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Zu welchen Anteil kann ich dieses Arbeitszimmer absetzen?

Von: Frank Schroeder • Veröffentlicht: 22. Februar 2017

FragenZu welchen Anteil kann ich dieses Arbeitszimmer absetzen?

Uhr
Von: CMondello
3 Antworten
Ich habe eine Frage zum Arbeitszimmer.Ich bin Hauptberuflich als
System Operator taetig mit einem Arbeitsplatz(kein Arbeitszimmer) ,
desweiteren arbeite ich freiberuflich als Geologe.Ich benuetze ein
Arbeitszimmer in meinem Haus sowohl privat als auch fuer meine nebenberufliche
Taetigkeit (Fuer die Buchhaltung, Rechnungen und Angebote schreiben, fuer
PC Auswertungen etc.) Zu welchen Anteil kann ich dieses Arbeitszimmer
absetzen? Bitte um Antwort.

Von: TorstenMo
Uhr
Die Regelungen für das Arbeitszimmer von Selbständigen haben sich in den letzen Jahres massiv verschärft. Sie stimmen übrigens mit denen der Arbeitnehmer überein und gelten für alle Einkunftsarten, so dass dahingehend Werbungskosten = Betriebsausgaben sind. Es spielt also keine Rolle, ob der Betreffende Arbeitnehmer, Gewerbetreibender oder Freiberufler ist. Die Betreffenden müssen jedoch genau prüfen, ob sie alle Voraussetzungen für den Abzug eines Arbeitszimmers erfüllen.

Es existieren insgesamt drei Fälle.
Zum Einen kann das Arbeitszimmer voll als Betriebsausgabe abzugsfähig sein, das heißt, alle damit entstehenden Kosten sind dann als Betriebsausgabe gewinnmindernd ansetzbar. Zum Anderen kann eine Begrenzung beim Abzug der Kosten des Arbeitszimmers vorliegen und schließlich kann es auch vorkommen, dass die Kosten gar nicht abzugsfähig sind.

Zu Ihrer Situation:
Es ist zunächst zu prüfen, inwieweit Sie Ihr Arbeitszimmer für die freiberufliche Arbeit nutzen. Das heißt wie viele Stunden sind Sie freiberuflich und wie viele privat in Ihrem Arbeitszimmer tätig.

Nutzung mehr als 50%:
Verbringen Sie mehr als 50% in Ihrem Arbeitszimmer, obwohl Sie einen Arbeitsplatz an der Arbeit oder dem Betrieb haben, so ist das Arbeitszimmer mit 1.250 EUR pro Jahr abzugsfähig. Vorsicht ist jedoch in Ihrem Fall geboten. Die betriebliche Nutzung des Arbeitszimmers muss mehr als 50% betragen, wobei die Arbeitszeiten der betrieblichen und beruflichen Tätigkeiten zusammengerechnet werden.

Bsp.: Als Systemoperator haben Sie einen Arbeitsplatz an dem Sie auch überwiegend arbeiten und zwar mit einer 40 Stunden Woche (Annahme). Ihre freiberufliche Tätigkeit wird ausschließlich in Ihrem Arbeitszimmer stattfinden, wo Sie weitere 15 Stunden pro Woche (3 h am Tag x 5 Tage) arbeiten. Nun müssen Sie alle Arbeitsstunden zusammenrechnen (55 Stunden pro Woche) und den Anteil in Ihrem Arbeitszimmer (15/55 = 27%) bestimmen. Sie sehen, das der Anteil nicht über die 50% Grenze kommt.

Somit ist für Sie der Ansatz eines Arbeitszimmers nahezu ausgeschlossen. Es sein denn, Sie nutzen das Arbeitszimmer auch für Ihre Tätigkeit als Systemoperator, so dass Sie über die besagten 50% kommen. Dazu benötigen Sie zumindest eine Bescheinigung Ihres Arbeitgebers, dass Ihnen keine geeigneten Räume zur Verfügung stehen.

Ich hoffe ich konnte etwas helfen.
Wenn noch Fragen sind einfach noch mal posten.

Von: Ehemaliger Nutzer
Uhr
Ich habe dazu mal eine Frage:
Wann spricht man von einem Arbeitszimmer und wann von einer Betriebsstätte?
Folgender Fall:
Ein Maler,Einzelunternehmer, nutzt in seiner Wohnung ein Zimmer als Büro, den Keller als Lager.
Da es keine zus. angemieteten Geschäftsräume gibt, klassifiziert der Stb. dies nicht als Arbeitszimmer sondern als Betriebsstätte.
Mit der Folge, dass Miete und Energiekosten anteilig als Betriebsausgabe gebucht werden. Aus den Energiekosten wird auch anteilig die VoSt gezogen.
Grundsätzlich wäre ja der VoStabzug ausgeschlossen da die Rg. ja nur an ihn privat gehen.
Begründet wird der Vostabzug damit dass kein HR-Eintrag des Firmennamens vorliegt und Privat-und.Gesch.adresse identisch sind.

Von: Kexel
Uhr
Hallo,

also Ihre Frage zu beantworten ohne Sie zu verwirren dürfte verwirrend sein.

Einfach ausgedrückt, Arbeitszimmer ist ein Raum in dem jemand arbeitet. Betriebsstätte ist ein Ort, ein Gebäude, ein Gelände, ein Raum, in dem oder von dem aus ein Unternehmen betrieben wird. ein Arbeitszimmer kann, wie in Ihrem Beispiel, eine Betriebsstätte sein.

Der Ort einer Betriebsstätte ist unter anderem entscheidend für die Beantwortung der Frage welches Finanzamt zuständig ist oder auf welche Gemeinden die Gewerbesteuer verteilt wird.

Für den Abzug der Umsatzsteuer (Vorsteuer) spielt es keine Rolle ob die Rechnung an die Betriebs- oder Privatadresse ausgestellt ist. Die Umsatzsteuer bezieht sich nicht auf das Unternehmen, sondern auf den Unternehmer. Ein Unternehmer kann auch mehrere Unternehmen, an verschiedenen Orten, haben, er gibt aber immer nur eine Umsatzsteuer-Voranmeldung/-Erklärung ab. Darin sind die Umsätze und Vorsteuern seiner gesamten Unternehmen zu erklären.

Es muss nur eine gültige Adresse auf der Rechnung stehen. Im Umsatzsteuergesetz selbst heißt es: “die vollständige Anschrift des Leistungsempfängers”. Es gibt keine Angabe dazu welche Anschrift, betrieblich oder privat. Ist die Rechnung auf die Privatadresse ausgestellt und die bezogene Leistung aber für das Unternehmen, ist die Vorsteuer – ggf. unter Beachtung der weiteren Voraussetzungen – abzugsfähig.

Gruß

Helmut Kexel, Vereidigter Buchprüfer/Steuerberater
www.steuernplusberatung.de