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Umzugskosten – betrieblich oder nicht?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenUmzugskosten – betrieblich oder nicht?

Uhr
Von: Stefan999
5 Antworten
Hallo,

ich bin selbstständig im Promotion und Eventbereich. Ich wohnte bis vor kurzem noch in einer Wohngemeinschaft. Da ich aber in der alten Wohnung keinen Keller hatte und die Räumlichkeiten zu klein waren, bin ich nun in eine eigene Wohnung umgezogen. Ich muss dazu sagen, dass ich kein seperates Arbeitszimmer habe und die Räumlichkeiten gemischt (beruflich / privat) nutze.

Nun zu meiner Frage: Da Wohnsitz und Betriebsstätte gleich sind und ich wegen fehlender Lagermöglichkeiten für Equipment umgezogen bin, sprich aus betrieblichen Aspekt, kann ich den Umzug als Betriebsausgabe absetzen?

Das Finanzamt meinte, das ich es nicht könnte, da Wohnsitz und Betriebsstätte gleich sind.

Was meint ihr dazu?

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

das sehe ich leider genau so wie das Finanzamt.
Lediglich den Teil für den Transport der betrieblichen benutzten Einrichtung und Waren wäre anteilig abzugsfähig.

Von: Stefan999
Uhr
Aber heißt es nicht, wenn der Anlass des Umzuges aus betrieblichen Gründen erfolgt, ist der Umzug auch Betriebsausgabe?

Von: Kexel
Uhr
Ja, aber er erfolgte ja nicht ausschließlich oder fast ausschließlich aus betrieblichen Gründen – oder?

Es wird dadurch zum Beispiel keine Wegezeit für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte verkürzt, Wohnung = Abeitsstätte.

Es wird auch keine Dienstwohnung bezogen, z. B. in der Nähe vom Lager/Produktionsstätte/o. ä.

Es wird auch keine neue Betriebsstätte in einem neuen Ort eröffnet, die Grund des Umzugs wäre.

Quote:
… ich wegen fehlender Lagermöglichkeiten für Equipment umgezogen bin, sprich aus betrieblichen Aspekt …

Ja gut – könnte man eventuell als betriebliche Veranlassung sehen.
Allerdings sollten sie hierzu detaillierte Aufstellungen und ggf. Flächenskizzen dem Finanzamt vorlegen, wie zum Beispiel:

– verfügbare Wohn- und Nutzflächen vor und nach Umzug
– benötigte Flächen für die Lagerung des Equipments
– ggf. wesentlich leichteres Handling/Betriebsablauf durch effektivere Lagerung
– verbleibende verfügbare Wohnfläche für Privat vor und nach dem Umzug (je weniger Unterschied, je mehr spricht für betriebliche Veranlassung)

Aber:

Quote:
BFH-Urteil vom 16.10.1992 – VI R 132/88
Leitsatz
Zieht ein Arbeitnehmer in eine größere Wohnung um, so reicht es für die Anerkennung der Umzugskosten als Werbungskosten nicht aus, wenn dadurch lediglich eine Fahrtzeitverkürzung zur Arbeitsstätte von 20 Minuten arbeitstäglich eintritt und die neue Wohnung wegen der wesentlich größeren Platzverhältnisse die Einrichtung eines Arbeitszimmers erlaubt.

Klingt irgendwie nach Ihrem Fall mit “größerem Platzbedarf” – oder?

Von: Stefan999
Uhr
Die Sache ist die, ist es denn rechtens wenn die Wohnung gleich Betriebsstätte ist, das ausgeschlossen wird, das der Umzug betrieblich veranlasst ist, nur weil irgendeine Kilometereinsparung, etc nicht vorhanden ist?

Die aufgezählten Dinge treffen zum großen Teil nur auf Arbeitnehmer zu. Ich bin aber Selbstständig und bin bundesweit unterwegs, weder kann ich durch einen Umzug irgendwelche Kilometer einsparen, noch habe ich ein Geschäft an einem festen Punkt.

Wenn Wohnung gleich Betriebsstätte ist, dann ist immer ein privater Anlass nachrangig mit gegeben. Aber ich bin durch meinen Berufszweig umgezogen, da ich Lagermöglichkeit benötigt habe, die ich in der alten Wohnung nicht hatte.

Von: Kexel
Uhr
Nochmal

Quote:
Allerdings sollten sie hierzu detaillierte Aufstellungen und ggf. Flächenskizzen dem Finanzamt vorlegen, wie zum Beispiel:
– verfügbare Wohn- und Nutzflächen vor und nach Umzug
– benötigte Flächen für die Lagerung des Equipments
– ggf. wesentlich leichteres Handling/Betriebsablauf durch effektivere Lagerung
– verbleibende verfügbare Wohnfläche für Privat vor und nach dem Umzug (je weniger Unterschied, je mehr spricht für betriebliche Veranlassung)