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Vorsteuer aus Geschenkaufwendungen an Geschäftspartner

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenVorsteuer aus Geschenkaufwendungen an Geschäftspartner

Uhr
Von: TorstenMo
3 Antworten
Zur eingehenden Info:

Bei Geschenken gilt eine Freigrenze von 35,- EUR pro beschenkter Person und Jahr. Sofern der Unternehmer umsatzsteuerbefreit arbeitet, ist der Betrag brutto, also inkl. Umsatzsteuer zu verstehen. Für umsatzsteuerpflichtige gilt die Freigrenze netto, also ohne Umsatzsteuer. Wo der Unterschied zwischen Freigrenze und Freibetrag liegt, erkennt man recht gut an folgendem Beispiel:

Das erste Geschenk für den Kunden M hat einen Wert inkl. Ust von 23,80 EUR. Da dieser Wert unter der Freigrenze von 35,- EUR bleibt, liegt eine Betriebsausgabe vor.
Zum Ende des Jahres bekommt der Kunde M ein weiteres Geschenk mit einem Wert inkl. Ust von 29,75 EUR. Im gesamten Jahr erhielt der Kunde M somit einen Wert von netto 45,- EUR geschenkt. Da dieser Wert über der Freigrenze von 35,- EUR liegt, sind beide Geschenke eine nicht abzugsfähige Betriebsausgabe. Beide Geschenke müssen somit unter nicht abzugsfähige Geschenke gebucht werden. Die Vorsteuer, die bei dem ersten Geschenk gebucht wurde, muss nun korrigiert werden. Die frühere Umsatzsteuervoranmeldung bleibt hiervon unberührt.

Handelte es sich hier um einen Freibetrag, dann hätte M zumindest die 25,- EUR netto als Betriebsausgabe verwenden können. Die Überschreitung der Freigrenze führt allerdings zu der kompletten Vernichtung der Geschenke Betriebsausgabe.

Von: TorstenMo
Uhr
Komisch, keiner schreibt zum Thema Geschenke. Schenkt denn keiner mehr was? Zumal das doch die schönste Sache ist, um Betriebsausgaben zu erzeugen und dabei noch Menschen glücklich zu machen.

Von: Milan002
Uhr
Ich hätte ein fachliches Problem:

Wie ist der § 3 Abs. 1b UStG zu verstehen ? Hier steht:

Quote:
Eine Lieferung gegen Entgelt werden gleichgestellt

.

Hat das zur Folge, dass Geschenke über 35 Euro zusätzlich der Umsatzsteuer (+19%) unterliegen ?

Was ist, wenn der Schenker ausschließlich (97%) Umsätze nach § 4 Nr. 12 (steuerfreie Vermietung) und zu 3% steuerplfichtig tätigt ?

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

ja Torsten, das Thema “Geschenke” hat nach unseren Erfahrung tatsächlich in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren bzw. es wird tatsächlich weniger geschenkt. Erst seit Ende letzten Jahres (2007) ist eine leichte Trendwende zu verzeichnen.

Zur Frage von Milan002:

Quote:
Hat das zur Folge, dass Geschenke über 35 Euro zusätzlich der Umsatzsteuer (+19%) unterliegen ?

verweise ich auf § 3 Abs. 1b Satz 2 UStG:
“Voraussetzung ist, dass der Gegenstand oder seine Bestandteile zum vollen oder teilweisen Vorsteuerabzug berechtigt haben.”
Da nach § 15 Abs 1a UStG keine Vorsteuerabzugsberechtigung besteht, liegt auch keine umsatzsteuerpflichtige Lieferung vor.

Zur zweiten Frage

Quote:
Was ist, wenn der Schenker ausschließlich (97%) Umsätze nach § 4 Nr. 12 (steuerfreie Vermietung) und zu 3% steuerplfichtig tätigt ?

verweise ich hinsichtlich der Umsatzsteuer auf § 15 Abs. 4 UStG – Vorsteueraufteilung und hinsichtlich der Einkommensteuer auf § 9b Abs. 1 EStG. Da Sie offensichtlich ein Steuerrechtskundiger sind, dürften Ihnen diese Paragraphen weiterhelfen.
Also, Rechnungsbetrag brutto abzüglich abzugsfähigem Vorsteueranteil ergibt den Wert für die Einkommensteuer.
Da ein Geschenk aber in aller Regel persönlich ist, besteht normalerweise entweder voller Vorsteuerabzug – im Rahmen der 35-Euro-Grenz (Geschenk an umsatzsteuerpflichtigen Mieter) oder kein Vorsteuerabzug (Geschenk an umsatzsteuerfreien Mieter).

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de