann mindert der private Verbrauch tatsächlich den Gewinn, weil die Pauschale ja niedriger ist als die Summe der privaten Einkäufe. Aber so sind sie nun mal, die Pauschalen: Sie durchbrechen die Logik und führen oft zu unvorhergesehenen Ergebnissen.

Andererseits würde ich dann vorsichtigerweise die Privatbelege nur bis zur Höhe der Pauschale geltend machen – aber die restlichen Belege bis zu einer Prüfung des Finanzamtes aufbewahren und sie dabei geltend machen. Dann prüft das Finanzamt bei Ihnen mit ziemlicher Sicherheit nie wieder …

Das ist natürlich nur meine persönliche Ansicht.