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gründung einer UG/Vorsteuerabzug vorweggenommene Betriebsausgaben

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

Fragengründung einer UG/Vorsteuerabzug vorweggenommene Betriebsausgaben

Uhr
Von: Uli1967
3 Antworten
Gründung einer UG haftungsbeschränkt.

Wenn die Firma Anfang Juli oder August gegründet wird und dafür werden vorab schon Messgeräte, Pkw und sonstige Notwendigkeiten gekauft um dann sofort loslegen zu können, können die Rechnungen ja nur auf die Einzelperson, auf den künftigen Gesellschafter/Geschäftsführer ausgestellt werden.

Was passiert mit dem vorweggenommenen Betriebsausgaben? Vorallem mit dem Vorsteuerabzug für diese Ausgaben? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit des Vorsteuerabzugs?

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

wer keine Probleme hat sucht sich welche!?

Eine UG (haftungsbeschränkt) ist eine Sonderform der GmbH, also eine Kapitalgesellschaft.

Wesen der UG (haftungsbeschränkt) ist unter anderem, dass
– sie mit wenig Eigenkapital, ab 1 EUR und
– sehr schnell gegründet werden kann.

Wenn Sie denn – nach einer ausführlichen Beratung durch einen Steuerberater – immer noch eine UG (haftungsbeschränkt) gründen wollen, warum bis Juli/August warten?

Zum Notar gehen, Mustervertrag unterschreiben und fertig ist die UG (haftungsbeschränkt) und die Rechnungen für Anschaffungen können direkt auf die UG (haftungsbeschränkt) ausgestellt werden. Damit auch keine Probleme mit Vorgründungsgesellschaft etc.

Von: Uli1967
Uhr
Hallo,

vielen Dank für die Antwort.
Sie sprechen ein wahres Wort gelassen aus, aber die Probleme werde nicht gesucht, die kommen auch so.

Diese Form der Unternehmung wurde bewusst gewählt, da in dem Bereich “gesicherte Stromversorgung ” dies quasi “erforderlich” ist. Für die Gründung einer GmbH reichen im Moment die finanziellen Mittel nicht aus.

Warum bis Juli/August noch warten?
a) weil das Arbeitsverhältnis noch nicht gelöst ist
b) um eventuell in den Genuss des Existenzgründungszuschusses zu gelangen.
Zweiteres ist wohl das Handicap, welches das Vorhaben etwas schwieriger vom Zeitablauf gestaltet.

Entnehme ich dann Ihrer Antwort richtig, dass bei so einer Konstellation keine Möglichkeit gegeben ist, die Vorsteuer, bei den vor Gründung entstandenen Ausgaben, geltend machen zu können?

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Quote:
Entnehme ich dann Ihrer Antwort richtig, dass bei so einer Konstellation keine Möglichkeit gegeben ist, die Vorsteuer, bei den vor Gründung entstandenen Ausgaben, geltend machen zu können?

Nein, es gibt sehr wohl Möglichkeiten den Vorsteuerabzug zu sichern.

Es könnte zum Beispiel ähnlich ablaufen wie es der Kollege StB Roland Ecke in einem anderen Beitrag geschildert hat, nur halt mit einer UG (haftungsbeschränkt), statt einer OHG:

Quote:
Beispiel:
A und B wollen eine UG (haftungsbeschränkt) Personengesellschaft “A&B OHG” gründen. GmbH KG oder GbR gingen selbstverständlich auch.

A kauft schon mal die notwendige Maschine, weil die gerade günstig zu haben ist, für 1.190 brutto.

A lässt sich eine Rechnung auf “A” ausstellen, denn die UG (haftungsbeschränkt) A&B OHG gibt es ja nicht. In der UStVA gibt er die 190 Euro als Vorsteuern an.

Die Ausgaben für die Maschine (hier dann wohl die AfA) fallen ebenfalls bei A an. Da die Maschine aber für die UG (haftungsbeschränkt) OHG angeschafft wurde, stellt A sie der UG (haftungsbeschränkt) OHG zur Verfügung.

Fall a) unentgeltlich:
Die AfA für die Maschine sind Sonder-BA, sie werden steuerrechtlich im ersten Schritt der OHG zugerechnet, im zweiten Schritt wieder auf den A verteilt.

Fall b) entgeltlich:
Wie a), nur dass die eingenommene Miete bei A Sonder-Betriebseinnahme ist. Die Umsatzsteuer, die auf die Miete entfällt, hat A selbst anzumelden und abzuführen, weil es, wie erwähnt, in der Umsatzsteuer keinen Sonderbereich gibt.

Eine andere Möglichkeit ergibt sich aus einem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 15.07.2004 (Az. V R 84/99):

Quote:
Vorsteuerabzug für Vorgründungsgesellschaft
Eine zur Gründung einer Kapitalgesellschaft errichtete Personengesellschaft * (sog. Vorgründungsgesellschaft ), die nach Gründung der Kapitalgesellschaft die bezogenen Leistungen in einem Akt gegen Entgelt an diese veräußert und andere Ausgangsumsätze von vornherein nicht beabsichtigt hatte, ist zum Abzug der Vorsteuer für den Bezug von Dienstleistungen und Gegenständen ungeachtet dessen berechtigt, dass die Umsätze im Rahmen einer Geschäftsveräußerung nach § 1 Abs. 1 a UStG nicht der Umsatzsteuer unterliegen. Maßgebend sind insoweit die beabsichtigten Umsätze der Kapitalgesellschaft.

* (soweit es sich um eine aus mehreren Gesellschaftern bestehende Kapitalgesellschaft handelt oder ein Einzelunternehmen, wenn es sich später um eine Kapitalgesellschaft mit einem Gesellschafter handelt)
Allerdings sind hierbei die gesellschaftsrechtlichen Besonderheiten der verdeckten Sacheinlage bzw. verschleierten Sachgründung zu beachten.

Also, in jedem Fall vorher durch einen Steuerberater persönlich beraten lassen!
Denn man kommt zwar einfach, kostengünstig und schnell in eine UG (haftungsbeschränkt), aber die Unterhaltung und spätere Auflösung sind mit verhältnismäßig hohem Verwaltungsaufwand und höheren Kosten, als bei einem Einzelunternehmen oder Personengesellschaft verbunden.