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Frühstueck im Büro

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenFrühstueck im Büro

Uhr
Von: emdici
5 Antworten
Hallo,

ich habe in meiner Firma 2 Freiberufler und 2 Praktikanten (6 Monatspraktikum)
Für das Betriebsklima wird jeden morgen eingekauft und gefruehstueckt.
Durchschnittlich 10 Eur pro Tag, Kaffee, Broetchen, Lätta , Marmelade Wurst Milch Kaffee, etc…

Kann ich diese Kosten als Personalkosten absetzen, obwohl ich kein “echtes” Personal habe? Ich hoerte von eienr 40Eur/ Kopf Regelung / Monat / Mitarbeiter. Trift dies zu? Wenn ja gibt es einen gesetzestext dazu der das belegt?
Mein Steuerbuero weigert sich diese Einkaufsquittungen zu buchen.

Vielen dank für einen Hinweis.

LG
Tom

Von: TorstenMo
Uhr
Hallo emdici,

Quote:
Mein Steuerbuero weigert sich diese Einkaufsquittungen zu buchen.

Dann würde ich den Berater wechseln 😆 wenn ich als Mandant sage, dass das gebucht wird, sollte der Berater das auch tun. Er kann sich ja einen Aktenvermerk machen, dass er auf ein Problem hingewiesen hat, aber weigern, dazu ist der Kunde zu viel König bzw. Kaiser.

Bin zwar kein Steuerberater, würde das aber unter dem Stichwort https://www.betriebsausgabe.de/aufmerksamkeiten-127.html buchen, daher als Betriebsauasgaben erfassen, denn 10 EUR am Tag ist nicht wenig, aber auch keine unangemessene Ausgabe für Frühstück bei der Anzahl von Arbeitnehmern.

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

also “nun mal langsam mit den kleinen Pferden”.

Der Kunde sollte zwar König oder Kaiser sein, aber ein Steuerberater ist gesetzlich verpflichtet seinen Beruf unabhängig , eigenverantwortlich und gewissenhaft auszuüben.

Insoweit kann er die Wünsche seiner Mandanten nur ausführen, wenn er dies auch selbst verantworten kann.

Ein Steuerberater berät seine Mandanten um die für ihn (den Mandanten) steuerlich (und wirtschaftlich) günstigste Lösung zu finden, er ist KEIN Steuerhinterziehungsberater. Seine Haftungsverpflichtung (und/oder Beihilfe zur Steuerhinterziehung) ist nicht dadurch ausgeschlossen, dass ihn sein Mandant schriftlich dazu verpflichtet hat, das eine oder andere so oder so zu behandeln.

Was die Kosten für das Frühstück angeht, so ist die Sache nicht ganz so einfach zu lösen.

Vom Prinzip her liegen Betriebsausgaben vor.

Da aber regelmäßig ein komplettes Frühstück zur Verfügung gestellt wird, könnte auf Seiten der Arbeitnehmer ein steuer- und sozialversicherungspflichtiger Sachbezug vorliegen. Unbezahlte Praktikanten können da sehr schnell zu bezahlten Arbeitnehmern werden, mit allen steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Konsequenzen.

Also muss genauer geprüft und abgewogen werden.

Dreh- und Angelpunkt, und damit des Rätsels Lösung, könnten die beiden Freiberufler sein. Vorausgesetzt es handelt sich nicht um (scheinselbständige) Arbeitnehmer, könnte das Ganze (das Frühstück für alle Personen) als Bewirtung von Personen aus geschäftlichem Anlass anzusehen sein. Damit wären nach § 4 Abs. 5 Nr. 2 EStG 70% der Kosten als Betriebsausgaben abzugsfähig. Es würde kein steue- und sozialversicherungspflichtiger Lohn vorliegen. Die Vorsteuer wäre, bei bestehnder Umsatzsteuerpflicht, in voller Höhe abzugsfähig.

Quote:
Einkommensteuerrichtlinien:
Keine Bewirtung liegt vor bei der Gewährung von Aufmerksamkeiten in geringem Umfang (wie Kaffee, Tee, Gebäck), z. B. anlässlich betrieblicher Besprechungen, wenn es sich hierbei um eine übliche Geste der Höflichkeit handelt; die Höhe der Aufwendungen ist dabei nicht ausschlaggebend.

Da es sich aber um ein komplettes Frühstück handelt, liegt meines Erachtens keine Aufmerksamkeit, sondern eine Bewirtung vor.

Quote:
Einkommensteuerrichtlinien:
Der Nachweis der Höhe und der betrieblichen Veranlassung der Aufwendungen durch schriftliche Angaben zu Ort, Tag, Teilnehmer und Anlass der Bewirtung sowie Höhe der Aufwendungen ist gesetzliches Tatbestandsmerkmal für den Abzug der Bewirtungsaufwendungen als Betriebsausgaben.

Dies bedeutet, eine steuerliche Anerkennung ist nur möglich, wenn für jede einzelne Bewirtung, für jedes Frühstück, ein entsprechender Nachweis (Aufzeichnung) vorliegt, der unter anderem die Namen aller teilnehmenden Personen und den genauen Anlass der Bewirtung enthält.

Eine blose Weigerung die Belege zu buchen ist jedenfalls keine korrekte Lösung. Im Normalfall erläutert der Steuerberater wieso, weshalb, warum etwas steuerlich nicht erfasst werden kann bzw. welche negativen Folgen eine Erfassung mit sich bringen würde. Ein Steuerberater berät seinen Mandanten eben, und dass auch bei Kosten von 10 Euro.

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de

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Für ein umfassende Beratung stehen wir gerne zur Verfügung.

Von: TorstenMo
Uhr
Sehen Sie emdici, da zeigt sich der Unterschied zu einem Unternehmensberater und SEO wie mir. Daher kann ich bei derartig verzwickten Rechtsfällen oder bei Streitigkeiten immer nur eine zusätzliche Beratung bei einem anderen Steuerberater empfehlen. Dann wird sich der bisherige Steuerberater schon überlegen, ob man nicht doch etwas besser, intensiver und mandantenorientierter beraten sollte. Also, viel Erfolg weiterhin. Noch ne Frage: Wann arbeiten Sie und Ihre Mitarbeiter, wenn sie tgl. frühstück machen 🙄 oder arbeiten Sie regelmäßig länger?

Von: Kexel
Uhr
Quote:
Noch ne Frage: Wann arbeiten Sie und Ihre Mitarbeiter, wenn sie tgl. frühstück machen oder arbeiten Sie regelmäßig länger?

Dieser vermutlich scherzhaft gemeinten Frage möchte ich eine ernst gemeinte hinzufügen:

Lässt sich die Verbesserung des Betriebsklimas durch das Frühstück irgendwie messen?
Zum Beispiel in Freundlichkeit gegenüber Kunden und Kollegen, weniger Fehler als ohne Frühstück, effizienteres Arbeiten, etc.?

Für Ihre persönliche, wenn auch vermutlich subjektive, Einschätzung danke ich im Voraus.

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de

Von: Bastian09
Uhr
Wusste gar nicht, dass das steuerlich so streng gehandhabt wird. Das man da dann theoretisch jeden Tag genaue Angaben zu Anlass und teilnehmenden Personen machen muss, das ist echt jede Menge Arbeit. Da ist es vielleicht sinnvoller, wenn das gleich privat bezahlt wird.