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Reisekosten: Weiterberechnen oder selbst zahlen?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenReisekosten: Weiterberechnen oder selbst zahlen?

Uhr
Von: Freiberuflerin
3 Antworten
Bei Vertragsverhandlungen (bin Freiberufler) schlug mir mein künftiger Auftraggeber vor, dass es für meine Reisekosten (muss per Zug von meiner Stadt in die Firmen-Stadt kommen) zwei Möglichkeiten gibt. Nehmen wir an, die Zugkosten wären insg. 100 Euro.

Variante A: Als Honorar bekäme ich 500 Euro und müsste die Zugkosten selbst zahlen. Rechnungsbetrag wäre also 500 Euro glatt.

Variante B: Als Honorar bekäme ich 600 Euro, da wären die Zugkosten schon drin. Rechnungsbetrag wäre also 500 Euro Honorar plus 100 Euro Zugkosten.

Mein Auftraggeber sagt, ich hätte mehr von Variante A, weil ich “dann alles bei der Steuer zurückkriege”. Das sehe ich aber nicht so, weil das ja normale Betriebsausgaben sind, die ich nie als Geldwert zurückkriege (das mindert im Endeffekt höchstens meine Steuerschuld).

ICH würde Variante B nehmen, denn:
Ich hätte bei Variante A (wegen 100 Euro Auslagen) NUR einen “Gewinn” von 400 Euro, bei Variante B hingegen von 500 Euro.
Die Firma kann das doch bei der Steuer als Betriebsausgaben absetzen und würde besser damit fahren, wenn ich Variante B nehme (falls die Zugkosten nämlich mal bei 150 Euro liegen, müssten sie mir nur 450 Euro als Honorar zahlen – statt IMMER 500 Euro bei Variante A).

Ich finde das logisch, aber vielleicht bin ich einfach nur verwirrt.

Das Verzwickte ist ja, dass mir UND wohl auch dem Arbeitgeber Variante B finanziell besser passen würde, aber:

Der Arbeitgeber empfiehlt mir dringend Variante A. Ich frage mich immer, wo da mein Vorteil sein soll und ob der Auftraggeber nicht evtl. sogar einen eigenen, heimlichen Vorteil durch Variante A hätte, wenn er es mir schon so sehr ans Herz legt …

Welche Variante ist denn nun BESSER für MICH? Wie soll ich es machen?

Danke!

Von: TorstenMo
Uhr
Antwort B ist besser. Warum? Lassen Sie uns mal rechnen:

Variante A

Einnahmen: 500 EUR
Ausgaben: 100 EUR
Gewinn: 400 EUR

Variante B

Einnahmen: 600 EUR
Ausgaben: 100 EUR
Gewinn: 500 EUR

Gewinn Variante A < Gewinn Variante B

B ist besser. Was Ihre persönliche Steuersituation aus diesem Ergebnis macht, kann ich nciht sagen, denn ich kenne Ihren Grenzsteuersatz nicht. Selbst wenn bei Variante B Ihr Steuersatz 20 % beträgt und sie damit auch auf die 400 EUR kommen würden, so ist bei Variante A auch ein Steuersatz vorhanden, der die dort vorhandenen 400 EUR Gewinn nach Steuern schmälert.

Fazit: Ihr Auftraggeber versucht durch eine ziemlich oberflächlich überlegte Ausrede Geld zu sparen. Nehmen Sie B, denn zunächst wollen Sie doch einen hohen Gewinn erzielen, was das Finanzamt daraus später macht steht auf einem ganz anderen Blatt und wenn Sie einen guten Steuerberater haben, wird der auch den hohen Gewinn steueroptimiert über die Bühne bringen, stimmt´s Herr Kexel? :mrgreen:

Von: TorstenMo
Uhr

Von: Freiberuflerin
Uhr
Vielen Dank für die schnelle und tolle Antwort und die Links. Diese habe ich natürlich vorher auch schon angeschaut, aber mir erschien mein Fall so speziell, dass ich das anbringen wollte.

Mein logischer Menschenverstand weiß schon, was die richtige Variante ist und wobei mehr Gewinn herausspringt, aber mein Auftraggeber hat mich so extrem verunsichert …
Ihr Zitat scheint also vielleicht zu passen:

“Ihr Auftraggeber versucht, durch eine ziemlich oberflächlich überlegte Ausrede Geld zu sparen.”

Inzwischen hat er gesagt, dass ich die billigere Variante berechnen soll, weil die Abrechnung im Endeffekt wohl auch für die Firma zu kompliziert sei (derweil habe ich ihm vorgerechnet, wie einfach ich das mit durchlaufenden Posten bei anderen Firmen handhabe).

Komplizierte Vertragsverhandlungen also … 😉