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Private Übernachtung in der Schweiz

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenPrivate Übernachtung in der Schweiz

Uhr
Von: schokole
4 Antworten
Hallo zusammen,

ich habe eine Reihe an Fragen zur Abrechnung von privaten Übernachtungen, Hintergrund ist folgender:
Ich arbeite seit kurzem in der Schweiz und habe über einen Bekannten eine junge Dame (Studentin) vermittelt bekommen, welche mir Ihr Zimmer für die Semesterferien überlassen würde.

Mein Arbeitgeber hat eine Pauschale für Privatübernachtungen, die Abrechnung sollte kein Problem sein, aber ist dies steuerfrei?

Weitere Frage, kann ich als Deutscher mit einer Aufenthaltsgenehmigung ohne Probleme eine Zimmer mieten (muss ich noch was tun, wie beispielsweise mich irgendwo anmelden)?

Ach ja, ganz kostenlos ist das Zimmer nicht – kann ich Miete+Nebenkosten (oder soll ich Nutzungs/Überlassungskosten nennen?) anrechnen oder darf ich keine private Übernachtung pauschal angeben wenn ich etwas für zahle?

Sorry für die vielen Fragen :=)

Beste Grüße

Schoko

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

die Beantwortung Ihrer Fragen erfolgt auf der Grunlage deutschen Rechts, wie dies von schweizerischer Rechtsseite aus aussieht, ist mir nicht bekannt.

Die Erstattung von Übernachtungskosten durch einen deutschen Arbeitgeber bei Übernachtungen im Ausland kann ohne Einzelnachweis der tatsächlichen Aufwendungen mit Pauschbeträgen (Übernachtungsgeldern) lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei erfolgen.
Die Höhe der Pauschbeträge ist länderspezifisch, eine Auflistung finden Sie unter anderem hier http://www.steuernplusberatung.de/downloads.html.

Zur Beantwortung der weiteren Fragen werden mehr Informationen benötigt:

1. Handelt es sich um einen Arbeitgeber mit Sitz in Deutschland?
2. Haben Sie (auch) noch einen Wohnsitz in Deutschland?
3. Ist Ihr Beschäftigungsverhältnis befristet?

Von: schokole
Uhr
Vielen Dank für die Antwort! 🙂

In letzter Zeit habe ich ein Wenig die Fühler ausgestreckt und es kamen weitere Fragen auf. Doch zu erst die Beantwortung der gestellten Fragen:

1. Handelt es sich um einen Arbeitgeber mit Sitz in Deutschland?
Ja, in Baden-Würtemberg.

2. Haben Sie (auch) noch einen Wohnsitz in Deutschland?
Ja, in Hessen.

3. Ist Ihr Beschäftigungsverhältnis befristet?
Nein, der Arbeitsvertrag ist unbefristet.
Meine Beauftragung bei der schweizerischen Firma geht bis Ende des Jahres. Danach geht es wo anders hin.

So wie ich es im Internet gelesen habe (ja nicht alles wird wahr sein), kommt es nicht selten vor, dass Arbeitnehmer diese Pauschale nutzen, obwohl sie im Hotel sind. Da dieses Hotel günstiger als die Pauschale ist, stecken diese die Differenz ein.
Genauso wäre es auch bei mir mit einer WG / Wohnung. Die Pauschale wäre im Monat viel höher. Ist dies rechtens, weil es wie ein Zweitwohnsitz ist?

Und die Folgefrage, dürfte der Arbeitgeber verlangen, dass ich den Mietvertrag / Nutzungsvertrag rausgebe, damit dieser nicht mehr die Pauschale, sondern die Wohnung / das Zimmer zahlt?

Vielen dank für das Beantworten meiner Fragen! 🙂

Beste Grüße

Schoko

Von: Kexel
Uhr
http://www.haufe.de/steuern/

Quote:
Abweichen von Pauschbeträgen für Auslandsübernachtungen wegen “unzutreffender Besteuerung”

Bestehen Anhaltspunkte dafür, dass die tatsächlich angefallenen Kosten für Übernachtungen im Ausland die in den Richtlinien genannten Pauschbeträge nicht unwesentlich unterschreiten, darf die Verwaltung weitere Ermittlungen über die Höhe der dem Steuerpflichtigen erwachsenen Kosten anstellen und bei einem nicht unwesentlichen Unterschreiten den Ansatz der Pauschalen wegen der ansonsten vorliegenden offensichtlich unzutreffenden Besteuerung ablehnen.

Hintergrund:

Der in den BMF-Schreiben über die Pauschbeträge geregelte Dienstreisetypus stellt auf eine einzelne Dienstreise an einem einzelnen Tag durch eine einzelne Person ab. Anhaltspunkte für eine nicht unwesentliche Unterschreitung der Pauschbeträge bestehen daher bei Dienstreisen, in deren Rahmen zwei Personen über mehrere Tage, Wochen und sogar Monate immer wieder an den gleichen Orten den Dienstgeschäften nachgingen.

Im Urteilsfall waren zwei Mitunternehmer gemeinsam als Monteure auf Baustellen in den Niederlanden tätig. Sie erklärten Betriebsausgaben i.H.v. 23.200 EUR in Form von Pauschbeträgen für Übernachtungen, welche im Streitjahr für die Niederlande 100 EUR betrugen. Nachdem das Finanzamt die Höhe dieser Betriebsausgaben nicht anerkannt hat, wurde Einspruch eingelegt. Einspruchsbegründung: die Kosten seien in zutreffender Anwendung des entsprechenden BMF-Schreibens angesetzt worden, da es nicht immer möglich gewesen sei, entsprechende Belege vorzulegen. Die Baustellen hätten sich häufig geändert, so dass jede Woche eine neue Unterkunft hätte gesucht werden müssen. Das beklagte Finanzamt meint dagegen, der Ansatz der Übernachtungspauschalen führe zu einer unzutreffenden Besteuerung.

Entscheidung:

Die Klage ist unbegründet. Nach Auffassung des Gerichts hat die Klägerin keinen Anspruch auf Anwendung der Pauschalen für Übernachtungen im Ausland. Diese seien nämlich bei einer vom Normaltypus abweichenden Art der Dienstreise nicht bindend, wenn sie zu einer offensichtlich unzutreffenden Besteuerung führen würden. Während der in dem BMF-Schreiben geregelte Dienstreisetypus auf eine einzelne Dienstreise an einem einzelnen Tag durch eine einzelne Person abstellt, ist im Streitfall über mehrere Dienstreisen zu befinden, bei denen die Gesellschafter über mehrere Tage, Wochen und sogar Monate immer wieder an den gleichen Orten den Dienstgeschäften nachgingen. Da in solchen Fällen günstigere Konditionen angeboten oder zumindest ausgehandelt werden können, sind die Pauschbeträge für Übernachtungskosten auf diesen Dienstreisetypus nicht zugeschnitten. Da die Klägerin keinerlei Belege vorgelegt hat, wurden die Kosten der Auslandsübernachtungen mit lediglich ca. 30 EUR je Tag geschätzt.

(FG des Landes Sachsen-Anhalt, Urteil v. 13.1.2012, 1 K 1386/09)

Praxishinweis:

Das für die Steuerpflichtigen nachteilige Urteil ist für die Praxis von erheblicher Bedeutung, da sehr häufig bei Auslandsreisen auf die günstigen Pauschbeträge zurückgegriffen wird. Sinn und Zweck der Übernachtungspauschalen ist es, den Steuerpflichtigen von der Notwendigkeit zum Sammeln von Belegen zu befreien. Das Urteil des Gerichts widerspricht dem Vereinfachungsgedanken und fordert die Steuerpflichtigen letztendlich auf, doch die tatsächlichen Kosten nachzuweisen, da die genannten Voraussetzungen für die Anerkennung der Auslandspauschalen – eintägige Dienstreise einer einzelnen Person – unrealistisch sind. Es ist leider davon auszugehen, dass die Finanzämter in Zukunft die Übernachtungspauschalen kritischer beurteilen werden. Es sei noch darauf hingewiesen, dass das Hessische Finanzgericht (Urteil v. 16.3.2009, 11 K 1498/05, EFG 2009 S. 1836) immerhin bestimmt hat, dass die Anwendung der Pauschbeträge selbst dann nicht zu einer unzutreffenden Besteuerung führt, wenn die tatsächlichen Übernachtungskosten die Pauschalen um 40% unterschreiten.

Von: Kexel
Uhr

schokole wrote:
Weitere Frage, kann ich als Deutscher mit einer Aufenthaltsgenehmigung ohne Probleme eine Zimmer mieten (muss ich noch was tun, wie beispielsweise mich irgendwo anmelden)?

Zu der schweizerischen Rechtslage kann ich Ihnen leider keine Auskünfte geben, diese ist mir nicht bekannt.

schokole wrote:
Und die Folgefrage, dürfte der Arbeitgeber verlangen, dass ich den Mietvertrag / Nutzungsvertrag rausgebe, damit dieser nicht mehr die Pauschale, sondern die Wohnung / das Zimmer zahlt?

Da ist die Frage, was vereinbart wurde:
Erstattung Übernachtungskosten pauschal oder auf Nachweis?
Aber wenn der Arbeitgeber weiß, dass Sie eine Wohnung angemietet haben, dann schürt eine Nichtvorlage des Mietvertrags nur unnötiges Misstrauen.
Wenn Sie mit der Höhe Ihres Gehalts nicht zufrieden sind, sollten Sie dies Ihrem Chef offen sagen.