≡ Menu
Fragen »

Firmenwagen – Abrechnung nach Pauschale 0,30€ erlaubt?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenFirmenwagen – Abrechnung nach Pauschale 0,30€ erlaubt?

Uhr
Von: Stefan999
8 Antworten
Hallo,

meine Frage bezieht sich auf die Kfz-Kosten in der Einkommensteuererklärung und Umsatzsteuererklärung.

Kurz zur Ausgangssituation:
-privates Auto ging vor Jahren in Betriebsvermögen über, da überwiegend betriebliche Nutzung
-2011 wurde Fahrzeug zu 91% betrieblich genutzt, kann mit Belegen nachgewiesen werden

Meines Wissens nach kann man die Kfz-Kosten entweder nach der 1% Methode oder man nimmt die tatsächlichen Kosten mit Fahrtenbuch und macht diese dann als Betriebsausgabe dem Finanzamt gegenüber geltend.

Kann man aber auch die tatsächlichen Kosten in der Einkommensteuererklärung weglassen und setzt entsprechend der 91% betrieblichen Kilometer die Pauschale von 0,30€ an? Oder macht einem da ein Finanzbeamter einen Strich durch die Rechnung?

Wenn das geht, kann ich dann in der Umsatzsteuererklärung trotzdem die tatsächlichen Kosten als Vorsteuer ansetzen?

Danke im voraus für die Antworten

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

nicht die Kfz-Kosten werden nach der 1%-Regelung oder Fahrtenbuch-Methode ermittelt, sondern der Privatanteil.

Ein Ansatz der Reisekostenpauschale von 0,30 EUR pro Kilometer ist dagegen bei einem zum Betriebsvermögen gehörenden Fahrzeug nicht zulässig.

Von: Stefan999
Uhr
Wenn das Fahrzeug im Betriebsvermögen ist, aber im Folgejahr unter 50% betrieblich genutzt wird, muss ich dann weiterhin die tatsächlichen Kosten geltend machen oder könnte ich dann die Km-Pauschale geltend machen?

Mein hauptsächliches Problem zur Zeit ist, dass ich von meinen Auftraggebern als KM-Pauschale 6000 € erhalten habe, die sich natürlich gewinnerhöhend auswirken. Ich dieser Pauschale, aber nur 4000€ an tatsächlichen Kfz-Kosten gegenüberstellen kann. LEIDER erlaubt das Finanzamt nicht, das ich die eingenommene KM Pauschale als gleichzeitigen Aufwand gegenrechne und dafür auf die tatsächlichen Kfz-Kosten verzichte. Sprich annehmen, dass die eingenommene KM-Pauschale den ausgegebenen Kfz-Kosten entspricht.

Obwohl ich es nicht ganz nachvollziehen kann, dass das Finanzamt pauschal nein sagt. In der erhaltenen KM-Pauschale von 6000€ sind die Benzinkosten, laufende Kfz-Kosten, Reparaturen, etc…. und der Verschleiß enthalten. Den Verschleiß kann ich aber in der Einkommensteuererklärung nicht im Gegenzug geltend machen. Jetzt sagen sie vielleicht doch über die Abschreibung. Die fällt bei meinen geringen Kaufpreis des Kfz aber sehr gering aus. Oder gibt es noch andere Möglichkeiten den Verschleiß geltend zu machen?

Das will mir persönlich halt nicht in den Kopf, das mir meine Auftraggeber eine Pauschale für meine Kfz-Nutzung bezahlen, mit der für mich alle Kfz Kosten abgegolten sind, ich diese aber nicht 1:1 dem Finanzamt gegenüber geltend machen kann. Das Finanzamt sogar noch Profit daraus zieht!

Von: Kexel
Uhr

Quote:
Wenn das Fahrzeug im Betriebsvermögen ist, aber im Folgejahr unter 50% betrieblich genutzt wird, muss ich dann weiterhin die tatsächlichen Kosten geltend machen oder könnte ich dann die Km-Pauschale geltend machen?

Ja, aber nur wenn das Fahrzeug vorher steuerpflichtigt zum Verkehrswert aus dem Betriebsvermögen ins Privatvermögen überführt worden ist. Da stellt sich die Frage was steuerlich, finanziell und verwaltungstechnich günstiger ist.

Quote:
Mein hauptsächliches Problem zur Zeit ist, dass ich von meinen Auftraggebern als KM-Pauschale 6000 € erhalten habe, die sich natürlich gewinnerhöhend auswirken.

Ob Sie von Ihren Auftraggebern Fahrtkosten direkt ersetz bekommen oder diese in Ihren Leistungs-/Produktpreis einrechnen ist steuerlich egal, da hat das Finanzamt einfach nur Recht.

Quote:
Das will mir persönlich halt nicht in den Kopf, das mir meine Auftraggeber eine Pauschale für meine Kfz-Nutzung bezahlen, mit der für mich alle Kfz Kosten abgegolten sind, ich diese aber nicht 1:1 dem Finanzamt gegenüber geltend machen kann. Das Finanzamt sogar noch Profit daraus zieht!

Wer hier Profit ziehen möchte sind Sie. Da die Kostenerstattungen höher sind als Ihre Ausgaben entsteht nun mal ein Gewinn. Wenn Sie der Meinung sind, das Ihre Kosten gleich hoch sind, dann haben Sie das nunmal gegenüber dem Finanzamt nachzuweisen. Und der Nachweis erfolgt anhand der tatsächlichen Ausgaben. so wie es im Prinzip alle Unternehmer/n machen.

Von: Stefan999
Uhr
Also muss, um überhaupt in den Genuss der KM-Pauschale zu kommen, das Fahrzeug aus dem Betriebsvermögen raus?

Egal ob betriebliche Nutzung unter 50%?

Von: Kexel
Uhr

ja, aber steuerpflichtige Entnahme zum aktuellen Verkehrswert (= Betriebseinnahme).

Von: Stefan999
Uhr
1. Das würde für mich heißen ich muss den aktuellen Verkehrswert nehmen, z.B. 1000€ und darauf die USt berechnen also gesamt 1190€ und muss dies bei mir als Betriebseinnahme verbuchen?

2. Ich darf nicht den tatsächlichen Wert z.B. 500€ aufgrund von Rost, hohen km, usw. nehmen? Wenn ja, wäre das meines erachtens nach unfair, da ich dem Finanzamt die tatsächlichen Kosten erbringen muss, umgekehrt geht das Finanzamt mit fiktiven Werten ran.

3. Wie würde es ausschauen, wenn ich das Fahrzeug im Betriebsvermögen an einen Bekannten für 1€ verkaufe? Kann das Finanzamt sagen, pech gehabt, sie verbuchen den Verkehrswert als Betriebseinnahme?

Von: Kexel
Uhr

der aktuelle Verkehrswert ist der Wert den das Fahrzeug in seinem aktuellen Zustand bei einer Veräußerung im allgemeinen Wirtschaftsverkehr (also an einen fremden Dritten) erzielen würde.

Wie Sie da auf unterschiedliche Werte kommen kann ich nicht nachvollziehen.

Eine Veräußerung zu 1 EUR ist unrealistisch. Dank oder leider Internet kann sich das Finanzamt einfach und schnell einen Überblick über die Bandbreite des Verkehrswerts verschaffen.

Von: Stefan999
Uhr
Punkt 2 hat sich nach der Definition ihrerseits des Verkehrswertes erledigt.

Es gibt ja immer mehrere Ansichten, wie viel ein Fahrzeug noch wert ist. Nur weil ein Fahrzeug an Wert hoch geschätzt wird, heißt es nicht, dass man es für diesen Preis auch verkaufen kann.

Ich danke ihnen für die ausführlichen Antworten.