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Was ist TYPISCHE Arbeitskleidung!? Finanzamt erkennt Kleidung nicht an!

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenWas ist TYPISCHE Arbeitskleidung!? Finanzamt erkennt Kleidung nicht an!

Uhr
Von: WISSENSHUNGER
6 Antworten
Schönen guten Tag,
ich arbeite als “Vermesser” im Aussendienst. Ich bin daher ständig auf Baustellen und allen Wetterverhältnissen ausgesetzt. Ich habe nun eine Rechnung über Kleidungstücke die ich für meine Arbeit brauche beim Finanzamt eingereicht. Das Finanzamt weigert sich allerdings diese Kleidung als typische Arbeitskleidung anzuerkennen!
Die Kleidung habe ich in einem Geschäft erworben, dass ausschließlich Arbeitskleidung führt. Das ist auch aus der Rechnung ersichtlich.

Bei der Kleidung handelt es sich u.a. um eine Arbeitshose, diese hat spezielle Taschen z.B. für Zollstock und Stifte, weiterhin kann man Kniekissen in speziellen Knietaschen einbringen. Zwei Faserpullover und eine Winterjacke als Kälteschutzkleidung, diese sind durch ihre Verarbeitung auf den etwas raueren Arbeitstag auf einer Baustelle angepasst.

Nun wirft mir das Finanzamt vor, ich könnte die Kleidung auch privat nutzen. Dabei reicht alleine die Möglichkeit!!!

Bei der Hose darf es meiner Ansicht keine Diskussion geben, bei den Pullovern und der Jacke kann ich nur sagen, ja man kann diese privat tragen. Dann kann ein Schlachter aber auch mit der blutigen Schürze durch die Stadt gehen. Die Kleidung ist durch ihre Verarbeitung auf die Bedürfnisse und Anforderungen auf Baustellen ausgelegt, wenn man diese privat tragen würde sähe es für jederman so aus, als käme man gerade von der Arbeit. Weiterhin bleicht die Kleidung durch die UV-Belastung stark aus und Verunreinigungen durch Markierungsspray oder anderen auf Baustellen anzutreffenden Dreckarten, verleiht der Kleidung ein Aussehen, welches im Privatleben sehr auffällig sein dürfte.

Bei dem Hersteller handelt es sich um einen namenhaften Hersteller der im Bereich der Berufsbekleidung sehr bekannt ist. Auch der Inhaber der Vertretung, die für den gesamten nördlichen Teil Deutschlands zuständig ist, zeigte sich über die Aussage des Finanzamtes sehr verwundert.

Ich habe bereits eine Erklärung meines Arbeitgebers beim Finanzamt eingereicht. In dieser Erklärung bestätigt er die Notwendigkeit dieser Kleidungsstücke. Die vom Finanzamt völlig schwachsinnige Empfehlung einen “Blaumann” zuverwenden, wird auch deutlich als unzureichend bescheinigt.

Ich bin mittlerweile ratlos und frustriert!!!
Falls das Finanzamt mit dieser Auslegung des Steuerrechts recht behält, kann ich nur einlenken, werde dann aber einige bisherige Grundsätze überdenken.

Ich wäre EUCH für Anworten und Ratschläge sehr dankbar!!!

Von: WISSENSHUNGER
Uhr
Guten Abend,
möchte nicht unhöflich erscheinen, aber hat denn KEINER einen nützlichen Hinweis für mich!?

Wäre für jede themenbezogene und evtl. sogar fachkundige Antwort dankbar!

Habe ich mich in etwas verrannt?

Kann nur keinen Unterschied zwischen meiner Arbeitskleidung und der oft beispielhaft angeführten Arbeitskleidung erkennen. Ich denke auch die Notwendigkeit einer solchen Kleidung ist, wie in den oft angeführten Beispielen, erkennbar. Werde ich bestraft, weil mein Beruf keine feste Zunftkleidung hat?

Auf mich wirkt es eher wie “Willkür” eines Sachbearbeiters, oder sollten die geltenden Gesetze tatsächlich eine derartige Ungleichbehandlung hervorrufen bzw. diese unterstützen!?

Voller Hoffnung auf Antwort und nützlicher Ratschläge, wünsche ich ein schönes Wochenende. 🙂

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

also schon wieder einer, der kostenlosen Rat via Internet im Minutentakt wünscht. Nein – das geht nicht, schnelle Antworten gibts nur kostenpflichtig direkt beim Fachmann um die Ecke.

Aufwendungen für Arbeitskleidung sind, wenn und soweit es sich um typische Berufskleidung (z. B. Arbeits-schutz-kleidung) handelt, steuerlich abzugsfähig. Dagegen rechnen Aufwendungen für bürgerliche Kleidung zu den nichtabziehbaren Kosten der privaten Lebensführung. Die ausschließliche Nutzung bei der Berufsausübung ändert nichts an diesem Grundsatz.

Das Abzugsverbot gilt auch, wenn einem wegen seines Berufs außergewöhnlich hohe Aufwendungen für die Kleidung erwachsen.

Von: WISSENSHUNGER
Uhr
Möchte mich ausdrücklich entschuldigen, falls mein zweites Posting den Eindruck des “DRÄNGELS” erweckt hat. Mir ist vollkommen klar, dass die hier antwortenden Personen, ihre Antworten meist in ihrer Freizeit formulieren. Ich bin sehr dankbar über dieses Forum Fragen äußern zu können. Ich habe mit meinem zweiten Beitrag aus diesem Grund auch knappe 5 Tage gewartet. Nach dieser Zeit dachte ich, es könnte evtl. auch an meiner Fragestellung liegen oder es handele sich um ein Thema welches zur genüge erklärt worden sei.

In meinen Augen ist meine Kleidung Berufsbekleidung. Ich kann diese nicht wie bürgerliche Kleidung in normalen Geschäften kaufen, sie wird ausschließlich im Fachhandel geführt. Die Hose ist speziell auf den Arbeitsalltag hinsichtlich Verarbeitung, Material, Anordnung der Taschen und der Kniekissen ausgelegt. Die Jacke und die Pullover sind auch auf den Einsatz auf Baustellen ausgerichtet und stellen einen Kälteschutz dar. Wenn man den gesamten Arbeitstag bei Wind und Wetter draußen ist und dort arbeitet, ist dies schlecht in bürgerlicher Kleidung machbar.

Das Finanzamt sagt, die private Nutzung muss ausgeschlossen sein. Auch ein Berufstaucher kann seinen Taucheranzug privat anziehen.

Ich würde mich freuen, wenn mir jemand erklären könnte, ob ich nun Berufsbekleidung trage, oder nicht!?
Wenn nein, warum nicht?
Wenn ja, welche Argumente könnte ich gegenüber dem Finanzamt anführen, damit sie meinem Antrag stattgeben?

gefundene Berufsbekleidungsbeispiele, u.a.:
* Arbeitskittel (weiß für Ärzte oder medizinisches Personal, Architekten,
grau für Lagerarbeiter oder technische Kaufleute)
* Roben (Richter, Rechtsanwälte)
* Sicherheits- und Spezialschuhe (Bauarbeiter, Techniker, Ingenieure)
* Talare
* Uniformen

–> Habe etwas Probleme den Unterschied, in Hinblick der Notwendigkeit, zu meiner Kleidung zu erkennen.

Für eine Antwort wäre ich sehr dankbar. Möchte mich auch nicht in etwas verrennen.

Von: Kexel
Uhr

Quote:
Ich kann diese nicht wie bürgerliche Kleidung in normalen Geschäften kaufen, sie wird ausschließlich im Fachhandel geführt.
Quote:
Die Hose ist speziell auf den Arbeitsalltag hinsichtlich Verarbeitung, Material, Anordnung der Taschen und der Kniekissen ausgelegt.

Dies sind meines Erachtens sehr gute Argumente, darauf sollten Sie das Finanzamt hinweisen.

Hier ein paar Urteile des Bundesfinanzhofs:

Quote:
BFH Urteil vom 10.10.1986 – VI R 61/83 (NV)

Aufwendungen einer Bauingenieurin für bürgerliche Kleidung sind auch dann nicht als Werbungskosten abziehbar, wenn die Kleidungsstücke bei ihrer beruflichen Verwendung einer besonders hohen Abnutzung unterliegen.

Quote:
BFH Urteil vom 24.07.1981 – VI R 171/78
Auch ein besonders hoher, beruflich veranlaßter Verschleiß von bürgerlicher Kleidung kann grundsätzlich nicht zu einem Werbungskostenabzug führen, es sei denn, dieser Verschleiß ist von dem normalen Kleidungsverschleiß nach objektiven Maßstäben zutreffend und in leicht nachprüfbarer Weise abgrenzbar.
Quote:
BFH Urteil vom 06.12.1990 – IV R 65/90

Aufwendungen für Kleidung, die ein Arzt bei der Berufsausübung trägt, sind nur dann Betriebsausgaben, wenn die außerberufliche Verwendung der Kleidungsstücke wegen ihres rein funktionalen Charakters als ausgeschlossen erscheint.

Von: Ehemaliger Nutzer
Uhr
Was haben denn die Arbeitskleidung insgesamt gekostet?

Von: BAB Bax
Uhr
Ich kann sicher nicht beraten weil mir das steuerliche know how dazu fehlt – möchte aber aus meiner beruflichen Erfahrung als Inhaber eines Versandhandels für Berufsbekleidung und Arbeitskleidung etwas beitragen.

Entscheidend ist für das FA ob die Kleidung im Privatleben auch zu tragen ist.

Wir haben einige Kunden die aus diesem Grunde Ihre Arbeitskleidung mit Namensschildern und Firmenlogo versehen lassen.
Ein Kragenstick z.B. auf einem Hemd oder einer Bluse und ein Namensstick oberhalb der Brusttasche sind deutliche Kennzeichen dafür, dass diese Kleidung Ihren Wert als Freizeitkleidung verloren hat und einen eindeutigen Bestimmungszweck hat.

Ob das nun 100% sicher ist kann ich nicht sagen, weiß aber dass viele unerer Kunden das Problem auf diese Art lösen konnten.

Zu der Winterjacke noch ein Gedanke – Wenn man damit auf Baustellen muss und z.B. als Vermesser auch an befahrenen Verkehrswegen arbeitet – dann würde ich mir eine Warnschutzjacke kaufen. Die ist der persönlichen Schutzausrüstung zu zuordnen – da kann ich mir nicht vorstellen dass jemand auf die Idee zur Nutzung in der Freizeit kommt. Zusätzlich erhöht es die eigene Sicherheit und winddicht, wasserdicht & atmungsaktiv gibt es im Warnschutz auch alles.