≡ Menu
Fragen »

Wie buche ich ein finanziertes Firmen-Fahrzeug?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenWie buche ich ein finanziertes Firmen-Fahrzeug?

Uhr
Von: UMBE
12 Antworten
Hallo,
ich habe mir ein gebrauchtes Fahrzeug gekauft, bzw. eine Anzahlung geleistet und den größten Teil finanziert. (kein Leasing)

Das Auto nutze ich geschäftl. und privat.

Wie verfahre ich mit der Umsatzsteuer?

Wie funktioniert die Abschreibung für ein finanziertes Auto?

Wie kann ich die monatl. Raten steuerlich geltend machen?

Ich stehe da gerade komplett auf dem Schlauch und bin für jede Hilfe dankbar!

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

also, unterstellt Sie sind

– vorsteuerabzugsberechtigt,
– beim Kauf wurde Umsatzsteuer offen ausgewiesen und
– Ihr betrieblicher Nutzungsanteil liegt über 50 %

dann buchen bzw. erfassen Sie das ganze wie folgt:

1. Netto-Anschaffungskosten = Anlagevermögen
2. Vorsteuer aus Anschaffungsrechnung = voll abzugsfähige Vorsteuer
3. Anzahlung aus eigenem Vermögen = Privateinlage oder gegen Bank zu buchen, je nach dem was zutrifft (also Anlagevermögen und Vorsteuer an Bank/Privat buchen)
4. Restzahlung = Darlehnsauszahlung gegen Darlehn buchen (also Anlagevermögen und Vorsteuer an Darlehn buchen)
5. Abschreibung des Fahrzeugs vereinfacht linear über insgesamt 6 Jahre abzüglich des Alters des Fahrzeugs (z.B. 1,5 Jahre alt – Restnutungs-/Abschreibungsdauer = 4,5 Jahre), Berechnung der Abschreibung = Anschaffungskosten netto geteilt durch die Abschreibungsdauer
6. Monatlich Finanzierungsraten aufteilen in einen Tilgungs- und Zinsanteil (ggf. bei der Finanzierungsgesellschaft/Bank einen entsprechenden Zins- und Tilgunsplan anfordern). Tilgungsanteil gegen Darlehn buchen und Zinsanteil auf langfristigen Zinsaufwand für Anlagevermögen buchen.

Wenn dies zu verwirrend sein sollte, dann benötige ich mehr Detailangaben um das ganze anhand eines Zahlbeispiels zu erläutern. Sie können mir die Daten/Unterlagen auch gern per E-Mail (siehe auf meiner Internetseite) zukommen lassen, ich werde Ihnen den Sachverhalt dann gerne ausführlich erläutern.

Von: UMBE
Uhr
Konnte leider einige Zeit nicht online gehen, daher melde ich mich erst jetzt um mich ganz herzlich zu bedanken.

Die Antwort ist sehr hilfreich und ausführlich, ich denke ich komme damit klar.

Danke!

Von: UMBE
Uhr
Hallo,
jetzt habe ich doch noch eine Frage dazu.

Muss das im Falle einer EÜR auch so kompliziert verbucht werden?- Oder kann man das vereinfachen?

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

Ja, auch bei einer EÜR ist so vorzugehen, denn beim Anlagevermögen gibt es keinen Unterschied zwischen Bilanzierung und EÜR.
Die Vorsteuer aus den Anschaffungskosten von Anlagevermögen stellt allerdings, wie andere betriebliche Vorsteuer bei einer EÜR auch, Betriebsausgaben dar und die Erstattung durch das Finanzamt Betriebseinnahmen.

Von: UMBE
Uhr
Hallo Herr Kexel,
klingt alles sehr logisch, trotzdem bin ich nun schon seit Wochen dabei diese “Geschichte” richtig zu verbuchen, weil ich irgendwo einen Denkfehler habe.

Ist die gesamte Vorsteuer im Jahr der Anschaffung mit dem FA zu verrechnen? Ich habe ja den Betrag noch gar nicht gezahlt. Die V-Steuer aus der Anzahlung, die ich ja tatsächlich schon bezahlt habe ist zu verrechnen, das ist mir klar.
Ein Riesenproblem habe ich nur mit der V-Steuer in dem Darlehnsbetrag.

Beispielrechnung:

Kaufpreis des Fahrzeugs sei 25.000 € incl. Steuer
Sofort bei Abholung werden 5.000 € gezahlt, die restl 20.000 € werden finanziert.

1. es werden 4.201,68 € Anlagevermögen und 798,32 € Vorsteuer an Bank gebucht.

mein Programm rechnet den Betrag auch ordnunsgemäß dem Anlagevermögen und der V-Steuer zu.

2. 20.000 € Anlagevermögen an Darlehn.

Und was ist jetzt mit der Vorsteuer aus dem Darlehnsbetrag?

Ich habe zunächst die finanzierte Summe (in diesem Bsp. die 20.000 €) aufgeteilt in Nettobetrag und V-Steuer.
Gebucht habe ich dann 16.806,72 Anlagevermögen und 3.193,28 Mwst-Verrechnungkonto an Darlehn.

Wenn ich das gemacht habe, ist der Betrag aber nicht der zu erstattenden Vorsteuer zugerechnet worden, sondern hat sich in meiner EÜR gewinnmindernd ausgewirkt.

Jetzt bin ich völlig verwirrt und bitte um Hilfe!

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

eine Finanzierung per Kredit ist ertragsteuerlich wie eine Barzahlung zu behandeln. Der Vorsteuerabzug besteht aus der Kfz-Rechnung, nicht aus dem Darlehensvertrag.
Die (Anschaffungs-)kosten gelten als mit dem Darlehen bezahlt.

Umsatzsteuerlich ist es hinsichtlich der Vorsteuer sowieso egal ob gezahlt wurde oder nicht. Der Vorsteuerabzug steht grundsätzlich im Leistungs-/ Lieferzeitpunkt zu, wenn auch eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt.

Korrektur Ihrer Beispielsrechnung:
1.
a) es werden 21.008,40 EUR Anlagevermögen und 3.991,60 EUR Vorsteuer an Verbindlichkeiten gebucht
b) es werden 5.000,00 EUR Verbindlichkeiten an Bank gebucht

2. 20.000,00 EUR Verbindlichkeiten an Darlehen buchen

danach beträgt der Saldo des Verbindlichkeitskontos 0,00 EUR.

– Abschreibung von 21.008,40 EUR rechnen.
– Vorsteuerabzug in der Umsatzsteuer-Voranmeldung/Erklärung von 3.991,60 EUR.
– Vorsteuer als Betriebsausgaben von 3.991,60 EUR.

Von: Baahro
Uhr
Hallo zusammen,

bin neu hier im Forum und habe da mal eine Frage, da ich die gleiche Problematik zur Zeit anstehend habe:

Da es sich hier, bei dem beschriebenen Fall, um eine E/Ü handelt, wird doch Ist-verteuert und nicht Soll-versteuert! Das bedeutet, der Geldfluss ist entscheidend und nicht die reine Rechnungsstellung (wie bei der Sollversteuerung).

Demnach dürfte auch nur die Vorsteuer für diese einzelne Rate interessant sein (bzw. vom FA erstattet werden – weil der Geldfluss stattfand).

Liege ich da falsch?

MfG S. Bahr 😯

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

umsatzsteuerliche Ist-Besteuerung bezieht sich nur auf die Mehrwertsteuer, also die Einnahmenseite, nicht auf die Vorsteuer, die Ausgabenseite.

Vorsteuerabzug besteht in dem Monat in dem die Rechnung vorliegt und entweder die Leistung erbracht oder die Zahlung geleistet wurde.

Anders ist es bei der Einkommensteuer. Hier stellt die Vorsteuer erst dann Betriebsausgabe dar, wenn sie auch bezahlt wurde.

Von: sd1970
Uhr
Hallo Herr Kexel

muß auch die Einnahmenüberschussrechnung für 2010 ausfüllen, juli 2010 habe ich ein Neuwagen in Wert von 26500 eur inkl Mwst für 24 monate finanziert 5000 eur Anzahlung, Finanzamt überwies mir den mwst ein Monat später.

meine Frage ist wie und wo muss ich es im EÜR eingeben? ist zeile 54 im Eür dafür geeignet also “Kraftfahrzeugkosten und andere Fahrtkosten”?
Rechnung hab ich ja über den gesamten Betrag aber bezahlt habe ich nur 5000 Anzahlung+ die monatlichen Beiträge im Jahr 2010.

danke im Voraus