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Vorgehen Reverse Charge wenn/trotz Mwst. auf Rechnung?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenVorgehen Reverse Charge wenn/trotz Mwst. auf Rechnung?

Uhr
Von: helpi
3 Antworten
Hallo,
ich bin langsam verwirrt: Trotz Recherche im Internet finde ich zwei unterschiedliche Auffassungen zu folgendem Sachverhalt:

– Kauf sogenannter Credits als internes Zahlungsmittel beim Fotoanbieter istockphoto – damit können dann im Internet auf der Seite des Verkäufers Fotos heruntergeladen werden
– Der Verkäufer Istockphoto sitzt in Kanada
– Der Käufer in Deutschland ist ein Unternehmen, hat aber vergessen, beim Online-Kauf seine UST-ID anzugeben
– Die Rechnung von istockphoto, Kanada wurde daher mit Umsatzsteuer 19% ausgestellt
– Auf der Rechnung ist die UStID des kanadischen Verkäufers angebeben (EU8260….), jedoch nicht die UstID des deutschen Käufers (weil sie ja beim Kauf versehentlich nicht angegeben wurde)

Meine Frage ist nun, wie man diese Rechnung umsatzsteuerlich richtig erfasst bzw. auch wie man diesen Vorgang im SKR03 steuerlich richtig buchen kann.

Rechnungsbeispiel istockphoto Kanada:
Credits: netto 80,00 Euro
Umsatzsteuer 19%: 15,20 Euro
Gesamt: 95,20 Euro

Ich fand bisher zwei Antwortversionen:

1. Antwort)
Es handelt sich um Reverse-Charge, da Verkauf einer sonstigen Leistung auf elektronischem Weg. Die Rechnung wurde fälschlicherweise mit Mwst. ausgestellt. Daraus folgt, dass der kanadische Verkäufer die Steuer 15,20 Euro jetzt abführen muss. Und der Leistungsempfänger (der deutsche Kunde) bleibt gem. § 13b UStG zwar weiterhin Steuerschuldner der 15,20 Euro, erhält aber keinen parallelen Vorsteuerabzug über 15,20 Euro. UND: Wenn er trotzdem Vorsteuer abziehen sollte, kann es bei einer Steuerprüfung zu Zinszahlungen darauf kommen.
Heißt für den deutschen Käufer: Er hat die Mwst. an den Verkäufer gezahlt, muss diese als Umsatzsteuer in Deutschland abführen, kann sich aber parallel nicht die Steuer als Vorsteuer zurückholen.

2. Antwort)
Es handelt sich um Reverse-Charge-Verfahren, die Rechnung wurde zu Unrecht mit Mwst. ausgestellt. Dem Käufer steht daher gem. § 15 UStG kein Recht zum Vorsteuerabzug der 15,20 Euro zu (bisher wie in Antwort 1).

Es wird dann jedoch folgendes Vorgehen vorgeschlagen:

Obwohl die Rechnung falsch inkl. Mwst. ausgestellt wurde, soll der Käufer das Reverse Charge so anwenden, dass
er die bisherige Bruttosumme der Rechnung (95,20 Euro) als Basis nimmt und auf SKR Konto 3125 bucht und dann 19% Umsatzsteuer auf diesen Betrag (=18,09 Euro) abführt und 19% Vorsteuer (=18,09 Euro) gleichzeitig geltend macht.

95,20 EUR in Kz. 52 (USt-Jahreserklärung 2013, Anlage UR: Kz. 871, Zeile 23)
18,09 EUR in Kz. 53 (USt-Jahreserklärung 2013, Anlage UR: Kz. 872, Zeile 23)
18,09 EUR in Kz. 67 (USt-Jahreserklärung 2013: Zeile 95)

Man solle einfach gedanklich so tun, als ob der kanadische Leistungserbringer dem deutschen Käufer eine korrekte Rechnung ohne Umsatzsteuerausweis in Höhe von 92,20 EUR (eigentlicher Bruttowert) ausgestellt hätte.
Es wäre dazu auch irrelevant, dass auf der Rechnung nicht die UST-ID des Käufers angebeben ist.

Bin verwirrt. Daher meine Frage:
Kann man tatsächlich einfach wie in Antwort 2 vorgehen, zumal Antwort 1 ja aussagt, dass ein Vorsteuerabzug (der tatsächlich ausgewiesenen Mwst) nicht erlaubt wäre und Strafzinszahlungen mgl. wären.

Wie ist denn die steuerlich richtige Buchungspraxis in so einem Fall (Mwst. in Rechnung angegeben trotz Unternehmereigenschaft des Käufers)?

Besten Dank für Eure Meinungen.

Von: helpi
Uhr
Nachtrag: Ich erstelle eine EÜR (das ist m.E. wegen des Creditkaufs wichtig).

Ich weiß leider nicht, wie ich die eben geschriebenen Beitrag ändern kann, daher als Antwort….

Von: TorstenMo
Uhr
Nichts für ungut, aber bei derartigen Problemen ist es doch besser, wenn man sein Umsatzsteuererklärung von einem Steuerberater vor Ort erledigen lässt.

Von: TorstenMo
Uhr
Mal abgesehen davon wage ich zu bezweifeln, dass der kanadische Unternehmer deutsche Umsatzsteuer ausweist. Es wird die kanadische Umsatzsteuer sein die vielleicht zufälligerweise auch 19 Prozent beträgt.