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Kamera (privat) + Objekt (gewerblich)

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenKamera (privat) + Objekt (gewerblich)

Uhr
Von: Pfoto
6 Antworten
Hallo,

erstmal danke für dieses Forum, habe schon viel lernen können und sehe, dass ich nicht alleine bin mit meinen Fragen…

Ich habe folgendes Problem:

Beruflich bedingt habe ich mir eine gebrauchte Spiegelreflex gekauft (o. Vorsteuer).
Dazu über einen Händler ein Objektiv (also könnte ich die Vorsteuer geltend machen)

ABER:
Nehme ich nun die Spiegelreflex zu meinen Betriebsgütern auf, muss ich bei Verkauf ja 19% MwSt ausweisen — obwohl ich keine Vorsteuer geltend machen konnte. Da die Kamera sowieso nur für den Übergang gedacht war (bis neues Modell erscheint), wollte ich diese also im Privatbesitz belassen.

Sehe ich es richtig, dass ich das Objektiv nun jedoch nicht nachvollziehbar für das FA als Anlagevermögen aufnehmen darf, da ja offiziell gar keine dazugehörige Kamera dafür existiert?
Oder wäre es glaubthaft bzw. gültig zu sagen, dass ich in ein paar Monaten eine passende Kamera dazukaufen möchte?

Ergänzend die Frage:
Gibt es keine offizielle Möglichkeit, den Nachteil eines Unternehmers auszugleichen, der entsteht, wenn er Waren ohne MwSt. einkauft, jedoch bei Verkauf die Mwst. im Preis ausweisen muss?
Oder heißt das einfach nur: Kaufe halt keine Waren ohne Mwst. ein!

Muss ich eigentlich zwingend eine Gegenstand, den ich viel auch beruflich nutze (wie z.B. diese Kamera) in mein Betriebsvermögen aufnehmen?

Ohje, ich hoffe, dass war nicht zu viel….
Im Voraus Danke für jeden Hinweis dazu.

Gruß
Jürgen

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

also mal ganz langsam der Reihe nach

– Wird ein Wirtschaftsgut, zum Beispiel eine Kamera, zu mehr als der Hälfte ihrer Benutzung, zu betrieblichen Zwecken genutzt, stellt sie sogenanntes notwendiges Betriebsvermögen dar und ist im Betriebsvermögen aufzunehmen. Für eine eventuelle Privatnutzung sind die Einnahmen anteilig zu erhöhen.

– Kann glaubhaft dargelegt werden, dass die Kamera zu mehr als 50 % privat genutzt wird, das Objektiv aber zu mehr als 50 % betrieblich, dann können beideauch getrennt behandelt werden. Z. B. einfache Kamera für Familienfotos und besonderes Objektiv für Aufnahme von gewerblichen Objekten/Motiven.

– wir eine Ware ohne Umsatzsteuer eingekauft, dann sollte sich in aller Regel kein Nachteil ergeben, da die Einkaufskosten von Privat unter dem Händlerpreis liegen sollten, sonst macht es ja keinen Sinn von Privat zu kaufen. Also Privateinkauf nur dann, wenn der Preis maximal dem Netto-Händlerpreis entspricht. Dann gibt es auch keine Nachteile beim Verkauf. Der Verkauf ist immer umsatzsteuerplichtig, unabhängig vom Einkauf (mit oder ohne Umsatzsteuer).

Von: Pfoto
Uhr
Achso ist das; wieder etwas klüger 😉
Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!

Von: wiseman
Uhr
Ich hoffe das liest noch jemand nach so langer Zeit 😉

Dazu eine kleine Abwandlung.
Wie oben jedoch wird Wirtschaftsgut wird mit MWst gekauft, Vorsteuerabzug wird geltend gemacht.

Die Kamera wird zu mehr als der Hälfte ihrer Benutzung zu betrieblichen Zwecken genutzt – folglich ist sie notwendiges Betriebsvermögen und wird über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer (7 Jahre wg. der Tabelle) abgeschrieben.

Nun ist mir folgender Fall untergekommen:

Der EÜR-Rechner versteuert jährlich den Prozentsatz der Eigennutzung als Einnahme (als Prozentsatz der Jahres-AFA) und gibt diesen in der EÜR als “sonstige Sach- Nutzungs- und Leistungsentnahme” an (und zzgl. die darauf entfallende Umsatzsteuer.

Ich bin einigermaßen perplex. Wird das in der Praxis immer so gehandhabt?

Steuerberater Kexel wrote:
– Wird ein Wirtschaftsgut, zum Beispiel eine Kamera, zu mehr als der Hälfte ihrer Benutzung, zu betrieblichen Zwecken genutzt, stellt sie sogenanntes notwendiges Betriebsvermögen dar und ist im Betriebsvermögen aufzunehmen. Für eine eventuelle Privatnutzung sind die Einnahmen anteilig zu erhöhen.

– Kann glaubhaft dargelegt werden, dass die Kamera zu mehr als 50 % privat genutzt wird, das Objektiv aber zu mehr als 50 % betrieblich, dann können beideauch getrennt behandelt werden. Z. B. einfache Kamera für Familienfotos und besonderes Objektiv für Aufnahme von gewerblichen Objekten/Motiven.

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

wiseman schrieb:

Quote:
Der EÜR-Rechner versteuert jährlich den Prozentsatz der Eigennutzung als Einnahme (als Prozentsatz der Jahres-AFA) und gibt diesen in der EÜR als “sonstige Sach- Nutzungs- und Leistungsentnahme” an (und zzgl. die darauf entfallende Umsatzsteuer.
Ich bin einigermaßen perplex. Wird das in der Praxis immer so gehandhabt?

Es ist natürlich sehr stark einzelfallabhängig.
In der Praxis kommt es bei Arbeitnehmern häufig, bei Unternehmern eher selten vor, aber es kommt tatsächlich vor.

Von: wiseman
Uhr
Steuerberater Kexel wrote:
Hallo,

wiseman schrieb:

Quote:
Der EÜR-Rechner versteuert jährlich den Prozentsatz der Eigennutzung als Einnahme (als Prozentsatz der Jahres-AFA) und gibt diesen in der EÜR als “sonstige Sach- Nutzungs- und Leistungsentnahme” an (und zzgl. die darauf entfallende Umsatzsteuer.
Ich bin einigermaßen perplex. Wird das in der Praxis immer so gehandhabt?

Es ist natürlich sehr stark einzelfallabhängig.
In der Praxis kommt es bei Arbeitnehmern häufig, bei Unternehmern eher selten vor, aber es kommt tatsächlich vor.

Aber statthaft ist es? Gut – es verhält sich zumindest analog der Vorschrift, dass ein mehr als 50 Prozent betrieblich genutzter Gegenstand zum Betriebsvermögen gehört – und würde die Frage nach den “anderen” Teil beantworten. Was wohl der Betriebsprüfer zu sowas sagt?

Von: Kexel
Uhr


§ 4 Absatz 4 Einkommensteuergesetz

Quote:
“Betriebsausgaben sind die Aufwendungen, die durch den Betrieb veranlasst sind.”

Nicht mehr, aber auch nicht weniger.