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Umsatzsteuer ausn.weise vorzeitig ans FA überweisen

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenUmsatzsteuer ausn.weise vorzeitig ans FA überweisen

Uhr
Von: Mr_Akkurat
5 Antworten
Ich bin Freiberufler, mache jährlich eine EÜR und unterliege der Ist-Besteuerung (nach vereinnahmten Entgelten) bei der Umsatzsteuer, keine Dauerfristverlängerung.
Ich erwarte Mitte Dezember 2012 den Zahlungseingang einer größeren Rechnung an einen Kunden. Die darin enthaltene USt (ca. 2.500 EUR) erkläre ich Anfang
Januar 2013 in meiner USt-Voranmeldung und das FA zieht die Knete z.B. am 16. Januar von meinem Konto ein. In der EÜR für 2012 erhöhen diese 2.500 EUR
aber meinen steuerpflichtigen Gewinn für 2012. Die “Kompensation” würde erst in der EÜR für 2013 erfolgen (1 Jahr später).
Hier geht es mir aber darum, den steuerpflichtigen Gewinn für 2012 zu minimierem. Kann ich daher folgendes machen:
Ich überweise manuell Mitte Dezember nach Zahlungseingang des Kunden die Umsatzsteuer von EUR 2.500 an das FA unter Angabe meiner Steuernummer und mit dem Vermerk “freiw. Umsatzsteuerzahlung Dez. 2012”. Damit zahle ich quasi nur 4 Wochen eher als “normal”, die Liquidität ist ja da. Bei der Umsatzsteuervoranmeldung für Dez. 2012 im Jan. 2013 mache ich in Feld 26 (Zeile 75) ein Kreuz und widerrufe damit ausnahmesweise die Einzugsermächtigung. Dann schreibe ich das FA an, weise auf die getätigte Vorabzahlung im Dezember hin und bitte um Erstattung/Verrechnung der im Dezember angefallenen Vorsteuer (weitere Umsatzsteuer ausser der einen Kundenzahlung fällt im Dez. bei mir nicht an).
In der EÜR für das Jahr 2012 trage ich dann in Zeile 45 die EUR 2.500 ein und reduziere so meinen Betriebsgewinn 2012. Kann ich das so machen oder hat
jemand eine andere Idee ?

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben die in einem Zeitraum von zehn Kalendertagen vor oder nach dem Kalenderjahresende zufließen oder bezahlt werden, sind dem Kalenderjahr zuzuordnen, zu dem sie wirtschaftlich gehören (§ 11 EStG).

Nach Meinung des Bundesfinanzhofs, der sich das Bundesfinanzministerium angeschlossen hat, gehören zu diesen regelmäßig wiederkehrenden Einnahmen und Ausgaben auch Umsatzsteuer-Vorauszahlungen.

Da die Umsatzsteuer-Vorauszahlung 12/2012 zum 10.01.2013 fällig und dies ein Werktag ist, fällt die Abbuchung der Umsatzsteuer-Vorauszahlung 12/2012 durch das Finanzamt, auch wenn diese erst später auf Ihrem Bankkontoauszug belastet wird, unter diese Regelung. Die Folge ist, dass Sie diese noch in 2012 als Betriebsausgaben erfassen dürfen und sogar müssen. Da es erfahrungsgemäß bei der Abstimmung zwischen Veranlagungsbezirk und Finanzkasse genau diesbezüglich oft Probleme gibt, sollten Sie in Ihrer Gewinnermittlung hierauf hinweisen.

Von: Mr_Akkurat
Uhr
Hallo Herr Kexel,

das ist eine äußerst hilfreiche Antwort ! 😀

Ich hatte nach dem Problem schon intensiv im Netz gesucht, aber dazu nichts vergleichbares gefunden… 🙁

In diesem Forum bin ich z.B. auf einen Fall gestossen, in dem das Problem “mit anderem” Vorzeichen beschrieben wurde. https://www.betriebsausgabe.de/forum/topic-369.html. Also viele bzw. hohe Eingangsrechnungen mit Vorsteuer im Dezember und wenig oder keine Einzahlungen auf Ausgangsrechnungen, mit der Folge, das im Januar vom FA für das Vorjahr (Dez.) viele Vorsteuer erstattet wurde und zusätzlich noch in der EÜR für das Vorjahr die Eingangsrechnungen incl. Vorsteuer den Betriebsgewinn schmälerten. Das dürfte ja dann nach Ihrer obigen Ansicht auch nicht so funktionieren (die Vorsteuererstattg. des FA im Jan. müßte dann ja bereits im Dez. in der EÜR gebucht werden) und die Leutchen freuen sich zu früh :mrgreen:

Von: Kexel
Uhr

im Falle eines Vorsteuerüberhangs, also einer Umsatzsteuererstattung, kommt es nicht ohne weiteres zur gleichen Lösung.

Den, im Gegensatz zu einer Umsatzsteuerzahllast, die sofort bzw. automatisch zum 10. des Folgemonats zahlbar ist, bedarf es bei einem Umsatzsteuerguthaben noch der Zustimmung durch das Finanzamt.

Wird diese Zustimmung bis zum 10. des Folgemonats erteilt, dann ergibt sich die gleiche Lösung mit umgekehrten Vorzeichen. Erfolgt die Zustimmung nach dem 10. des Folgemonats, ist die Erstattung auch erst im Folgejahr als Betriebseinnahme zu erfassen.

Von: Mr_Akkurat
Uhr
Okay, vielen herzlichen Dank für die Antwort(en) ! 🙂

Ich mache das vorsichtshalber so, dass ich die Umsatzsteuervoranmeldung für Dez. 2012 frühzeitig vor dem 10. Jan. 2013 ans FA übermittle und die Umsatzsteuer-Zahllast rechtzeitig vor dem 10. Jan. manuell überweise (d.h. in der USt-Voranmeldungserklärung einmalig dem Abbuchungsauftrag widerrufe, Feld 26, Zeile 75 im Elster-Formular). Dann kann ich sicher sein, dass die Zahlung beim FA innerhalb der 10 Tages-Frist eintrifft. Andernfalls wäre ich davon abhängig, dass das FA meinen Abbuchungsauftrag auch vor dem 10. Jan. durchführt. 😉

Von: Kexel
Uhr

Mr_Akkurat wrote:
Andernfalls wäre ich davon abhängig, dass das FA meinen Abbuchungsauftrag auch vor dem 10. Jan. durchführt.
StB Kexel wrote:
Da die Umsatzsteuer-Vorauszahlung 12/2012 zum 10.01.2013 fällig und dies ein Werktag ist, fällt die Abbuchung der Umsatzsteuer-Vorauszahlung 12/2012 durch das Finanzamt, auch wenn diese erst später auf Ihrem Bankkontoauszug belastet wird, unter diese Regelung.