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Übernachtungskosten – Geldwerter Vorteil?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenÜbernachtungskosten – Geldwerter Vorteil?

Uhr
Von: Kuenstlerin
2 Antworten
Hallo!
Mein Mann ist freiberufl. Künstler und hat Auftritte in ganz Deutschland. Bisher war es häufig so, dass die Veranstalter die Übernachtungskosten übernommen haben.
Er hat (da er natürlich keine Hotelbelege hat) somit auch keine Betriebskosten geltende gemacht, außer den Verpflegungsmehraufwand und die Fahrtkosten. Nun ist das Finanzamt der Meinung, dass die vom Veranstalter übernommenen Übernachtungen einen geldwerten Vorteil darstellen und schätzt die Übernachtungen, teilweise übertrieben hoch ( bis zu 100 Euro/ Nacht ) und möchte diese Summen besteuern. Das Argument, man könne ja dann die veranschlagten Summe als Betriebskosten dagegen setzen akzeptiert das FA nicht und zwar mit der Begründung, mein Mann hätte ja keine Belege und somit keine Betriebskosten für die geschätzten Übernachtungen.
Für mich hört sich das total unlogisch an und würde eine ganze Branche kaputt machen.
Mit welchen Argumenten könnte man diese Auffassung entkräften oder ist das FA im Recht?

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Kuenstlerin wrote:
Das Argument, man könne ja dann die veranschlagten Summe als Betriebskosten dagegen setzen akzeptiert das FA nicht und zwar mit der Begründung, mein Mann hätte ja keine Belege und somit keine Betriebskosten für die geschätzten Übernachtungen.

Wenn das Finanzamt in der Lage ist, die Höhe des Vorteils zu schätzen, und zwar in Höhe der fiktiv angefallenen Kosten, ja dann hat es doch auch gleichzeitig die Kosten geschätzt – hier irrt meines Erachtens das Finanzamt, und zwar gewaltig.

Dass die vom Auftraggeber direkt getragenen Reisekosten als Betriebseinnahmen zu erfassen sind, ist zwar in der Praxis unüblich, aber nach der Rechtsprechung richtig, u. a.:

Finanzgericht München Urteil vom 01.07.1998 – 1 K 1810/96 wrote:
Hiernach hat das Finanzamt zu Recht die von der Klägerin getragenen Reisekosten als geldwerten Vorteil (vgl. § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG) in die Bemessungsgrundlage … einbezogen.

http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__8.html

§ 8 EStG wrote:
(2) Einnahmen, die nicht in Geld bestehen (Wohnung, Kost, Waren, Dienstleistungen und sonstige Sachbezüge), sind mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen.

Dies ist somit gleichzeitig der Nachweis, dass die angefallenen Kosten gleich hoch sind wie die Einnahmen.
⇒ Gewinnauswirkungen = ± 0 EUR!

Von: Kuenstlerin
Uhr
Hallo Herr Kexel,

vielen Dank für Ihre Antwort.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!