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Reisekosten als Freiberufler bei doppelter Haushaltsführung

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenReisekosten als Freiberufler bei doppelter Haushaltsführung

Uhr
Von: forgela
3 Antworten
Hallo,

mein Steuerberater hat mich etwas verwirrt, als er meinte, dass sich Reisekosten und doppelte Haushaltsführung praktisch ausschliessen.

Ich bin freiberuflicher Software-Engineer und habe derzeit ein Projekt bis voraussichtlich Ende 2012 in einer Entfernung von ca. 270 Kilometer zu meinem Wohnort (Mietwohnung, darin befindet sich auch mein Büro). Für einen erfolgreichen Abschluss des Projektes ist eine vor Ort Tätigkeit beim Kunden erforderlich (Projekt würde dann ca. 90% vom Jahresumsatz ausmachen). Soweit mir bekannt ist ergibt sich daraus KEINE regelmässige Arbeitsstätte (aktuelle Rechtssprechung). Um mir das stetige Hin und Her (Hotelsuche, stetiges “Umziehen”) zu ersparen plane ich, am Projektstandort eine Zweitwohnung zu suchen. Die Zweitwohnung wäre allerdings ca. 40 Kilometer vom Projektstandort entfernt (ist so deutlich billiger als Hotel in der Nähe vom Projektstandort, nähere Zweitwohnung wäre dann wieder teurer als Hotel). Die Zweitwohnung kann ich im Sinne der doppelten Haushaltsführung absetzen. Meiner Meinung nach kann ich die Fahrten von der Zweitwohnung zum Projektstandort jedoch als Reisekosten abrechnen (sind immerhin 80km täglich bei ca. 210 Tagen).

Hinweis: Alle Fahrten erfolgen mit KFZ. KFZ wäre dann ab diesem Jahr im Betriebsvermögen (>50%).

Fragen:
– Fahrten zwischen Hauptwohnung (inkl. Büro) und Zweitwohnung sind lediglich als Entfernungspauschale abzurechnen?
– Fahrten zwischen Zweitwohnung und Projektstandort sind als Reisekosten abzurechnen?

– Unabhängig von Reisekosten: Wäre das Büro am Hauptwohnort überhaupt noch absetzbar?

Vielen Dank für die Antworten.

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Quote:
mein Steuerberater hat mich etwas verwirrt, als er meinte, dass sich Reisekosten und doppelte Haushaltsführung praktisch ausschliessen.

Nein, das ist so. Eine doppelte Haushaltsführung setzt eine Zweitwohnung am Ort (oder in der Nähe) der regelmäßigen Arbeitsstätte voraus.

Wie Sie richtig schlussfolgern, haben Sie am Sitz Ihres Kunden keine eigene regelmäßige Arbeitsstätte. Damit sind alle Kosten im Zusammenhang mit der Auswärtstätigkeit = Reisekosten. Also keine Abzugsbeschränkung, zum Beispiel bei den Fahrtkosten sind Hin- und Rückfahrt abzugsfähig, und zwar sowohl von zu Hause zum Kunden, als auch von der “Zweitwohnung” zum Kunden und jeweils zurück.

Können Sie glaubhaft machen, dass Sie das Büro in Ihrer Hauptwohnung auch noch beruflich benötigen, zum Beispiel für Arbeiten am Wochenende oder zur Aktenaufbewahrung, dann stellen auch diese Kosten theoretisch Betriebsausgaben dar. Sie fallen jedoch dem Abzugsverbot zum Opfer, da Sie mit Sicherheit nicht nachweisen können, dass das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet.

Von: forgela
Uhr
Vielen Dank für Ihre Nachricht.

Ich habe verstanden, dass die Zweitwohnung somit überhaupt nicht als doppelte Haushaltsführung gewertet werden sollte (da diese ja eine regelmässige Betriebsstätte am Ort der Zweitwohnung voraussetzt), sondern quasi als Kosten für Unterbringung am Projektstandort (vergleichbar mit Hotelkosten). Außerdem sind sämtliche Fahrten als Betriebsausgaben zu betrachten.

Erkennt das FA denn einen Mietvertrag (Untermietvertrag) für die Zweitwohnung als Betriebsausgaben an oder gilt es hierbei, bei der Wohnung irgendwelche besonderen Gegebenheiten zu beachten? Sollte man die Zweitwohnung etwa besser durch eine Rechnung vom Vermieter abrechnen (da spielt sicherlich nicht jeder Vermieter mit)?

Vielen Dank für Ihre Antworten. Eine weitere Anfrage sende ich Ihnen in einer persönlichen Nachricht.

Von: Kexel
Uhr

nein, hier gibt es keine Besonderheiten, außer der allgemeinen Unangemessenheit. Hier könnte das Finanzamt mit der Rechtsprechung aus dem Bereich der doppelten Haushaltsführung argumentieren, nach der nur die Kosten angemessen sind, die üblicherweise bei einer Wohnung von 60 qm anfallen.

Ein Mietvertrag und der Nachweis der Mietzahlungen genügen.